vergrößernverkleinern
Sabine Lisicki ist aktuell die Nummer 62 der Weltrangliste © getty

Die 21-Jährige hat trotz des Scheiterns im Halbfinale ein "unglaubliches Turnier" in Wimbledon gespielt und die Fans begeistert.

London - Um kurz vor acht Uhr abends wurde auf Court 3 noch mal richtig was geboten. "Der Platz war rappelvoll", berichtete Sabine Lisicki mit ehrlicher Verblüffung. (423318DIASHOW: Die Bilder der zweiten Woche)

Knapp 2000 Menschen drängten sich auf den Tribünen, um ein Doppel der Damen zu sehen, und als die blendend gelaunte Lisicki gemeinsam mit ihrer australischen Partnerin Samantha Stosur gewonnen und das Halbfinale erreicht hatte, ging es richtig los:

Die 21 Jahre alte Berlinerin, die ja ursprünglich aus Troisdorf in Nordrhein-Westfalen kommt, wurde von den Zuschauern umschwärmt, als habe sie gerade Wimbledon gewonnen.

"Als wir da runtergekommen sind, kam man gar nicht mehr durch", stellte Lisicki fest. Die Menschen drängten sich um sie, und nur um sie. (DATENCENTER: Wimbledon - Damen)

Fan-Favorit Lisicki

Schon etwas mehr als drei Stunden zuvor war zu beobachten und zu hören gewesen, dass die Sympathien und der Applaus ziemlich einseitig verteilt waren:

Zugunsten einer sportlichen Verliererin, und eben nicht zu Gunsten von Maria Schwarapowa aus Russland, die das Halbfinale gegen die Außenseiterin aus Deutschland mit 6:4, 6:3 gewann und ins Endspiel gegen Petra Kvitova aus Tschechien einzog.

"Es war schön, dass die Fans hinter einem stehen, es war ein schönes Gefühl", sagte Lisicki.

"Ich kann stolz auf mich sein"

Die Begeisterung des Publikums für Lisicki hatte ihre Ursache vor allem darin, dass sie im All England Club ein "unglaubliches Turnier" gespielt hat, wie sie sagte. "Ich kann stolz auf mich sein", ergänzte sie. Das Eigenlob war berechtigt.

In der zweiten Runde wehrte Lisicki in einem großartigen Match auf dem Centre Court gegen die Weltranglistenvierte Li Na aus China zwei Matchbälle ab (Bericht), im Viertelfinale besiegte sie in Marion Bartoli aus Frankreich (Bericht) eine weitere Top-Ten-Spielerin, die 2007 im Finale von Wimbledon stand.

Von der dritten wurden ihr dann aber doch ein paar Grenzen aufgezeigt auf ihrem Weg hinauf Richtung Weltspitze.

Scharapowas Aufschlag kaum vorhanden

Lisicki war nicht in der Lage, diese Grenzen zu überwinden. Dabei war die Chance, als erste Deutsche seit Steffi Graf 1999 in Wimbledon ins Endspiel einzuziehen, nicht gerade klein.

Zumal Scharapowa zunächst kaum einen Ball traf und ihr Aufschlag fast nicht vorhanden war. Lisicki konnte am Ende davon nicht profitieren, weil auch ihr Service etwas nachgelassen hatte und ihre Gegnerin bei langen Ballwechseln viel konstanter und druckvoller war.

"Ich habe alles gegeben, mehr war nicht möglich", sagte Lisicki, sie wusste aber auch: "Ich habe meine Chancen nicht genutzt." (Jetzt mitspielen und 5.000 Euro gewinnen: Der SPORT1 Tipp-König)

"Mein Zeit wird kommen"

Was nicht war, soll noch werden. "Mein Zeit wird kommen", teilte Lisicki gleich am Freitag noch bei "Facebook" mit, nach ihrer Verletzungspause sei sie "stärker als zuvor". Am 3. August 2009 war sie schon mal die Nummer 22 in der Weltrangliste.

In der kommenden Woche wird sie sich von Position 62 im Ranking vorerst unter die Top 30 verbessern, bei den US Open ab Ende August benötigt sie dann keine Wildcard mehr für das Hauptfeld wie jetzt in Wimbledon, sie gehört dann wohl zu den Gesetzten.

Das Wichtigste aber, sagt Lisicki, sei für sie, "weiter Spaß zu haben, mir nicht zu viel Druck zu machen und es zu genießen".

Heldinnen der vergangenen Tage loben

"Alles ist möglich", sagt Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner über Lisicki, und was alles möglich ist, hat die ehemalige Top-25-Spielerin in Wimbledon am eigenen Leib erfahren.

Heldinnen vergangener Tage wie Martina Navratilova haben Rittner ihren Respekt vor dem Aufschwung des deutschen Damen-Tennis mitgeteilt.

Im Trubel um Lisicki ging am Ende fast unter, dass sie hinter Andrea Petkovic und Julia Görges ja nur die deutsche Nummer drei ist.

Wie Bus Nummer 11

Im täglichen Programmheft von Wimbledon stand dieser Tage dazu: Es sei mit den deutschen Tennis-Damen wie mit dem berühmten Londoner Bus Nummer 11. Erst kommt keiner, dann drei auf einmal.

Sabine Lisicki hat einstweilen versprochen, dass sie weiter fleißig Autogramme schreiben wird.

Sie erinnert sich schließlich noch daran, wie sie als Elfjährige vor der ehemaligen Weltranglistenerste Martina Hingis stand und der Kugelschreiber nicht funktionierte ...

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel