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Andrea Petkovic gewann in ihrer Karriere bislang zwei WTA-Titel © imago

Petkovic steht trotz eines pannenreichen Auftritts in Runde zwei der French Open. Auch Mayer ist weiter, "Kohli" aber draußen.

Paris - Das neue deutsche Tennis-"Traumpaar" hat seine Siegesserie auch bei den French Open (täglich ab 11 Uhr im LIVE-Ticker) fortgesetzt und am dritten Turniertag für die einzigen Lichtblicke gesorgt.

In der Abenddämmerung zog Andrea Petkovic durch ein hart erkämpftes 6:4, 7: 6 (7:3) gegen Bojana Jovanovski (Serbien) ebenso in die zweite Runde von Paris ein wie "Weltmeister" Florian Mayer.

Der Bayreuther gab sich drei Tage nach dem Gewinn der Mannschafts-WM in Düsseldorf beim 6:3, 4:6, 6:4, 6:3 gegen Igor Kunitsyn (Russland) keine Blöße. (DATENCENTER: Die French Open)

Damit haben von den 21 gestarteten deutschen Profis acht Akteure ihre Auftakthürde gemeistert.

Quartett streicht die Segel

Nach dem schwarzen Montag musste am Dienstag ein von Philipp Kohlschreiber (Augsburg) angeführtes Quartett die Segel streichen. Der Davis-Cup-Spieler unterlag nach enttäuschender Leistung Sam Querrey (USA) 6:3, 1:6, 2:6, 4:6.

Ihre Ambitionen unterstrichen bei ihren ersten Auftritten indes die Weltranglisten-Zwölfte Petkovic und der erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier gesetzte Mayer.

Allerdings zeigte die hochgehandelte Darmstädterin drei Tage nach ihrem zweiten Turniersieg von Straßburg eine Vorstellung mit Licht und Schatten. (408383DIASHOW: Die Bilder aus Paris)

"Petko" schweigend zum Erfolg

In der "Stierkampfarena" unterliefen Petkovic 23 unerzwungene Fehler. Doch sie zeigte ihr großes Kämpferherz, holte im zweiten Durchgang einen 2:5-Rückstand auf und wehrte sogar drei Satzbälle ab. "Bojana hat unglaubliche Bälle gespielt, aber ich bin ruhig eblieben", sagte Petkovic.

Die Schweige-Taktik der Australian-Open-Viertelfinalistin zahlte sich damit aus: Nach dem "Petko"-Hype der vergangenen Monate hatte sich die 23-Jährige zuletzt etwas aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, um Kräfte für den anvisierten Sprung in die Top 10 zu schaffen.

Im Gegensetz zu Petkovic ist der Weltrangliste-19. Mayer erstmals als deutsche Nummer eins bei einem Grand-Slam-Turnier dabei.

[kaltura id="0_7mapx5f9" class="full_size" title="Florian Mayer Die Basis zum Erfolg"]

"Traue mir fast jeden Gegner zu"

"Jetzt bin ich der Gejagte. Da spielt es sich schon anders. Ich muss lernen, damit umzugehen", beschrieb Mayer die neue Situation, strotzte aber trotzdem vor Selbstvertrauen: "Ich traue mir inzwischen fast jeden Gegner zu."

Mit seinem sechsten Ass verwandelte Mayer nach 2:57 Stunden den ersten Matchball - und musste ganz standesgemäß noch auf dem Court das erste Interview geben.

Becker sagt ab, Schüttler fliegt raus

Nächster Gegner des München-Finalisten ist am Donnerstag Alejandro Falla (Kolumbien).

Dagegen schieden Philipp Kohlschreiber (6:3, 1:6, 2:6, 4:6 gegen Sam Querrey/USA), Rainer Schüttler (3:6, 3:6, 1:6 gegen Alexander Dolgopolow/Ukraine) und Andreas Beck (3:6, 4:6, 2:6 gegen Jürgen Melzer/Österreich) aus.

