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Sabine Lisicki gewann in ihrer Karriere bislang die Turniere in Charleston und Birmingham © getty

Sabine Lisicki wirft nach einer kämpferischen Glanzleistung Li Na aus dem Turnier. Mayer streicht die Segel.

London - Sabine Lisicki erlebte eine Sternstunde, Florian Mayer eine der größten Blamagen seiner Karriere:

Nachdem Andrea Petkovic und Julia Görges bei den 125. All England Championships in Wimbledon in die dritte Runde eingezogen waren, marschierte Lisicki mit einem gewaltigen Paukenschlag hinterher (täglich ab 13 Uhr im LIVE-TICKER).

Die Berlinerin besiegte in einem hochklassigen Match auf dem Centre Court und nach der Abwehr von zwei Matchbällen die Weltranglistendritte und French-Opengewinnerin Li Na aus China mit 3:6, 6:4, 8:6. "Es ist einfach unglaublich", sagte sie mit bebender Stimme: "Das ist einer meiner besten Siege". (420442DIASHOW: Die Bilder aus London).

Görges hatte zuvor 7:6 (12:10), 6:2 gegen die Französin Mathilde Johansson gewonnen.

Lisicki bricht in Tränen aus

Unter dem Jubel der Zuschauer sank Lisicki nach ihrem dritten eigenen Matchball auf dem heiligen Rasen in die Knie, anschließend rannen ihr Tränen der Freude über das Gesicht.

"Ich wollte eben einfach noch länger da draußen bleiben, ich habe es so genossen, es war fantastisch", sagte die Berlinerin zur Phase im dritten Satz, als sie mit zwei Service-Winnern die Matchbälle abwehrte.

"Wir haben beide unglaublich gespielt", sagte Li. Lisicki, die nun auf Misaki Doi (Japan) trifft, schlug 17 Asse. Der Aufschlag der Berlinerin, die vor Wimbledon das Vorbeitungsturnier auf Rasen in Birmingham gewonnen hatte, sei "unglaublich für eine Frau", sagte die Chinesin ehrfürchtig.

Rückschläge beirren Lisicki nicht

Lisicki, die in Wimbledon dank einer Wildcard ins Hauptfeld gerückt war, ließ sich gegen Li auch durch kleine Rückschläge nicht beirren.

Die Berlinerin, derzeit nur die Nummer 62 der Weltrangliste, spielte vor einem staunenden und begeisterten Publikum stets auf Augenhöhe und riss im zweiten Satz mit einer beeindruckenden Nervenstärke ein scheinbar verlores Match noch aus dem Feuer.

Beim Stand von 3:5 wehrte die 21-Jährige die zwei Matchbälle ab, überstand danach zwei weitere Aufschlagverluste, nahm Li zum 7:6 deren Service ab und profitierte nach 2:11 Stunden davon, dass ihre Gegnerin einen Longline-Ball ins Aus schlug.

Mayer enttäuscht

Ehe Lisicki für das Highlight des vierten Turniertages in Wimbledon sorgte, war Mayer wie ein geprügelter Hund vom Außenplatz 17 geschlichen.(DATENCENTER: Wimbledon - Damen)

"Das war eine der schlimmsten Niederlagen meiner Karriere", gestand er nach dem 6:1, 3:6, 2:6, 2:6 gegen Xavier Malisse (Belgien). "Kläglich", sei das gewesen, jammerte der an Nummer 20 gesetzte Bayreuther, im ersten Satz erst "Weltklasse", danach nur noch "Kreisklasse".

Keine Erklärung für Blamage

Eine Erklärung dafür hatte der 27-Jährige nicht parat. In nur 95 Minuten ging er unter, "so etwas habe ich noch nie erlebt", berichtete Mayer, "ich wollte kämpfen, aber ich war total blockiert."

