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Rafael Nadal hat bislang zehn Grand-Slam-Titel gewonnen © getty

Rafael Nadal geht nicht nur wegen eines Missgeschicks angeschlagen in die US Open. Die jüngsten Pleiten nagen am Spanier.

New York - Rafael Nadal muss momentan glauben, die ganze Welt habe sich gegen ihn verschworen:

Erst verbrannte sich der Spanier an einer heißen Platte in einem japanischen Restaurant in Cincinnati zwei Finger und bekam dicke Blasen.

Dann jagte ihm in New York auch noch Hurrikan "Irene" einen gewaltigen Schrecken ein (BERICHT: "Irene" verschreckt US Open).

Und dabei hatte Nadal gerade in seiner am Rande der US Open (täglich, ab 17 Uhr im LIVE-TICKER) veröffentlichten Autobiografie mit dem simplen Titel "Rafa" seine Heidenangst vor Naturgewalten offenbart.

Unglückliche Begleitumstände

Die unglücklichen Begleitumstände seiner anvisierten Titelverteidigung in Flushing Meadows passen irgendwie ins Bild. Der Linkshänder von der Sonneninsel Mallorca, der am Dienstag in seinem Auftaktmatch auf Andrej Golubjew (Kasachstan) trifft, macht derzeit schwere Zeiten durch.

Auf dem Weg nach New York beispielsweise, wo er vor zwölf Monaten seinen Karriere-Grand-Slam komplettierte, hat Nadal vor kurzem in Montreal die erste Auftakt-Niederlage seit dem 5. Mai 2008 kassiert.

Alarmglocken schrillen

Die Alarmglocken schrillten aber schon vor zwei Monaten. Im Juni verlor Nadal im Wimbledon-Finale nicht nur den Titel des Rasenkönigs an Novak Djokovic, sondern gab gleichzeitig auch die Weltranglistenführung an den Serben ab.

"Ich habe diesen Sommer wirklich nicht gut gespielt. Vor allem nicht gegen Djokovic", gab der Spanier zu. Sämtliche fünf Duelle gegen den "Djoker" hat der French-Open-Sieger in diesem Jahr verloren (BERICHT: Djokovic wird gejagt).

Bislang nur drei Turniererfolge stehen zu Buche, 2010 waren es insgesamt sieben. Die Dominanz von einst ist längst dahin.

"Stier von Manacor" ist verwundbar

Dass der "Stier von Manacor" verwundbar wie lange nicht ist, haben auch die Experten bemerkt 445620(DIASHOW: Die Favoriten der US Open).

"Man kann sehen, dass Nadals Körper langsam ein bisschen abbaut. Im Moment macht er eine schwere Zeit durch. Auch wegen Djokovic", sagte der frühere Weltranglistenerste Pete Sampras aus den USA.

Der schwedische Ex-Profi Mats Wilander analysierte: "Rafa macht mehr Fehler als früher. Seine Unzufriedenheit ist ihm anzumerken."

Powerspiel hinterlässt Spuren

Und Nadal spürt selbst, dass sein über Jahre betriebenes kräftezehrendes Powerspiel so langsam Spuren hinterlässt. Die Rückkehr auf den Platz an der Sonne genießt vielleicht auch deshalb nicht oberste Priorität.

"Darüber mache ich mir derzeit keine Gedanken. Vielmehr ist es mir wichtig, wettbewerbsfähig zu sein", sagte der 25-Jährige, der in der Bestenliste als Zweiter schon 2500 Punkte Rückstand auf Branchenführer Djokovic hat.

Vier Finalpleiten im Gepäck

Die Hoffnungen auf seinen zweiten US-Open-Coup hat Hobby-Angler Nadal aber noch nicht komplett aufgegeben, zumal sein Krisenmanagement bei den French Open vor drei Monaten perfekt funktionierte.

Damals war er mit vier Finalniederlagen gegen Überflieger Djokovic im Gepäck angeschlagen in sein Königreich am Bois de Boulogne gereist und hatte seine Verunsicherung offen wie nie zuvor angesprochen.

"Ganz spezieller Titel"

"Der Knackpunkt damals war: Ich war im Kopf bereit, die Probleme anzugehen, und habe hart an den Lösungen gearbeitet. Deswegen war dieser Titel auch ein ganz spezieller für mich", erklärte Nadal im Rückblick auf Paris.

Im größten Tennisstadion der Welt wartet auf den sensiblen Superstar ab Dienstag eine neue Herausforderung. Denkt er positiv, dann könnte der abergläubische Nadal die Vorzeichen in seinem Sinne deuten: Die Brandblasen sind fast abgeheilt - und Hurrikan "Irene" hat sich still und leise verzogen.

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