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Andrea Petkovic wurde 1987 im bosnischen Tuzla geboren © imago

Die sonst so lockere und selbstbewusste Andrea Petkovic ist nach dem überraschend frühen Aus in Wimbledon am Boden zerstört.

London - Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, ehe Andrea Petkovic den nächsten Satz sagen konnte.

Der jungen, fröhlichen Frau mit dem gewinnenden Lachen war zum Heulen zumute.

"Ich hatte einfach einen schwarzen Tag", sagte die Darmstädterin nach ihrer Drittrunden-Niederlage in Wimbledon (täglich ab 13 Uhr im LIVE-TICKER) kaum hörbar, dann versagte ihr die Stimme komplett.

Einfach ein schwarzer Tag? Kann ja mal vorkommen.

Doch so einfach war es dann doch nicht für Andrea Petkovic. Sie war enttäuscht, bitter enttäuscht, und als die Tränen flossen und sie keinen Satz mehr sagen konnte, war klar, wie tief sie ihr Scheitern getroffen hat (420442DIASHOW: Die Bilder aus London).

Einer dieser Tage

Andrea Petkovic hatte sich bereits in den ersten beiden Runden schwergetan auf dem heiligen Rasen, und nach dem Sieg in der zweiten Runde gegen Stephanie Dubois, eine Qualifikantin aus Kanada, verzichtete sie deshalb sogar auf ihren sonst üblichen Tanz (DATENCENTER: Wimbledon - Damen).

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Dann traf sie auf Xenia Perwak, eine kleine Ballmaschine aus Russland, nur die Nummer 89 der Welt und alles andere als die Kragenweite ihrer Gegnerin. Doch Petkovic erlebte einen dieser blöden Tage, an denen nichts klappen will.

Man kennt das ja: Kaffee auf das Hemd geschüttet, das Haus ohne Schlüssel verlassen, im Stau gestanden - und der Chef hat miese Laune.

Fluch hält an

Kann ja mal vorkommen, das weiß auch Andrea Petkovic, "aber es ist halt sehr enttäuschend bei einem Grand-Slam-Turnier".

Noch dazu bei diesem, für das sich die 23-Jährige wohl mehr vorgenommen hatte, als sie zugeben mochte. "Ich hatte die Hoffnung, dass ich diesen Fluch in Wimbledon ablegen kann", sagte sie mit stockender Stimme. Zweimal war Andrea Petkovic im All England Club bereits in der Qualifikation gescheitert, im Vorjahr in der ersten Runde.

Das entspricht ganz und gar nicht ihren Vorstellungen, und erst recht nicht den gestiegenen Erwartungen einer Nummer 13 der Weltrangliste.

Bittere Miene

Der Grund für das 4:6, 6:7 (2:7) gegen die gewiss nicht übermächtige Perwak war schnell gefunden. "Ich habe ich mich grottenschlecht bewegt, und das wirkt sich dann auf alles andere aus", sagte Petkovic mit Leichenbittermiene.

Dennoch hätte sie das Match im zweiten Satz noch drehen können, beim Stand von 6:5 aber vergab sie zwei Satzbälle, der erste landete völlig fehlgesteuert im Zaun.

Und "gerade in den wichtigen Momenten", sagte Petkovic, habe die Gegnerin "einfach besser" gespielt. Ihr dagegen, durch das schlechte Gefühl in den Beinen völlig verunsichert, "fehlte das Selbstvertrauen und die Entschlossenheit."

Geduld gefragt

Wie gesagt, kann ja mal passieren.

"Vielleicht war die Zeit einfach noch nicht reif. Wenn sie das ist, werde ich auch diesen nächsten Schritt machen. Ich bin ja erst am Anfang meiner Reise und werde noch stärker werden" - so hatte Andrea Petkovic drei Wochen zuvor nach ihrer Viertelfinal-Niederlage bei den French Open gegen die ehemalige Weltranglistenerste Maria Scharapowa gesprochen.

Da unterlag sie 0:6, 3:6 und war lange nicht so niedergeschlagen wie diesmal. Das Scheitern in Wimbledon, es zeigte der deutschen Nummer eins auf die ganz harte Tour, dass nicht alles von heute auf morgen geschehen kann.

"Ich muss", sagte Petkovic kaum hörbar, "glaube ich, noch ein bisschen geduldiger mit mir sein." Dann weinte sie wieder.

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