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Sabine Lisicki stand im Sommer 2009 schon auf dem 22. Weltranglistenplatz © getty

Kein Respekt und kein Shuttlebus - Sabine Lisicki muss bei den French Openwieder von ganz unten anfangen. Ihr Ziel sind die US-Open.

Paris - Sabine Lisicki lacht viel. Zum Beispiel, wenn sie in den Tagen der French Open (täglich ab 11 Uhr im LIVE-Ticker) die Geschichten von fehlenden Ballkindern, unentbehrlichen Hotelshuttles oder defekten Klimaanlagen erzählt.

Der verletzungsbedingte Absturz in der Tennis-Weltrangliste bringt eben so einige Unannehmlichkeiten mit sich.

Über manche kann man sich prächtig amüsieren - andere machen selbst eine fröhliche junge Frau wie Lisicki für einen kurzen Moment sehr nachdenklich (DATENCENTER: Die French Open).

"Sehr viele Spielerinnen grüßen dich auf einmal nicht mehr. Solche, die es vorher immer getan haben. Als man noch weiter oben stand", berichtete die 21-Jährige nach ihrem Erstrunden-Sieg gegen die Usbekin Akgul Amanmuradowa (6:0, 6:4) in Paris.

Unerwartete Erfahrungen

Und man ahnt, dass diese Erfahrungen eher unerwartet für sie kamen.

Doch Fed-Cup-Spielerin Lisicki hat inzwischen gelernt, mit Negativerlebnissen aller Art umzugehen.

Der Lohn ist die stetige Verbesserung in der Rangliste, die sie im August 2009 nach ihrem Viertelfinaleinzug in Wimbledon schon einmal als Nummer 22 der Welt ausgewiesen hatte.

Was folgte, waren eine hartnäckige Sprunggelenkverletzung, eine insgesamt sechsmonatige Pause im vergangenen Jahr und der Absturz im Ranking.

Ohne Klimaanlage und Hoteltransfer

Auf Platz 230 fiel Sabine Lisiskci zurück.

"Da ist dann vieles anders. Du wirst zum Beispiel bei Turnieren nicht mehr vom Flughafen abgeholt. Und neulich in Prag war die Klimaanlage im Hotel kaputt", erzählte die Bollettieri-Schülerin, die sich in Roland Garros über drei Qualifikationsrunden ins Hauptfeld kämpfen musste.

Am Mittwoch trifft sie auf die an drei gesetzte Wera Swonarewa (Russland).

"Das Ganze hat mich stark gemacht"

Um sich im Ranking wieder nach oben zu spielen, trat und tritt Lisicki bei ITF-Turnieren an, quasi in der zweiten Liga des Profitennis.

Die Tatsache, dass es dort im Gegensatz zur WTA-Tour keine Ballkinder gibt, irritierte die Charleston-Siegerin von 2009 zunächst. Sie haderte damit und kam anfangs nicht aus dem Teufelskreis heraus.

"Ich habe mir immer gedacht, womit hast du das verdient. Aber das war der falsche Gedanke. Da musste ich durch", sagt Lisicki. Mittlerweile hat sie ihre Lektion gelernt: "Das Ganze hat mich stärker gemacht."

Mit Wildcard ins Viertelfinale

Vom Potenzial her traut Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner, die Lisicki einmal liebevoll als "Rampensau" bezeichnete, der robusten Powerspielerin mittelfristig den Sprung in die Top 20 zu.

Beim Turnier in Stuttgart Ende April hatte Lisicki wie zuvor in Miami und Charleston eine Wildcard erhalten und war ins Viertelfinale eingezogen.

"Dort hatte ich das Gefühl, ich gehöre da wieder hin. Aber ich setzte mich nicht unter Druck", erzählte der Lady-Gaga-Fan, derzeit die Nummer 121 der Welt.

Lisickis Ziel für die laufende Saison ist es, sich direkt für das Hauptfeld der US Open Ende August in New York zu qualifizieren.

Weiter Gas geben

Dass derzeit Andrea Petkovic (Darmstadt) und Julia Görges (Bad Oldesloe) im Rampenlicht stehen, weiß Lisicki für ihre Zwecke zu nutzen: "Da kann ich mich in Ruhe zurückarbeiten."

In Paris ist der Kontakt zu den Fed-Cup-Kolleginnen eingeschränkt.

Der Grund: Als Qualifikantin wohnt Lisicki in einem anderen Hotel als Petkovic und Görges.

Noch ein Grund mehr für den Blondschopf, auf dem Weg zurück in altbekannte Ranglistengefilde weiter Gas zu geben.

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