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Li Na steht in Melbourne zum ersten Mal in ihrer Karriere in einem Grand-Slam-Finale © getty

Li Na steht im Australian-Open-Finale. Damit ist die 28-Jährige Vorreiterin einer Welle von Spielern aus dem Reich der Mitte.

Melbourne - Es geht langsam, Schritt für Schritt. Aber die Welle scheint nicht aufzuhalten.

Im vorigen Jahr standen bei den Australian Open in Melbourne erstmals zwei Spielerinnen aus China im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers, beide scheiterten.

Jetzt hat Li Na noch einen draufgesetzt und das Endspiel am Samstag gegen Kim Clijsters erreicht. Sie wird nicht die einzige bleiben.

"Vielleicht ist mein Erfolg gut für das Tennis in China, vielleicht", sagte die 28-Jährige nach ihrem Dreisatz-Sieg gegen die Weltranglisten-Erste Caroline Wozniacki und übte leise Kritik an der obersten Sportführung des Riesenreiches: "Über dem Tennisverband ist man bisher vielleicht nicht so am Tennis interessiert."

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

14 Millionen Aktive

Dennoch hat es schon gewaltige Anstrengungen und Steigerungsraten im chinesischen Tennis gegeben.

Spielten dort 1988, als Tennis wieder olympisch wurde, nur etwa eine Million Menschen Tennis, sind es jetzt laut offizieller Zahlen der WTA Tour 14 Millionen auf 30.000 Plätzen.

Im chinesischen Staatsfernsehen ist Tennis nach Fußball und Basketball mittlerweile Sportart Nummer drei. (DATENCENTER: Die Australian Open)

Chang eröffnet Tennis-Akademie

Das kombinierte WTA- und ATP-Turnier in Peking ist mit einem Preisgeld von 6,6 Millionen Dollar eines der größten Events der Welt. Die ATP hat zudem eines ihrer 1000er-Turniere nach Shanghai vergeben. Es muss also einen Markt geben.

Ein Grund ist das Entstehen eines wohlhabenden chinesischen Mittelstandes, der sich zunehmend "westlichen" Sportarten wie Golf und Tennis zuwendet.

Der chinesisch-stämmige Amerikaner Michael Chang hat 2008 eine Tennis-Akademie in Shenzen eröffnet.

Justine Henin schickte im letzten Jahr einige Coaches ihrer Akademie zu einem Austauschprogramm nach Peking.

Doppel-Gold in Athen

"Vielleicht nehmen nach meinem Finaleinzug ja ein paar Kinder einen Schläger in die Hand und denken, das kann ich auch eines Tages schaffen", sagt Li, "vielleicht gewinnen sie mehr Selbstvertrauen."

2004 machten die Spielerinnen aus dem Reich der Mitte erstmals nachdrücklich auf sich aufmerksam, als Li Ting und Sun Tiantian bei Olympia in Athen Gold im Doppel gewannen.

Zwei Jahre später holte Zheng mit ihrer Partnerin Yan Zi in Melbourne erstmals einen Grand-Slam-Titel im Doppel.

Systematische Ausbildung

Im Zuge der Olympiabewerbung für 2008 hatte der Verband systematisch mit der Ausbildung von Tennisspielern begonnen.

Landesweit wurden Stützpunkte angelegt und Kinder ausgebildet.

Der Weltverband ITF startete zudem diverse Projekte und Aktionen in China, um Tennis populärer zu machen. Seit 2002 wurden 400 Trainer der höchsten Ebene in China ausgebildet.

"Tennis wird größer und größer"

"Tennis wird bei uns größer und größer", sagt Li Na, "es kommen auch immer mehr Journalisten mit und berichten über uns."

In Melbourne beispielsweise sind chinesische Berichterstatter längst kein ungewohntes Bild mehr.

"Man weiß natürlich nicht, was sie schreiben und ob das gut für uns ist", sagt Li, "alles hängt von den Medien ab." Und von ihrem Erfolg.

Einen wichtigen persönlichen Erfolg hat die chinesische Starspielerin in Verhandlungen mit ihrem Verband bereits im letzten Jahr erzielt. Statt wie bisher 60 Prozent muss sie mittlerweile nur noch zwölf Prozent ihres Preisgelds abgeben.

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