vergrößernverkleinern
Die Darmstädterin Andrea Petkovic gewann bisher zwei WTA- und acht ITF-Turniere © getty

Andrea Petkovic' Einsatz bei den US Open ist nur mit Schmerzen möglich. Für die Teilnahme am Masters geht sie aber volles Risiko.

New York - Ihre einsamen Streifzüge durch New York genießt Andrea Petkovic in diesen Tagen noch mehr als sonst.

Kein Wunder. Der Tanz auf der Rasierklinge und der Kampf der Extreme im Umfeld kosten viel Kraft.

Im Wettstreit um einen Platz beim Masters der besten acht Spielerinnen Ende Oktober in Istanbul geht die verletzte Petkovic bei den US Open (täglich, ab 17 Uhr im LIVE-TICKER) hohes Risiko.

"Ich erlebe eine schwere Zeit, aber da muss ich durch. Natürlich bin ich nicht bei 100 Prozent", sagte die deutsche Nummer eins nach dem 6:2, 6:2 zum Auftakt gegen Jekaterina Bytschkowa (Russland).

Der Meniskuseinriss im rechten Knie schmerzt noch immer, trotz der Tablette vor dem Match 445620(DIASHOW: Die Favoriten der US Open).

"Wenn das Knie dick wird, höre ich auf"

Kopfzerbrechen dürfte Petkovic zudem die Ungewissheit über mögliche Folgen ihres gefährlichen Einsatzes im Big Apple bereiten.

"Ich bin mir des Risikos bewusst und vertraue auf mein gutes Körpergefühl. Aber ich habe meine Grenze: Wenn das Knie während des Matches dick wird, dann höre ich sofort auf", sagte die 23-Jährige, die in den vergangenen Tagen mehrere Spezialisten konsultiert hat (BERICHT: Lisicki glänzt - "Petko" tanzt).

Ernste Verletzung

Die einen haben ihr gesagt, die Verletzung könne sich durch das Spielen nicht verschlimmern, andere wiederum sagen genau das Gegenteil.

Fest steht, dass eine mögliche Arthroskopie wohl das vorzeitige Saisonende bedeuten würde. 2008 hatte "Petko" bereits einen Kreuzbandriss in demselben Knie erlitten und war neun Monate ausgefallen.

"Auf jeden Fall ist so ein Einriss keine Zerrung und deshalb sehr ernst zu nehmen", mahnte Barbara Rittner. Die Fed-Cup-Teamchefin wollte Petkovic ursprünglich zum Verzicht auf den US-Open-Start überreden, ließ es dann aber doch sein.

Masters-Teilnahme fraglich

Ähnlich kontrovers diskutierte das private Umfeld der Weltranglistenelften, die am Donnerstag auf Zheng Jie (China) trifft.

"Meine Eltern würden mich am liebsten in ein Kloster nach Timbuktu schicken, damit ich nicht spiele. Eltern eben", berichtete Petkovic schulterzuckend.

Trainer Petar Popovic unterstützt seinen Schützling bei der Mission "Via New York nach Istanbul". In der Qualifikation für das Saisonfinale liegt Petkovic nach einem Traumjahr (bislang 46:15 Siege) auf Rang neun - die besten acht Profis der Saison spielen ab dem 25. Oktober am Bosporus ihre Weltmeisterin aus.

"Meine Teilnahme steht auf der Kippe. Das ist sicherlich auch ein Grund", erklärte die Australian-Open- und French-Open-Viertelfinalistin ihren Antrieb 447802(Diashow: Die Bilder der US Open 2011).

Breakdance nach dem Sieg

Petkovics Erwartungshaltung für das letzte Grand-Slam-Turnier 2011 ist wegen der ungünstigen Vorzeichen äußerst gering: "Es ist schon ein Erfolg", betonte sie, "überhaupt spielen zu können. Ich habe mich seit Jahren nicht mehr so über einen Erstrundensieg gefreut."

Über eine Eingabe der besonderen Art kann die Hessin trotz aller Sorgenfalten schmunzeln. Vor der Verletzung hatte sie vor knapp zwei Wochen in Cincinnati eigens für die US-Tour einen neuen Tanz kreiert.

"Als hätte ich es geahnt, kommen dabei die Beine nicht zum Einsatz", sagte Petkovic. Der Beweis folgte umgehend: Trotz der Kniebeschwerden führte sie die Breakdance-Einlage nach ihrem Zweitrundeneinzug auf Court 13 vor (BERICHT: Haas und Görges weiter).

"Viele Freigeister unterwegs"

Ungeachtet der Problematik genießt die passionierte Musikliebhaberin die Tage von New York. Als Gast-Bloggerin schreibt sie für das Wall Street Journal. Und taucht in der tennisfreien Zeit gerne in den Seitenstraßen von Manhattan ab.

Fernab vom Touristentrubel, versteht sich. Wie ein Schwamm saugt die etwas andere Profisportlerin die Eindrücke des Schmelztiegels auf.

"Ich genieße die kleinen Spaziergänge und die Energie dieser Stadt. Hier sind viele Freigeister unterwegs", schwärmte die allseits interessierte Petkovic. Und die Gedanken an den Tanz auf der Rasierklinge sind plötzlich ganz weit weg.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel