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Bernard Tomic ist derzeit die 158 der Weltrangliste © getty

Während sich Nadal mit einer Verletzung plagt, kämpft sich ein 18-Jähriger ins Rampenlicht und wird bereits mit Becker verglichen.

London - Der regierende König von Wimbledon musste erst einmal tief durchatmen.

Dann trat Rafael Nadal noch mal hinaus auf den Centre Court, in Siegerpose ließ er sich von den Zuschauern huldigen, wie ein Matador, der in einem Kampf auf Leben und Tod den gefährlichsten Stier in der Arena erledigt hatte.

Es war, wohlgemerkt, nur um den Einzug ins Viertelfinale gegangen, doch bei diesen 125. All England Championships hatte der Thron des Spaniers noch in keinem Match so gewackelt wie beim 7:6 (8:6), 3:6, 7:6 (7:4), 6:4 gegen Juan Martin Del Potro aus Argentinien.

Nadal muss an seine Grenzen

Es war zum Abschluss des Achtelfinales ein bemerkenswert hochklassiges Duell, in der sich beide Spieler spielerisch und körperlich im Grenzbereich bewegten.

"Ich dachte, ich muss aufgeben", gestand Nadal, der beim Stand von 6:5 im ersten Satz für Del Potro eine zehnminütige Auszeit hatte nehmen müssen: Der Knöchel schmerzte.

Später dann, beim 2:2 im dritten Satz, fiel Del Potro hin, er verschwand ebenfalls für rund zehn Minuten: Die Hüfte schmerzte.(423318DIASHOW: Die Bilder der zweiten Woche)

Bei Nadal schien die Sache kritisch. "Ich bin besorgt, sicher", sagte er zunächst - am Dienstag gab er dann Entwarnung. "Ich bin fit."

Startschwierigkeiten bei Federer

Die Probleme von Nadal sind symptomatisch. Am Mittwoch, so das Wetter es zulässt, spielen die Großen Vier, also Nadal, Novak Djokovic, Roger Federer und Andy Murray, um den Einzug ins Halbfinale.

Das war auch zu erwarten. Für keinen der Vier aber war es bislang ein entspannter Spaziergang.

Djokovic und Murray kamen schwer in die Gänge - im Achtelfinale machten sie kurzen Prozess.

Nadal und Federer erreichten die Runde der letzten 16 ohne Satzverlust - dann wurde es auch für sie eng. Federer etwa hatte große Mühe gegen den widerspenstigen Russen Michail Juschni, das 6:7 (5:7), 6:3, 6:3, 6:3 war hart umkämpft.

Harte Konkurrenz

Die Großen Vier befinden sich auf Kollisionskurs, doch ihre Gegner am Mittwoch sind alles andere als Laufkundschaft.(ab 14 Uhr im LIVE-TICKER)

Nadal spielt gegen Mardy Fish (USA), der gerade den Vorjahresfinalisten rausgeworfen hat, Tomas Berdych aus Tschechien.

Federer bekommt es mit Jo-Wilfried Tsonga (Frankreich) zu tun, der zuletzt zweimal keinen Satz abgab.(DATENCENTER: Wimbledon - Herren)

Und Murray erwartet Feliciano Lopez, einen unberechenbaren Spanier, der bereits Andy Roddick (USA) eliminiert hat, der nebenher Mixed mit Andrea Petkovic spielt - und über den Murrays Mutter Judy schwärmerische Twitter-Botschaften veröffentlicht.

Gefährlicher Gegner für Djokovic

Auf den vielleicht gefährlichsten Gegner trifft Novak Djokovic. (Jetzt mitspielen und 5.000 Euro gewinnen: Der SPORT1 Tipp-König)

Bernard Tomic ist erst 18 Jahre alt, er wurde in Stuttgart als Sohn kroatischer Eltern geboren, wanderte mit ihnen im Alter von dreieinhalb Jahren nach Australien aus und spielte mittlerweile für seine Wahlheimat schon Davis Cup.

In Wimbledon hat er sich durch die Qualifikation gekämpft, er wäre dort fast in der ersten Runde gegen den Berliner Sebastian Rieschick ausgeschieden, im Hauptfeld warf er dann nacheinander Nikolai Dawydenko (drei Sätze), Igor Andrejew (5), Robin Söderling (3) und Xavier Malisse (3) raus. Sehr respektabel. (420442DIASHOW: Die Bilder der ersten Woche)

Jüngster seit Boris Becker

Tomic galt schon vor Jahren zumindest als großes Talent, jetzt ist er der jüngste Viertelfinalist in Wimbledon seit einem gewissen Boris Becker 1986.

Ob er es Becker nachmachen und das Turnier gewinnen kann, haben ihn die Engländer deshalb schon gefragt.

"Wow, was für eine Frage", erwiderte Tomic, nur um dann zu antworten: "Alles ist möglich. Wenn dies nicht so wäre, würde ich ja nicht im Viertelfinale stehen."

Novak Djokovic ist jedenfalls gewarnt - zumal er den Emporkömmling, derzeit die Nummer 158 der Weltrangliste, ja bestens kennt von regelmäßigen gemeinsamen Trainingsstunden.

"Er hat mich zerstört"

Tomic ist ein schmächtiger Schlaks, er hat noch ein Milchgesicht, aber für einen 18-Jährigen spielt er taktisch bereits erstaunlich clever und abgeklärt.

Seine gewaltiger Aufschlag und seine flach geschlagenen Grundschläge sind für das Spiel auf Rasen bestens geeignet.

"Und er spielt jetzt außerdem mit einem großem Selbstvertrauen", ahnt Djokovic.

Sie seien Freunde, sagt der Zweite der Weltrangliste, "aber am Mittwoch wird er rausgehen und gewinnen wollen."

Tomic erwidert, er hoffe, es gehe nicht so aus wie bei einem Probesatz zwischen ihm und Djokovic vor dem Turnier: "Da hat er mich zerstört."

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