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Der Schweizer Roger Federer nhat bisher 67 Titel auf der ATP-Tour gewonnen © getty

Trotz der Pleite gegen Tsonga ist Federer "glücklich und ermutigt". Sein Scheitern verbessert Murrays Chancen dennoch nicht.

London - Roger Federer sah ein bisschen aus wie ein König, der von seinem Thron gejagt wurde.

Und nicht einsehen mag, dass er ihn vielleicht nie mehr besteigen darf.

"Ich dachte", sagte der Schweizer, "dass mein Spiel gut genug ist, um das Turnier in diesem Jahr zu gewinnen."

Er denkt es womöglich immer noch, aber Roger Federer wird das Turnier in Wimbledon nicht gewinnen. Zumindest nicht in diesem Jahr.

Im Halbfinale spielen Rafael Nadal gegen Andy Murray und Novak Djokovic gegen Jo-Wilfried Tsonga, dessen Spiel für das gute Spiel von Federer zu gut war.

Ein lange Serie ist gerissen

Lange Zeit ging es in Wimbledon nur um die Frage, wer denn vom Herrscher über den heiligen Rasen diesmal im Endspiel abserviert werden würde.

Schon im vergangenen Jahr aber geschah Erstaunliches: Federer, der sechsmalige Sieger, unterlag gegen Tomas Berdych aus Tschechien, Viertelfinale, drei Sätze, eine Demütigung.

So schlimm war es diesmal nicht, aber denkwürdig dennoch. Wieder scheiterte Federer im Viertelfinale - obwohl er sogar die ersten beiden Sätze gewonnen hatte.

178-mal war der 29-Jährige bei einem Grand Slam mit 2:0 nach Sätzen in Führung gegangen, keines dieser Matches verlor er (420442DIASHOW: Die Bilder der ersten Woche).

"Ich fühle mich nicht entmutigt"

Federer musste sich schnell die Frage gefallen lassen, ob das denn nun der Anfang vom Ende einer Ära sei. Erwartungsgemäß verneinte er.

"Diese Niederlage ist leichter zu verarbeiten als die im vergangenen Jahr", sagte er, "mein Spiel ist da. Ich bin glücklich. Ich fühle mich besser als vor einem Jahr. Das ist wirklich ermutigend. Und auch wenn ich eine harte Niederlage hinnehmen musste: Ich fühle mich nicht entmutigt."

Er könnte es sein: Seit den Australian Open 2010 läuft er seinem 17. Grand-Slam-Titel hinterher, und wenn er nicht noch die US Open gewinnt, wäre es sein erstes Jahr seit 2002 ohne Grand-Slam-Sieg.

"Zu viele Schlachten geschlagen"

Die Niederlage gegen Tsonga war jedenfalls bemerkenswert. 6:3, 7:6 (7:3), 4:6, 4:6, 4:6 (Bericht). Federer hatte in 3:02 Stunden nur einen Breakball, im ersten Satz, und den nutzte er.

Danach: keine Chance mehr, Tsonga schlug einfach zu gut auf. Federer führte dennoch mit 2:0 nach Sätzen, doch dann schien er das Match nur verwalten zu wollen. Und als er mehr und mehr in Bedrängnis geriet, spielte er immer noch einfach so weiter, kein Aufbäumen, keine Emotionen.

"Er sah aus wie ein Mann, der zu viele Schlachten geschlagen hat", analysierte die Tageszeitung "The Times" am Tag danach.

Murray nun gegen Nadal

Die Times stellte nach dem Farewell von Federer auch fest: "Ein Genie weniger, das Murray schlagen muss."

Murray, Andy Murray, trägt die Hoffnungen auf den ersten britischen Sieger in Wimbledon seit 75 Jahren, er erhielt viel Lob für seinen kaltblütigen Dreisatz-Sieg gegen den Spanier Feliciano Lopez (DATENCENTER: Wimbledon - Herren).

"Er hält den Traum am Leben", schrieb die Tageszeitung "The Independent".

Nur: Murray hätte Federer erst im Endspiel besiegen müssen, erst mal trifft er in seinem dritten Halbfinale nacheinander im All England Club auf Rafael Nadal. Der Titelverteidiger weiß, wie man Grand-Slam-Titel gewinnt, Murray nicht.

"Ich werde bereit sein"

Der dreimalige Wimbledonsieger John McEnroe mag die hohen Erwartungen der Briten nicht teilen.

"Die gute Nachricht ist, dass Murray einen Linkshänder aus Spanien besiegt hat. Die schlechte Nachricht ist: Das ist nicht der, auf den er es abgesehen hatte", sagte der Amerikaner in seiner Eigenschaft als Kommentator für die "BBC".

Murray gibt sich keinen Illusionen hin, er versichert: "Ich weiß, wie groß die Aufgabe ist, aber ich werde bereit sein."

Djokovic oder Tsonga?

Gewänne der Schotte, wäre er zumindest schon mal der erste Brite seit Henry Austin im Jahre 1938, der das Endspiel im Wimbledon erreicht.

Sollte Murray das Endspiel erreichen, wäre es sein viertes bei einem Grand Slam - gewonnen hat er aber noch keines (423318DIASHOW: Die Bilder der zweiten Woche).

Sein Gegner wäre: Novak Djokovic aus Serbien, der beim Erreichen des Finals die Nummer eins der Weltrangliste sein und damit Nadal ablösen würde. Oder eben Jo-Wilfried Tsonga aus Frankreich, die Nummer 19 der Weltrangliste.

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