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Andy Murray hat bereits mehr als 11 Miilionen Euro an Preisgeld eingespielt © getty

Der Schotte ist notgedrungen die Hoffnung auf den ersten Sieg eines Briten in Wimbledon seit 75 Jahren. Mourinho git ihm Tipps.

London - Es hat schon seine Vorzüge, Andy Murray zu sein. Andy Murray ist, bei allem Respekt, kein Mann, der Mädchen schlaflose Nächte bereitet oder als Poster über ihren Betten hängen würde.

Seine Freundin Kim Sears allerdings geht problemlos als attraktiv durch, für eine Engländerin sowieso. Geld hat er auch genug, um ein sorgenfreies Leben führen zu können. Und erfolgreich ist er außerdem.

Andy Murray hat bislang 17 Tennis-Turniere gewonnen, zuletzt in der vergangenen Woche im Queen's Club in London. Bei einem Grand-Slam-Turnier hat er es zweimal ins Endspiel geschafft, jeweils in Australien (Jetzt mitspielen und 5.000 Euro gewinnen: Der SPORT1 Tipp-König).

Grand-Slam-Titel fehlt

Irgendjemand hat allerdings immer irgendetwas an Andy Murray auszusetzen, und sei es, weil er nun Schotte ist und kein Engländer.

Der größte Makel, der dem 24 Jahre alten Schlaks anhaftet, ist der weiße Fleck in seiner sportlichen Vita: kein Grand-Slam-Titel. Vor allem aber: kein Sieg in Wimbledon (täglich ab 13 Uhr im LIVE-TICKER), wo er nun schon zum sechsten Mal teilnimmt.

Überhaupt hat ja kein Brite seit Fred Perry 1936 und somit seit 75 Jahren auf dem heiligen Rasen gewonnen. Die Warterei und die damit einhergehende wachsende Verzweiflung ist im Ansatz vergleichbar mit jener bei Schalke 04, wo es mit der Meisterschaft auch nicht mehr klappen will.

Murray kein Publikumsliebling

Die Engländer sind längst so weit, dass sie einen Schotten als Sieger dankend annehmen würden. Hauptsache Brite. Dabei gab es durchaus Dissonanzen zwischen ihnen und Murray.

Ein bisschen hängt ihm immer noch nach, dass er vor der WM 2006 in einem Gespräch mit seinem Vorgänger Tim Henman scherzhaft sagte, er unterstütze alle Mannschaften außer England.

Sie haben sich daran gestört, dass er anfangs mit Schweißbändern in den Farben der schottischen Flagge auf den Platz kam. Sein bisweilen in der Tat etwas prolliges Benehmen inklusive Rumgepöble fand wie zu erwarten auch keinen Beifall.

Tipps von Mourinho

Mittlerweile hat Murray allerdings gelernt, die zahlreichen Fettnäpfchen weiträumig zu umgehen und der erhöhten Aufmerksamkeit der englischen Medien, die vor und während der Tage von Wimbledon beinahe in Hysterie ausartet, mit einer gewissen Gelassenheit zu begegnen.

Ein wichtiger Tipp, sagt er, sei von Jose Mourinho gekommen, dem Trainer des spanischen Fußball-Rekordmeisters Real Madrid und Schrecken aller Medienschaffenden.

"Er hat mir gesagt, schau, das Interesse an Dir wird immer da sein, du kannst es eh nicht vermeiden, also genieße es, hab Spaß damit, das ist das, was ich tue", erklärte der Schotte.

Ersten Auftritte wenig überzeugend

In den ersten beiden Runden, gegen den Spanier Daniel Gimeno-Travor (vier Sätze) und anschließend Tobias Kamke aus Lübeck (drei Sätze), konnte Murray nicht überzeugen. (DATENCENTER: Wimbledon - Herren)

Die Engländer wissen nicht, was sie davon halten sollen, ob das nun gut oder schlecht ist für den weiteren Turnierverlauf. "Na, wenigstens kann ihm nun keiner vorwerfen, er habe sein bestes Tennis schon in den ersten Runden gezeigt", urteilte die Tageszeitung "The Guardian".

Seine beste Leistung, hoffen sie, hebt er sich diesmal für das Halbfinale auf, über das er bislang nicht hinausgekommen ist. Genau genommen zweimal, 2009 und 2010.

Nadal droht im Halbfinale

Sollte der geläuterte Murray, der zum allgemeinen Erstaunen ein durchaus manierliches Verhalten auf dem Platz zeigt, tatsächlich ins Halbfinale kommen, läuft es auf eine Begegnung mit Titelverteidiger Rafael Nadal hinaus (420442DIASHOW: Wimbledon 2011).

Nadal ist das eine Problem von Murray, Roger Federer und Novak Djokovic die anderen zwei. Der Weltranglistenvierte hat sie alle schon mal besiegt, aber irgendwie nie so nachhaltig, und erst recht nicht in Wimbledon.

Und die Chancen, dass es diesmal anders wird, stehen nicht gut, es sei denn, Nadal, Federer und Djokovic sollten geschlossen und vorzeitig versagen, abreisen oder verhaftet werden.

Tendenz zum Union Jack

Vorerst aber ist Murray auf einem guten Weg. Nach seinem Sieg gegen Kamke zeigte das "Murray-Meter", das die Tageszeitung "Daily Telegraph" eingerichtet hat, wieder ein bisschen in Richtung des Union Jack.

Dort steht dann auch geschrieben: "Beflaggt eure Häuser, Grossbritannien regiert die Welt."

Sollte Murray ausscheiden, würde sich der Zeiger des Messgeräts nach links bewegen - dort ist die schottische Flagge.

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