Von den 13 gestarteten deutschen Herren scheiterte am vierten Turniertag damit auch der letzte verbliebene. Erstmals seit 1987, als Boris Becker als Titelverteidiger in der zweiten Runde gegen Peter Doohan (Australien) verlor, steht damit kein deutscher Spieler in Wimbledon in der dritten Runde.

Kühnen sucht nach Erklärungen

"Es hätte besser laufen können", sagte Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen lapidar bei "Sky". Eine Woche vor Wimbledon hatte Philipp Kohlschreiber (Augsburg) noch das Finale des Rasenturniers in Halle gewonnen - gegen Philipp Petzschner (Bayreuth).

Der Rasen dort sei aber anders als jener im Wimbledon, sagte Kühnen (Jetzt mitspielen und 5.000 Euro gewinnen: Der SPORT1 Tipp-König).

Lisicki dagegen ließ sich in einem hochklassigen Match gegen Li auch durch kleine Rückschläge nicht beirren.

Die Berlinerin spielte gegen die Nummer drei der Welt auf Augenhöhe, hielt gegen Li bereits im ersten Satz gut mit, gewann nervenstark den zweiten, und riss beim offenen Schlagabtausch im dritten ein scheinbar bereits verlorenes Match noch herum.

Lisicki wehrt zwei Matchbälle ab

Beim Stand von 3:5 wehrte die Nummer 62 der Weltrangliste zwei Matchbälle ab, überstand danach zwei weitere Aufschlagverluste, nahm der Chinesin zum 7:6 den Aufschlag ab und profitierte nach 2:11 Stunden davon, dass Li einen Longline-Ball ins aus schlug.

Zumindest bei den ursprünglich sechs gestarteten deutschen Damen läuft es noch gut, auch wenn es Julia Görges hätte einfacher haben können. Im Tiebreak des ersten Satzes ließ sie freilich beim Stand von 6:2 drei Satzbälle aus, und dann kam Pech dazu:

Ein Ball von Johansson, den nicht nur die Bad Oldesloerin im Aus wähnte, der ihr das 7:5 und damit den Satzgewinn gebracht hätte, wurde von der Stuhlschiedsrichterin gut gegeben. "Das war ein bisschen überraschend", berichtete Görges, sie behielt aber die Nerven: "Es war wichtig, dass ich den ersten Satz noch gewonnen habe."

Görges nun gegen Cibulkova

Viel leichter war Görges ihr Auftaktmatch von der Hand gegangen. "Das war die beste erste Runde, die ich bislang bei einem Grand-Slam-Turnier gespielt habe", sagte sie nach ihrem überzeugenden 6:3, 6:0 gegen die Spanierin Anabel Medina Garrigues.

Nur 71 Minuten hatte die deutsche Nummer zwei benötigt - so viel wie für den ersten Durchgang gegen Johansson. Gegnerin von Görges in der dritten Runde ist nun Dominika Cibulkova (Slowakei), ein schwerer Brocken:

Cibulkova stand bei den French Open 2009 schon mal im Halbfinale, bei den US Open 2010 im Viertelfinale und ist als derzeit 24. im WTA-Ranking in etwa die Gewichtsklasse von Görges.

Petkovic: "Schlecht organisiert"

Auch Andrea Petkovic hat erneut eine lösbare Aufgabe vor sich. Nach dem mühsamen Zweitrundensieg gegen Stepahnie Dubois aus Kanada (6:3, 4:6, 6:3) spielt die deutsche Nummer eins nun gegen Xenia Perwak aus Russland.

Erregt war Petkovic am späten Mittwochabend aber trotzdem: Ihr Match war wegen des Regens zunächst nicht mit fester Uhrzeit und Platzeinteilung angesetzt gewesen, dann gab es Probleme mit der Benachrichtigung und dem Platz fürs Einspielen. "Das war schlecht organisiert", schimpfte die Darmstädterin.

Der Ärger vor dem Match hatte durchaus seine Auswirkungen auf das Match. "Ich war schon genervt, als ich auf den Platz ging", bekannte Petkovic, "aber es ist ja nochmal gut gegangen."

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