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Tommy Haas holte in seiner Karriere bislang zwölf Turniersiege © getty

In Runde 1 der French Open endet Tommy Haas' Comeback jäh. Petzschner gewinnt ein DTB-Duell, Berrer schlägt einen Gesetzten.

Paris - Der Traum vom perfekten Comeback auf der Grand-Slam-Bühne endete für Tommy Haas im ungeliebten roten Sand von Paris.

Die Niederlage des Rückkehrers leitete bei den French Open (täglich im LIVE-Ticker) einen schwarzen Montag mit neun deutschen Erstrundenpleiten ein. Nach 15-monatiger Verletzungspause verlor der 33-jährige Haas sein Auftaktmatch gegen den Türken Marsel Ilhan mit 4:6, 6:4, 6:7 (1:7), 4:6 - und grübelte danach über seine Zukunft. (DATENCENTER: Die French Open)

Grund zur Freude hatten am zweiten Turniertag nur Philipp Petzschner (Bayreuth), Michael Berrer (Stuttgart), Tobias Kamke (Lübeck) und Sabine Lisicki (Berlin).

Lisicki wieder in den Top 100

Mannschafts-Weltmeister Petzschner behielt im deutschen Duell gegen den Hamburger Mischa Zverev mit 7:6 (7:3), 6:0, 6:4 die Oberhand, während Berrer gegen den favorisierten Aufsteiger Milos Raonic (Kanada), die Nummer 27 der Welt, 6:4, 4:6, 6:3, 6:4 gewann.

Kamke setzte sich im Duell mit dem Belgier Olivier Rochus 6:7 (5:7), 6:3, 6:3, 6:2 durch. Fed-Cup-Spielerin Lisicki besiegte Akgul Amanmuradowa (Usbekistan) 6:0, 6:4 und ist wieder in den Top 100.

Der Russe Nikolai Dawydenko ließ Denis Gremelmayr dagegen beim 7:6 (7:2), 6:1, 6:3 ebenso wenig Chancen wie der Serbe Viktor Troicki Julian Reister beim 6:4, 6:3, 6:3.

Phau wehrt sich tapfer

Dustin Brown scheiterte mit 6:3, 6:7 (5:7), 2:6, 2:6 am Argentinier Leornardo Mayer, während sich Björn Phau drei Sätze lang tapfer gegen den an neun gesetzten Lokalmatadoren Gael Monfils wehrte beim 6:4, 3:6, 5:7, 0:6.

Der Weltranglisten-130. Daniel Brands verlor gegen Michail Kukuschkin (Kasachstan) mit 6:2, 6:4, 6:4 und muss nach vier Auftaktpleiten in Folge weiter auf seinen ersten Zweitrundeneinzug in Paris warten.

Fed-Cup-Spielerin Kristina Barrois zog gegen die Inderin Sania Mirza mit 3:6, 3:6 den Kürzeren, Angelique Kerber unterlag der Rumänin Edina Gallovits-Hall mit 6:2, 3:6, 1:6.

Am Tag zuvor hatten Julia Görges (Bad Oldesloe) und Mona Barthel (Bad Segeberg) als erste der 21 Deutschen im Hauptfeld das Zweitrunden-Ticket gelöst. Hoffnungsträgerin Andrea Petkovic (Darmstadt) greift am Dienstag ins Geschehen ein.

Fehlende Matchpraxis macht sich bemerkbar

Nach dem knapp dreistündigen Match ging Haas mit gesenktem Kopf Richtung Netz, wirkte dennoch keineswegs niedergeschlagen. "Ich war vorher ein bisschen nervös, aber es war ein ganz guter Test. Die Schläge sind noch da", sagte der leidgeprüfte Routinier, der seinen maladen Körper spürte: "Nach zweieinhalb Sätzen war ich ziemlich platt."

Die Fortsetzung seiner Karriere will Haas von seinem Gesundheitszustand in den nächsten Monaten abhängig machen. "Im Oktober, November werde ich sehen, ob der Körper mitmacht. Oder ob es Zeit für etwas Neues ist", kündigte der frühere Weltranglistenzweite an.

Haas, der wegen Operationen an der Leiste und am Ellbogen pausieren musste, war die fehlende Matchpraxis gegen den Weltranglisten-123. Ilhan deutlich anzumerken.

Mit zwölfminütiger Verspätung

Ungeachtet seiner 43 "unforced errors" zeigte Haas viele gute Ansätze und kämpfte sich nach einem schnellen 1:5-Rückstand im ersten Satz zurück in die Partie.

Wegen Magenproblemen ließ er sich auf dem überfüllten Court 17 eine Schmerztablette von einem Arzt geben.

Zuvor hatte Haas die Fans warten lassen. Erst mit zwölfminütiger Verspätung betrat er den Außenplatz im Stade Roland Garros, wo er bislang in seiner Karriere noch nie über das Achtelfinale hinauskam.

Lob von Patrik Kühnen

Seit der Erstrunden-Niederlage am 23. Februar 2010 in Delray Beach hatte Haas kein offizielles Einzel mehr bestritten. Sein Comeback auf der Tour hatte der frühere Bollettieri-Schüler Ende April beim ATP-Turnier in München gefeiert, als er im Doppel in Runde eins ausschied.

[kaltura id="0_ynij2z3l" class="full_size" title="Haas scheitert in M nchen"]

Auch der auf der Tribüne sitzende Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen lobte den Auftritt des Rückkehrers. "Tommy ist heiß, das hat man gesehen. Am Anfang hat man gemerkt, dass er lange kein Turnier gespiel hat. Aber dann hat er sich enorm gesteigert", sagte der 45-Jährige.

Nach dem Testlauf in Paris will Haas beim nächsten Turnier in Halle/Westfalen und dann auf dem heiligen Rasen von Wimbledon angreifen, wo er 2009 erst im Halbfinale an Roger Federer (Schweiz) gescheitert war.

Eine elemantare Triebfeder für Haas ist seine sechsmonatige Tochter Valentina. "Ich wünsche mir, dass sie mir nochmal zuschauen kann", sagte er über seine Erstgeborene,

Davis-Cup-Tür "immer offen"

Die hat kurioserweise schon ihre erste Begegnung mit Haas' langjährigem Förderer Bollettieri hinter sich.

"Nick hat Valentina den kleinen Ratschlag gegeben, nicht so verrückt zu werden, wie ihr Vater auf dem Court ist", hatte der gebürtige Hamburger mit amerikanischem Pass jüngst berichtet.

Und sogar das Thema Davis Cup hat Haas wohl noch nicht ganz abgehakt. Kühnen hält seinem früheren Leistungsträger jedenfalls die Tür offen. "Tommy in sehr guter Form ist für unsere Mannschaft immer eine Option", sagte Kühnen.

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