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Philipp Petzschner belegt derzeit den 67. Platz in der Weltrangliste © getty

Der Deutsche schiebt das Aus nicht auf seine Verletzung. Diese ist Folge früherer Sünden. Die Siegertafel beeindruckt ihn.

London - Dieses Foto ist sein ganzer Stolz.

Auf seinem Smartphone erscheint es als Statusbild, und "ich glaub, ich hab' es an hunderttausend Leute geschickt", sagt Philipp Petzschner.

Aufgenommen hat er dieses Foto am Freitag vergangener Woche.

Petzschner betrat den Spielertrakt des ehrwürdigen All England Clubs an der Church Road in Wimbledon, er stoppte vor dieser Tafel, auf der die Namen der Sieger aus 124 Jahren stehen - und stellte fest: Ja, ich bin drauf.

Seit dem 3. Juli 2010 ist der Bayreuther Wimbledonsieger (täglich ab 13 Uhr im LIVE-TICKER), im Doppel, gemeinsam mit Jürgen Melzer aus Österreich. (Jetzt mitspielen und 5.000 Euro gewinnen: Der SPORT1 Tipp-König)

"Der Bessere hat gewonnen"

Petzschner und Wimbledon, das ist eine Liebesbeziehung. Und daran hat auch wenig geändert, dass der 27-Jährige am Dienstagabend schon in der ersten Runde ausschied (420442DIASHOW: Die Bilder aus London).

Petzschner unterlag dem Schweden Robin Söderling (Bericht) mit 4:6, 4:6, 6:2, 6:7 (5:7) (DATENCENTER: Wimbledon - Herren).

Das wäre im Grunde genommen kein Beinbruch gewesen, weil Söderling in der Weltrangliste nicht von ungefähr auf Rang fünf steht.

"Der Bessere hat gewonnen", betonte Petzschner - doch an diesem frühen Abend in Wimbledon, als die Sonne langsam hinter dem Dach von Court 1 verschwand, da hätte er das nur zu gerne über sich gesagt, und ärgerlich war: Es fehlte nicht viel dazu.

Keine Vorbereitung

Es gab einen Grund, warum Petzschner nicht gewann.

Als er am Freitag der vergangenen Woche nur fünf Tage nach seiner verletzungsbedingten Aufgabe im Finale von Halle gegen Philipp Kohlschreiber, den All England Club betrat, da dachte er:

"Es ist schön hier, ich liebe Wimbledon - aber ich kann nicht spielen." Der zunächst diagnostizierte Muskelfaserriss im Rücken hatte sich in eine Knochenhautentzündung an der Rippe verwandelt.

Eine ziemlich schmerzhafte Sache. Eine Vorbereitung auf Wimbledon war Petzschner nicht möglich, und wäre es nicht Wimbledon gewesen, er wäre gleich wieder heimgefahren.

Petzschner beißt sich durch

"Es ist schon frustrierend, wenn du dich das ganze Jahr auf dieses eine Turnier freust und dann nicht gescheit spielen kannst", sagte Petzschner.

Er musste "praktisch ohne Aufschlag" gegen Söderling auskommen, er war bei allem Frust aber "auch ein bisschen stolz", dass er sich durchbiss.

"Vor zwei Jahren hätte ich bei 4:6, 1:2 aufgegeben", gestand er.

Aber die große Liebe lässt man nicht so einfach sitzen, und die Verletzung war auch "nicht der Grund, warum ich verloren habe".

"Chancen nicht genutzt"

Nur fünf von 21 Breakchancen nutzte Petzschner: "Ich habe meine Chancen nicht genutzt, da brauch ich nicht drumrum zu reden."

Ohnehin ist Petzschner mittlerweile ziemlich ehrlich zu sich selbst. In München war er verletzt, jetzt die Sache in Halle - das ist ein bisschen viel auf einmal neuerdings.

"Ich büße für meine letzten Jahre. Als ich mich nicht hundertprozentig auf Tennis konzentriert habe, war ich nie verletzt", sagt Petzschner mit entwaffnender Offenheit.

Anders ausgedrückt: In den vergangenen Jahren ließ ihn sein Körper nicht im Stich, weil er ihn ohnehin nicht extrem beanspruchte.

Petzschner hängt an der Tafel

Jetzt aber, sagt Petzschner, "gebe ich hundert Prozent für Tennis", nur seinem lange Jahre untrainierten Körper ist das wohl zu viel.

Petzschner mag nicht lamentieren, er weiß, er hat sich die Probleme mit seinem Körper selbst eingebrockt, er glaubt allerdings auch, "dass ich auf dem richtigen Weg bin".

Und es gibt ja in Wimbledon sogar eine Tafel, die ihm dies bestätigt.

In den vergangenen Tagen hat Petzschner oft davorgesessen, so oft, dass "die anderen Spieler schon über mich lachen". Er nimmt es gelassen. Und schaut auf seinen BlackBerry.

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