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Novak Djokovic gewann 2008 und 2011 die Australian Open © getty

Djokovic verdrängt Nadal vom ATP-Thron und will nun auch dessen Wimbledon-Krone. Englands Medien aber haben andere Prioritäten.

London - Die Wachablösung wurde einfach ignoriert.

Novak Djokovic wird am Montag die neue Nummer 1 der Weltrangliste sein, erstmal seit Februar 2004 steht dann ein anderer als Roger Federer oder Rafael Nadal über allen.

Darüber hinaus kann Djokovic am Sonntag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) die neue Nummer 1 beim wichtigsten Turnier des Jahres werden, erstmals seit 2003 hieße der Gewinner auf dem heiligen Rasen im All England Club in Wimbledon dann nicht Roger Federer oder Rafael Nadal.

Und was passiert? In Großbritannien bemitleiden sie lieber Andy Murray (423318DIASHOW: Die Bilder der zweiten Woche).

Presse lobt Nadal

"Der Traum stirbt für ein weiteres Jahr", schrieb die Tageszeitung "The Independent" und ließ sich dann seitenlang darüber aus, warum es nun mindestens 76 Jahre dauern wird, ehe ein Brite Wimbledon gewonnen haben wird.

Die anderen Blätter handelten da ähnlich: Das Scheitern von Murray gegen Titelverteidiger Nadal (Bericht) wurde bis zum letzten Grashalm durchanalysiert, es gab allerdings kaum Kritik für den Schotten, dafür ehrfürchtiges Lob für Nadal.

Djokovic? Ach ja, steht erstmals im Endspiel. Nummer 1? Ach ja, ... äh ... stimmt.

Murray "mental zerbrechlich"

Wenn am Samstag etwas überdeutlich wurde, dann dies: Die Nummer 1 der Welt ist in Wimbledon eine kleine Nummer, so lange sie Wimbledon nicht gewonnen hat.

Und Nadal hat Wimbledon gewonnen, zwei Mal schon. Und Murray hat Wimbledon eben noch nicht gewonnen, und die Briten fragen sich: Wird er jemals gewinnen?

Auch Boris Becker gibt Einschätzungen in seiner Kolumne für die Tageszeitung "Daily Telegraph", er glaubt, dass Murray wieder an seiner "mentalen Zerbrechlichkeit" gescheitert ist und kein Raubtier sei, das frisst, wenn es Blut riecht.

Der Schotte hadert

Das 5:7, 6:2, 6:2, 6:4 von Nadal gegen Murray wird am Ende auf gerade mal einen Ballwechsel reduziert.

Zweiter Satz, 2:1 und 30:15 für den Schotten: Der 24-Jährige hat seinen Gegenüber ausgespielt, er muss nur noch eine Vorhand die Linie runter schlagen - eigentlich kein Problem.

Der Ball landet an der Grundlinie. Murray lässt das "Hawkeye" entscheiden - der Videobeweis fällt zugunsten seines Gegners aus: Ball im Aus (DATENCENTER: Wimbledon - Herren).

"Diese eine Vorhand ist der eine Punkte, den ich hätte machen müssen", sagte Murray. Er hätte zwei Breakbälle gehabt.

Großer Titel fehlt

Murray ist die Nummer vier der Welt. Er hat Federer, Nadal und Djokovic bereits besiegt, aber eben nie, wenn der "Senf geschnitten wird", wie sie das auf der Insel nennen.

Murray hat noch keines der vier großen Turniere gewonnen, keinen Titel bei einem Grand Slam, und eben erst recht nicht in Wimbledon (420442DIASHOW: Die Bilder der ersten Woche).

"Er ist ein besserer Spieler als viele, die einen Grand Slam gewonnen haben", meinte Nadal.

Das Schicksal von Murray ist es, dass es einen Federer und einen Nadal gibt, und jetzt auch noch dieser Djokovic dahergekommen ist.

Djokovic redet nicht über Nummer 1

Wie wichtig die Nummer 1 ist, und wie wichtig Wimbledon ist, das wurde bereits am Freitag deutlich: Nadal und Djokovic sprachen nicht darüber.

Der Spanier hat längst erkannt und dies auch mitgeteilt, dass der Wechsel an der Spitze der Weltrangliste nur noch eine Frage der Zeit sei, so wie Djokovic in diesem Jahr spiele.

Der Serbe seinerseits redete lieber über das Turnier und dessen Bedeutung: "Ich habe mein ganzes Leben dafür gearbeitet, im Finale von Wimbledon zu stehen, es ist mein Traum, seit ich ein kleines Kind war."

3. Erfolg für Nadal?

Auf die Platzierungen der am Montag erscheinenden Weltrangliste hat das Endspiel keinen Einfluss.

Aber darum geht es Nadal und dem "Djoker" ohnehin nicht. Es geht um den ultimativen Preis, der mit 1,1 Millionen Pfund dotiert, aber in Wahrheit ja unbezahlbar ist.

Nadal steht das fünfte Mal im Endspiel, er hat es zwei Mal gewonnen (2008, 2010), seit 20 Spielen ist er unbesiegt in Wimbledon (2009 fehlte er verletzt).

Nadal bestreitet bereits sein 13. Finale bei einem Grand Slam. Er hat nur zwei verloren. Gegen Federer. In Wimbledon.

Serbe mit guter Bilanz

Und Djokovic? Er wird am Montag die neue Nummer 1 sein, weil er von 48 Matches in diesem Jahr 47 gewonnen hat.

Die eine Niederlage kam im Halbfinale der French Open gegen Federer.

Zu seinen 47 Siegen aber gehörte das Endspiel der Australian Open - gegen Murray; dazu gehörten die Siege in den Endspielen von Indian Wells, Miami, Madrid und Rom - alle gegen Nadal.

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