Benjamin Becker hatte seine Auftaktpartie gegen den Vorjahresfinalisten Robin Söderling (Schweden) wegen einer Ellbogenblessur absagen müssen.

Mayer in beachtlicher Form

Mayer stellte seine gute Form nach seinen Galaauftritten in der vergangenen Woche im Düsseldorfer Rochusclub auch in Roland Garros unter Beweis. Dabei waren die Voraussetzungen für die Mannschafts-Weltmeister alles andere als ideal.

"Wir sind noch Samstagnacht nach Paris gefahren, haben unterwegs mit Cola gefeiert und waren nachts um halb drei da", berichtete Philipp Petzschner.

Der Bayreuther hatte an der Seite von Philipp Kohlschreiber (Augsburg) das entscheidende Doppel zum 2:1 gegen Argentinien gewonnen, nachdem Mayer zuvor in seinem dritten Einzel siegreich gewesen war.

"Die Puzzleteile passen"

Dabei war Mayer zwischenzeitlich bereits als ewiges Talent abgestempelt worden. Besonders seinen Kritikern zeigt es der 1, 90-m-Schlaks jetzt. Mit 27 Jahren spielt "Flo" das beste Tennis seiner Karriere. Auch deshalb, weil die mentale Seite stimmt.

"Ich bin jetzt einfach bereit dafür und habe Tennis als meinen Beruf akzeptiert. Die einzelnen Puzzleteile passen zusammen", erklärte der Bayern-München-Fan, der im Januar 2009 sogar bis auf Platz 450 der Weltrangliste abgestürzt war.

Vergessen sind diese Zeiten. Vor seinen drei Einzelsiegen bei der Mannschafts-WM war Mayer beim Masters-Turnier in Rom jüngst ins Viertelfinale eingezogen, nachdem er in München das Endspiel erreicht hatte.

Lob für Görges und Petkovic

Dass die Schlagzeilen in den vergangenen Monaten trotzdem den aufstrebenden Powerfrauen Andrea Petkovic und Julia Görges gehörten, stört den Stoiker nicht. Mayer sieht es eher als Motivation: "Die Mädels haben es doch vorgemacht."

Fast schon bewundernde Worte für den "Typen Mayer" findet sein Kollege Petzschner - und dokumentiert damit den großen Teamgeist unter den deutschen Spielern.

"Vor Flo muss man einen Riesenrespekt haben. Er ist so etwas wie ein kleines Vorbild für mich. Wie er da in Düsseldorf als Nummer eins raus ist und sich präsentiert hat, das war schon toll", meinte Petzschner, der am Montag in die zweite Runde von Paris eingezogen war.

Erneute Niederlage für Schüttler

Gemeinsam wollen die beiden Mannschafts-Weltmeister das Davis-Cup-Team mit einen Sieg gegen Frankreich vom 8. bis 10. Juli in Stuttgart ins Halbfinale führen.

Frust pur schob indes Schüttler, dessen Laufbahn sich unaufhörlich dem Ende zuneigt. Der mit 35 Jahren älteste Spieler im Profizirkus kassierte bereits die zehnte Niederlage im zwölften Match auf der ATP-Tour 2011.

Seit seiner Halbfinalteilnahme 2008 in Wimbledon ist der Hesse bei einem Grand-Slam-Tournament nicht mehr über die zweite Runde hinausgekommen.

Guter Start für die Deutschen

An den ersten beiden Turniertagen hatten sich bereits Petzschner, Tobias Kamke (Lübeck), Michael Berrer (Stuttgart), Julia Görges (Bad Oldesloe), Sabine Lisicki (Berlin) und Mona Barthel (Bad Segeberg) für die zweite Runde qualifiziert.

Insgesamt standen 21 deutsche Profis in den beiden Hauptfeldern, 15 bei den Männern und sechs bei den Frauen. Nur Gastgeber Frankreich (31) war in der Auftaktrunde mit mehr Spielern vertreten. Allerdings hatte die "Equipe Tricolore" auch zwölf Wildcards erhalten.

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