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Sabine Lisicki stand schon einmal auf Rang 22 der Weltrangliste © getty

Die Deutsche schnuppert in Paris gegen Swonarewa an einer Überraschung, scheitert aber unter Tränen. Görges dreht das Match.

Paris - Dem Drama von New York folgte der Kollaps von Paris: Sabine Lisicki wird immer mehr zur tragischen Figur im Tenniszirkus.

Auch am Tag nach ihrem tränenreichen Zusammenbruch bei den French Open und dem Abtransport auf einer Trage aus der "Stierkampfarena" in Roland Garros (täglich ab 11 Uhr im LIVE-TICKER) herrschte ein wenig Sorge um die Fed-Cup-Spielerin aus Berlin.

Lisicki konnte am Tag nach den bangen Momenten im Zweitrundenspiel gegen die Weltranglistendritte Wera Swonarewa (6: 4, 5:7, 5:7) immerhin für Aufklärung sorgen.(DATENCENTER: Die French Open).

"Ärzte haben vor kurzem bei mir eine Intoleranz auf Gluten festgestellt. Das heißt, dass ich zum Beispiel keine Nudeln essen kann. Mein Körper muss sich an die große Umstellung gewöhnen, und das braucht seine Zeit", teilte Lisicki auf ihrer Homepage mit.

"Ich bin traurig, dass mich mein Körper im Stich gelassen hat", gestand sie ein.

Krämpfe und Schwindelgefühl

Auch Melbourne-Sieger Novak Djokovic (Serbien) leidet unter einer Gluten-Unverträglichkeit und hält sich inzwischen an einen strengen Diätplan.

Offenbar der Mangel an Kohlenhydraten führte dazu, dass Lisicki Mitte des Matches Krämpfe bekam und sich beim 4:2 im entscheidenden Durchgang auch noch Schwindel einstellte.

"Ich hatte Probleme, den Ball klar zu sehen", berichtete die 21-Jährige, die beim Stand von 5:2 im dritten Satz sogar einen Matchball verschlug.

Vorfreude auf den Rasen

Ans Aufgeben habe sie aber ungeachtet ihres Zustandes "zu keinem Zeitpunkt" gedacht. Lisicki: "Ich nehme trotzdem sehr viele positive Sachen aus dem Match mit und freue mich auf die bevorstehende Rasensaison."

Die körperliche Schwäche hatte die Weltranglisten-121. noch auf dem Court in die Knie gezwungen. Bereits auf dem Weg zum Netz taumelte sie und brach dann vor ihrer Bank völlig entkräftet zusammen. (408383DIASHOW: Die Bilder aus Paris)

Wimmernd blieb Lisicki mehrere Minuten auf dem Bauch liegen, ehe sie von Sanitätern abtransportiert wurde. "Die Angst und der K.o.", überschrieb die "L'Equipe" am Tag danach das Foto.

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Erinnerungen an US Open

Der Bollettieri-Schülerin müssen die gespenstischen Szenen wie ein Deja-vu-Erlebnis vorgekommen sein.

Bereits vor anderthalb Jahren war sie bei den US Open mit einem Rollstuhl und laut schluchzend vom Court gebracht worden, nachdem sie zwei Matchbälle vergeben und beim abschließenden Ballwechsel böse umgeknickt war.

Sechs Monate Pause 2010

Lisickis Pechsträhne setzte sich nun im roten Sand von Roland Garros fort.

Erst in den letzten Wochen hatte sich die frühere Nummer 22 der Weltrangliste nach einer schweren Knöchelverletzung, die sie 2010 zu einer insgesamt sechsmonatigen Pause gezwungen hatte, zurückgekämpft.

Minuten zwischen Glück und Leid

Am Mittwochabend lagen zwischen den vermeintlichen Glücksgefühlen und dem Leid nur Minuten. Bereits zu dem Zeitpunkt, als sie den Matchball vergab, fühlte sich Lisicki nach eigenen Angaben unwohl.

Sie forderte deshalb beim folgenden Seitenwechsel die Physiotherapeutin an, die zuerst den Blutdruck der Berlinerin kontrollierte und daraufhin den Turnierarzt rief.

Mit Bananen und großen Mengen an Mineralgetränken und Wasser versuchte die sichtlich Angeschlagene, Mineralhaushalt und Kreislauf zu stabilisieren. Nach mehreren Minuten kehrte Lisicki zurück auf den Platz, war aber aufgrund der Muskelverkrampfungen in ihren Bewegungen sichtlich eingeschränkt.

Swonarewa eiskalt

Nach 2:10 verwandelte Swonarewa ihren zweiten Matchball - und reagierte auf das Geschehene professionell: "Ich hoffe, Sabine geht es wieder gut. So etwas passiert eben manchmal. Es ist Teil des Sports. Egal wie, ich musste meinen Job machen", betonte die letztjährige US-Open- und Wimbledon-Finalistin.

Ein Turniersprecher erklärte: "Sabine war geschwächt von der großen Anstrengung."

Rollstuhl-Foto in US-Zeitungen

In New York im September 2009 war Lisicki nach ihrem "Fehltritt", der der Auslöser für die folgenden Probleme am Knöchel gewesen sein könnte, 20 Minuten an der Grundlinie behandelt worden.

Vater Richard hatte damals immer wieder Eisbeutel gereicht. Das Foto seiner Tochter im Rollstuhl fand sich am nächsten Tag in vielen US-Zeitungen.

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