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Die Chinesin Li Na hat bisher fünf Turniere auf der WTA-Tour gewonnen © getty

Die Chinesin rührt mit dem historischen Triumph ihre Landsleute zu Tränen und hofft nun auf einen Boom im Reich der Mitte.

Paris - Als sich die neue Sandplatzkönigin Li Na nach ihrem revolutionären Sieg in die rote Asche von Paris fallen ließ, standen im Reich der Mitte Millionen Menschen kopf.

"Eine Freundin hat mir eine SMS geschrieben, dass sie in China vor Freude weinen. Besonders, als hier im Stadion unsere Nationalflagge gehisst wurde", berichtete Li Na nach ihrem beeindruckenden 6:4, 7:6 (7:0)-Finalsieg (Bericht) bei den French Open gegen Titelverteidigerin Francesca Schiavone aus Italien.

Rund 50 Millionen Menschen hatten in China vor den Fernsehgeräten den ersten Grand-Slam-Erfolg für Asien verfolgt - und das um Mitternacht Ortszeit.

Geschätzte 400 Millionen sahen am Morgen danach in den Nachrichten immer wieder die jubelnde Volksheldin mit dem Rosen-Tattoo über dem Herz, die bei der Nationalhymne Tränen in den Augen hatte.

Die Staatspresse nannte den Sieg schlicht "ein Wunder".

"Ein Traum ist wahr geworden"

Ihre persönliche Lieblings-Schlagzeile vom historischen Coup in Roland Garros hatte die ehemalige Journalismus-Studentin Li Na umgehend parat.

"Ich würde schreiben: Ein Traum ist wahr geworden. Schon als Kind wollte ich immer ein Grand-Slam-Champion sein", sagte die 29-Jährige mit leuchtenden Augen.

Wohlwissend, dass sie als erste Chinesin die Top 5 der Weltrangliste knackt: Ab Montag wird Li Na auf Platz vier geführt (DATENCENTER: Die French Open).

Li die "goldene Blume"

Auch die deutsche Nummer eins Andrea Petkovic hält große Stücke auf die wieselflinke Asiatin.

"Sie hat so eine Aura. Das spürt man gleich", sagte die Darmstädterin. Auf einen rauschenden Empfang in der Heimat muss Li Na, die Anfang des Jahres das Finale der Australian Open gegen Kim Clijsters verloren hatte, allerdings noch warten.

Zunächst steht nämlich der Ausflug auf den heiligen Rasen von Wimbledon an.

"Und wenn ich da nicht gut spiele, werden mich meine Landsleute vielleicht ganz schnell wieder vergessen", scherzte die 1,72 Meter große Rechtshänderin.

Das Internetportal "Tengxun" adelte derweil seine "Große Schwester Na" und "goldene Blume" ungeachtet des Basketball-Heroen Yao Ming als "strahlendste aller chinesischen Sportler".

Ehemann "flieht" im Achtelfinale

Der Revolutionärin mit den Power-Schlägen müssen in der Stunde des Triumphs viele Dinge durch den Kopf gegangen sein.

Die verrückten (Erfolgs-)Geschichten mit Ehemann Jiang Shan zum Beispiel. Der hatte im Achtelfinale gegen Petra Kvitova (Tschechien) beim Stand von 0:3 im entscheidenden Satz einfach die Box verlassen.

Danach machte Li Na sechs Spiele in Folge und gewann. "Er ist geflohen, danach lief es plötzlich", erzählte sie schmunzelnd.

Vom Coach zum Hitting-Partner

Nur wenige Wochen vor den French Open hatte sie den Gatten, den sie zudem als "Schnarcher" outete, als Trainer gefeuert.

"Ich war einfach müde davon. Wir haben uns drei Jahre lang 24 Stunden am Tag gesehen", erklärte Li Na die berufliche Trennung, nachdem sie nach dem Final-Einzug in Melbourne vier Erstrundenpleiten in Serie kassiert hatte.

Der Däne Michael Mortensen führte Li Na als Coach zurück auf den Erfolgspfad, doch auch der inzwischen als Hitting-Partner agierende Ehemann hatte entscheidenden Anteil am mit 1,2 Millionen Euro dotierten Triumph in Paris 411464(DIASHOW: Die Bilder der zweiten Woche aus Paris).

"Er kann eine sehr gute Slice-Rückhand spielen", berichtete Li Na von der idealen Vorbereitung auf Technikerin Schiavone.

King glaubt an chinesische Nummer eins

Li Na wünscht sich nun, dass ihr Grand-Slam-Coup in China einen nachhaltigen Tennis-Boom auslöst.

"Ich hoffe, viele Kinder haben mich gesehen und sich vorgenommen: Da will ich auch einmal stehen", sagte die Volksheldin, die nach der Loslösung vom totalitären System dem Verband nur noch 12 statt 65 Prozent des gewonnenen Preisgeldes abtreten muss.

Tennis-Ikone Billie Jean King glaubt sogar, dass eine künftige Nummer eins aus dem Reich der Mitte kommen könnte.

"Und das eher früher als später", sagte die Amerikanerin. Immerhin spielen mittlerweile in China rund drei Millionen Menschen Tennis. Vor 25 Jahren waren es gerade einmal geschätzte 10.000.

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