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Rafael Nadals Bilanz bei den French Open liegt bei 45 Siegen und nur einer Niederlage © getty

Nach schwachem Turnierstart findet der Spanier zu alter Stärke zurück und stellt mit dem sechsten Paris-Sieg Börgs Rekord ein.

Paris - Beim Fototermin vor dem Disneyland Paris muss sich Rafael Nadal auch am Tag nach seiner triumphalen Wiederauferstehung bei den French Open vorgekommen sein wie im Märchen.

Stolz wie Oskar posierte der weltbeste Tennisspieler mit der "Musketier"-Trophäe, die ihm wie nie zuvor als Symbol für einen erfolgreichen Kampf gegen Selbstzweifel und Kritiker diente.

Mit vier Finalniederlagen gegen den Serben Novak Djokovic im Gepäck war Sandplatzkönig Nadal angeschlagen und verunsichert in sein Königreich am Bois de Boulogne gereist.

Doch "Rafa" zeigte in der Stunde der Wahrheit Größe und setzte auf das richtige Krisenmanagement. "Ich kam mit weniger Selbstvertrauen als sonst nach Paris. Aber ich war im Kopf bereit, die Probleme anzugehen, und habe hart an den Lösungen gearbeitet. Dieser Titel ist deshalb ein ganz spezieller für mich", sagte Nadal nach dem 7:5, 7:6 (7:3), 5:7, 6:1-Finalsieg gegen Roger Federer aus der Schweiz (Bericht).

"Nadal der VI., König von Frankreich"

Die spanischen Medien überschlugen sich nach dem sechsten French-Open-Erfolg des 25-Jährigen, mit dem er zu Roland-Garros-Rekordsieger Björn Borg (Schweden) aufschloss.

"Nadal der VI., König von Frankreich. Rafa frisst Federers Moral", titelte "Sport", während "AS" feststellte: "Nadal ist wieder da. Er schlägt mit einer großen Demonstration mentaler Stärke zu."

Wechsel von Sand auf Rasen

Statt Pool-Sause auf Mallorca ist für den Linkshänder jetzt erst einmal Garden Party im Queens Club angesagt.

Bereits am Montagmittag brach Nadal Richtung England auf, um noch am gleichen Tag in dem noblen Londoner Klub sein erstes Training auf Rasen zu absolvieren.

Das Turnier in Queens dient der Vorbereitung auf Wimbledon (ab 20. Juni).

Sieg fürs Selbstvertrauen

Nadal stieg mit einer tiefen Zufriedenheit in den Flieger. "Dieser besondere Turniersieg sorgt dafür, dass ich die restliche Saison mit weniger Druck und größerem Selbstvertrauen spielen kann", sagte der Weltranglistenerste.

Mit seinem zehnten Grand-Slam-Coup verteidigte Nadal auch den Platz an der Sonne gegen den von Federer im Paris-Halbfinale entzauberten Melbourne-Sieger Djokovic. 414590(DIASHOW: Die Finals)

Nadal wirkt angeschlagen

Wie angeschlagen Nadal noch in der ersten Woche der French Open war, zeigten seine Aussagen nach den zähen Auftaktsiegen. Offen wie nie zuvor hatte der Mallorquiner über die Diskrepanz zwischen seiner Leistung im Training und im Match geklagt. (DATENCENTER: Die French Open)

Und über das fehlende Selbstvertrauen, das seine Beine lähmte und ihm wichtige Prozentpunkte in puncto Schnelligkeit raubte.

Wendepunkt Paris

Das ging sogar so weit, dass er sich nicht als Anwärter auf den Titel sah. "Nadal war einige Zeit nicht mehr der Alte. Er hat viel mehr Fehler als früher gemacht und seine Unzufriedenheit deutlich gezeigt", sagte Ex-Profi Mats Wilander im Rückblick.

Bereits bei den Final-Pleiten gegen Djokovic auf der roten Asche von Rom und Madrid und zuvor auf den Hartplätzen in Miami und Indian Wells hatte sich "Rafa" emotionaler präsentiert als in der Vergangenheit.

Wie bereits im Vorjahr könnte nun Paris der Wendepunkt der Saison sein. Im Mai 2010 hatte Nadal mit dem Sieg in Roland Garros eine 16-monatige Durststrecke ohne Grand-Slam-Erfolg beendet - und danach in Wimbledon und bei den US Open gewonnen.

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Federers Ziel bleibt Wimbledon

Doch auch Roger Federer, der in dieser Woche bei den Gerry Weber Open in Halle/Westfalen startet, hat sich zurückgemeldet und seine Ansprüche auf seinen 17. Major-Titel eindrucksvoll unterstrichen.

Über die Kritiker, die ihm nichts mehr zutrauen, kann der 29-Jährige nur lachen.

"Es ist schon irritierend, dass das heutzutage so schnell geht. Ich habe den Leuten schon nach den Australian Open geraten, wartet einfach mal sechs Monate ab. Und jetzt sieht alles wieder ganz anders aus", sagte Federer, der sein letztes Grand-Slam-Turnier Anfang 2010 in Melbourne gewonnen hatte.

In Wimbledon will er wieder angreifen: "Dort ganz oben zu stehen, ist immer das erste Ziel einer ganzen Saison."

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