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Sabine Lisicki erreichte als erste Deutsche seit zwölf Jahren ein Grand-Slam-Halbfinale © getty

Die Deutsche bricht nach starkem Beginn im Halbfinale von Wimbledon gegen Scharapowa ein. Nach Hause muss sie dennoch nicht.

London - Noch einmal warf Sabine Lisicki dem Publikum Handküsschen zu, noch einmal erhielt sie tosenden Beifall von den Zuschauern, die sie liebgewonnen hatten - dann trat sie ab, das Gesicht tief vergraben in ein Handtuch.

Die wundersame Reise ist zu Ende, das Halbfinale war für die 21 Jahre alte Berlinerin die Endstation bei den 125. All England Championships in Wimbledon (täglich, ab 14 Uhr im LIVE-TICKER).

Lisicki unterlag der Weltranglistensechsten Maria Scharapowa aus Russland mit 4:6, 3:6 (DATENCENTER: Wimbledon - Damen).

Mit Stosur im Halbfinale

Nach Hause muss sie aber trotzdem noch nicht: Nach dem Halbfinal-Aus im Einzel erreichte Lisicki mit ihrer australischen Partnerin Samantha Stosur das Halbfinale im Doppel.

Lisicki verpasste allerdings die günstige Gelegenheit, als erste deutsche Spielerin seit Steffi Graf 1999 nach der wichtigsten Trophäe im Tennis zu greifen. Graf hatte das Endspiel vor zwölf Jahren allerdings verloren, ihren letzten von sieben Titeln auf dem heiligen Rasen gewann sie 1996.

Lisicki, die auf dem Weg in das Halbfinale die Top-Ten-Spielerinnen Li Na (Bericht) und Marion Bartoli (Bericht) ausgeschaltet hatte, muss sich mit einem Preisgeld von 275..000 Pfund (etwa 304.000 Euro) und der baldigen Rückkehr in die Top 30 der Weltrangliste trösten.

Ohne gute Aufschläge angreifbar

Zugleich gewann Lisicki die Erkenntnis, dass sie ohne gute Aufschläge zu angreifbar ist: Lisicki, mit 44 Assen in fünf Spielen die bis dahin Beste in Wimbledon und deshalb von den englischen Medien bereits "Bumm Bumm Bine" oder "Doris Becker" genannt, schlug im Halbfinale kein einziges Ass.

Ihr schwaches zweites Service wurde von Scharapowa gnadenlos attackiert. Der Russin wurde so nicht mal zum Verhängnis, dass sie selbst schlecht aufschlug und insgesamt 13 Doppelfehler servierte. "Wieder im Endspiel zu stehen ist großartig, aber ich habe hier noch etwas zu tun", sagte Scharapowa (423318DIASHOW: Die Bilder der zweiten Woche).

Kvitova erreicht Endspiel

Scharapowa trifft im Endspiel am Samstag auf Petra Kvitova, die im ersten Halbfinale auf dem Centre Court als erste Tschechin seit 13 Jahren das Endspiel in Wimbledon erreicht hatte. Die 21 Jahre alte Weltranglistenachte besiegte die Weltranglistenfünfte Wiktoria Asarenka aus Weißrussland mit 6:1, 3:6, 6:2.

Für Kvitova ist es die erste Teilnahme am Endspiel eines Grand Slams. Die letzte tschechische Finalistin in Wimbledon war 1998 Jana Novotna gewesen, sie hatte damals auch den Titel gegen Nathalie Tauziat aus Frankreich gewonnen.

Zunächst hatte es kurzfristig nach einem deutsch-tschechischen Endspiel ausgesehen. "Sie hat sehr gut gespielt, ich habe genau das Gegenteil gemacht", sagte Maria Scharapowa über die einseitige Anfangsphase, in der Lisicki mit 3:0 in Führung ging.

Russin spielt Routine aus

Nach einem miserablen Start fing sich die Russin aber ab Mitte des ersten Satzes und spielte danach neben ihrem Können auch ihre ganze Routine aus. Die 24-Jährige, Siegerin in Wimbledon 2004, erreichte ihr zweites Finale auf dem heiligen Rasen nach 1:27 Stunden, Lisicki schlug den ersten Matchball hinter die Grundlinie ins Aus.

Auch dank des Nervenflatterns und der Verkrampftheit von Scharapowa war Lisiscki ein perfekter Start in das Match gelungen.

Bei Sonnenschein über dem Centre Court zu Spielbeginn spielte Lisicki unbekümmert drauflos, doch als ihre Gegnerin das hart umkämpfte vierte Spiel gewonnen hatte, drehte sich das Match (Jetzt mitspielen und 5.000 Euro gewinnen: Der SPORT1 Tipp-König).

Vergebliche Hoffnung auf Unterbrechung

Lisicki, die bisherige Nummer 62 der Weltrangliste, geriet bei eigenem Aufschlag jetzt zunehmend unter Druck, vor allem ihr zweites Service war leicht angreifbar, und je länger die Ballwechsel dauerten, desto häufiger wurden sie von Scharapowa gewonnen. Lisicki verlor ihr Service zum 4:5, dann den Satz.

Lisicki hoffte zwischendurch noch auf eine Unterbrechung, nachdem es im dritten Spiel des zweiten Satzes leicht zu regnen begonnen hatte.

Traum erfüllt sich nicht

Die Hoffnung auf dieses "Break" der etwas anderen Art erfüllte sich allerdings nicht, die Schiedsrichterin ließ weiterspielen, die Deutsche verlor ihren Aufschlag zum 0:3 und erholte sich davon nicht mehr.

"Träumen ist erlaubt", hatte vor dem Spiel Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner gesagt. Die Erfüllung dieses Traums muss erst mal warten.

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