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Kohlschreiber erreichte im April 2008 als 24. seinen besten Weltranglisten-Platz © getty

Nach dem Zweitrunden-Aus gegen den 36-jährigen Santoro klagt "Kohli" über den Männer-Modus und wittert eine Verschwörung.

Melbourne - Schlecht gespielt und anschließend voller Frust gleich das ganze System der Grand-Slam-Turniere in Frage gestellt:

Philipp Kohlschreiber hatte am Mittwoch bei den Australian Open in Melbourne wahrlich keinen guten Tag.

Der unerwarteten 7:5, 5:7, 6:3, 5:7, 3:6-Pleite gegen den 36 Jahre alten Franzosen Fabrice Santoro (Ergebnisse der Herren) ließ der Augsburger bemerkenswerte Aussagen folgen, die ihn als schlechten Verlierer erscheinen ließen.

"Nicht das spielerische Können entscheidet"

"Das Best-of-five-System hat mich heute eine Runde gekostet, was mich wahnsinnig ärgert", sagte der 25-Jährige: "Für mich macht es keinen Sinn, hier über drei Gewinnsätze zu spielen."

Sowas hatte man noch nie gehört, normalerweise fordern die Männer, dass bei Grand Slams auch die Frauen über drei Gewinnsätze spielen.

"Kohli" aber gab nun Außergewöhnliches von sich: "Man hat schon des Öfteren gesehen, dass die Fitness entscheidet und nicht das spielerische Können."

Santoro mit sich im Reinen

Genau das aber war gegen Santoro nicht der Fall. Der Franzose, der bereits sein 66. Grand-Slam-Turnier bestreitet, konnte nach dem 4:06 Stunden andauernden Match vor Krämpfen kaum noch laufen.

Nein, in der Partie auf Platz sechs gewann nicht der fittere, sondern der gewitztere und intelligentere Spieler mit der besseren Einstellung.

"Ich habe gewonnen, weil ich nicht verlieren wollte", sagte Santoro: "Ich habe eines meiner besten Grand-Slam-Matches gespielt."

Hadern mit dem Service

Kohlschreiber fand kein Mittel gegen die Verteidigungskünste seines Gegners. "Ich habe die Bälle nicht konsequent genug weggespielt", sagte er: "Und ich brauche einen besseren Aufschlag, um weiter nach oben zu kommen." Acht Breaks musste er hinnehmen. 56979(Diashow: Die erste Woche in Melbourne)

Dennoch hätte es nach Kohlschreibers Logik in einem "normalen" Turnier über zwei Gewinnsätze zum Sieg gereicht.

Nun weiß man aber vorher, dass dies bei den vier großen Turniere wie auch im Davis Cup eben nicht so ist. Dafür sind sie sportlich wertvoller, dauern zwei Wochen, und zwischen den Matches ist ein Tag Pause.

Verschwörung der Gesetzten

"Ich finde es eine Qual, fünf Sätze zu spielen", meinte der Schwabe, der vor einem Jahr an gleicher Stelle noch mit einem Fünf-Satz-Sieg gegen Andy Roddick begeistert hatte.

Nun formulierte er eine Verschwörungstheorie der gesetzten Topspieler gegen eine Reduzierung.

"Es ist klar, dass sich viele dagegen wehren, die weit kommen, weil die sagen: Ich stehe maximal zwei Stunden auf dem Platz, lass die Idioten, die hinten stehen, die bekriegen sich vier Stunden."

"Erfolg kommt nicht mit der Post"

Mit seinen Aussagen bestätigte Kohlschreiber nachträglich den schwedischen Trainer Thomas Hogstedt, der in der "Berliner Zeitung" die Einstellung des Tennisprofis kritisiert hatte:

"Philipp muss verstehen, was es wirklich braucht, um Weltspitze zu sein. Er findet immer noch zu leicht Ausflüchte, wenn etwas nicht so geklappt hat. Er muss lernen, den Druck zu lieben. Erfolg kommt nicht mit der Post."

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