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Sabine Lisicki belegt derzeit den 15. Platz in der Weltrangliste der WTA © getty

Die Sensation in Wimbledon: Lisicki wirft Scharapowa spektakulär aus dem Turnier und trifft im Viertelfinale auf Kerber.

London - Als Sabine Lisicki die Sensation bei ihrem Lieblingsturnier geschafft hatte, sank sie auf dem heiligen Rasen in die Knie.

Freudentränen liefen ihr über die Wangen, sie schnappte nach Luft.

Mit 6:4, 6:3 hatte sie Maria Scharapowa, die Top-Favoritin auf den Wimbledon-Titel und Nummer eins der Tennis-Welt, geschlagen und nahm damit erfolgreich Revanche für die Halbfinalniederlage im vergangenen Jahr.

Aus ihrer Box jubelte ihr Dirk Nowitzki zu. Der NBA-Star und große Tennisfan sollte zwei Tage länger im Londoner Südwesten bleiben. Im Viertelfinale kommt es am Mittwoch nämlich zum deutschen Duell zwischen Lisicki und Angelique Kerber (581314DIASHOW: Wimbledon - 2. Woche).

Die Weltranglisten-Achte aus Kiel hatte gegen die viermalige Grand-Slam-Siegerin Kim Clijsters (Belgien) überhaupt keine Probleme und gewann nach nur 49 Minuten 6:1, 6:1.

"Wahnsinn die Art und Weise, wie überragend beide gespielt haben", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner: "Schade, dass sie jetzt gegeneinander spielen. Ich bin stolz auf sie."

Lisicki überglücklich

Zum ersten Mal in der Open Era (seit 1968) kommt es zu einem deutschen Damenmatch im Viertelfinale von Wimbledon.

Zudem stehen erstmals seit 25 Jahren zwei deutsche Damen unter den besten Acht des wichtigsten Tennisturniers der Welt. Damals waren es Claudia Kohde-Kilsch und Steffi Graf. Graf zog später erstmals ins Finale ein.

So weit sind Lisicki und Kerber zwar noch nicht, aber eine von beiden steht immerhin sicher im Halbfinale (DATENCENTER: Ergebnisse Damen).

Und so sieht die 22-jährige Lisicki dem Viertelfinale entspannt engegen: "Eine Deutsche ist schon weiter. Ist doch gut."

Nicht das Ende der Freundschaft

Im direkten Vergleich zwischen den beiden besten deutschen Spielerinnen führt Kerber 4:0. Auch auf Rasen hatte sie die bislang einzige Begegnung 2008 in s'Hertogenbosch für sich entschieden.

"Egal wie es ausgehen wird, ich werde weiterhin normal mit ihr reden - vor und nach dem Spiel. Ich werde weiterhin freundlich zu Sabine sein", sagte Kerber schmunzelnd: "Da wir so viele Deutsche auf der Tour sind, muss man damit rechnen, dass wir irgendwann aufeinandertreffen."

Kerber demontiert Clijsters

Kerber beendete die Wimbledonkarriere ihres Jugend-Idols.

Clijsters hört nach den US Open in New York auf, und ihr deutscher Fan war vor dem Spiel froh, noch einmal gegen sie spielen zu dürfen. Umso gnadenloser fiel der Sieg der 24-Jährigen aus. Nur fünf unnötige Fehler unterliefen Kerber, die zum ersten Mal in ihrer Karriere in Wimbledon den Einzug ins Viertelfinale schaffte.

"Es tut mir leid für sie", sagte Kerber: "Sie ist so großartig, eine Legende."

Clijsters erwartet enges Match

Clijsters lobte die Linkshänderin: "Sie hat unglaublich gespielt. Das war nahe am perfekten Match."

Im deutschen Viertelfinale erwartet die erfolgreichste Mutter auf der WTA-Tour ein enges Match: "Kerber bewegt sich besser, sie ist eine gute Allroundspielerin. Das ist wichtig auf Gras. Lisicki hat einen sehr guten Aufschlag und spielt den ersten Schlag stets aggressiv."

Lisicki liebt Wimbledon

"Ich wusste gar nicht, ob ich lachen oder weinen musste", sagte Lisicki: "Es ist einfach unglaublich. Ich hätte nie gedacht, dass ich hier die French-Open-Siegerin schlagen kann. Aber ich liebe dieses Turnier einfach."

Nach Swetlana Kusnezowa (Russland) 2009 und Li Na (China) im vergangenen Jahr bezwang Lisicki bereits zum dritten Mal die amtierende Paris-Siegerin. "Die sollten nicht in meinem Draw sein", sagte sie.

Regenpause kein Problem

Nicht einmal eine Regenpause zu Beginn des zweiten Durchgangs konnte Lisicki auf dem zweitgrößten Platz der Anlage stoppen.

Souverän, konzentriert und in den entscheidenden Momenten eiskalt spielte die Weltranglisten-15., als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Dabei war sie mit vier Erstrundenniederlagen im Gepäck nach Wimbledon (täglich im LIVE-TICKER) gekommen. "Ich freue mich auf diese großen Spiele", hatte sie zuvor gesagt.

Lisicki trotzt Formschwäche

Die ersten drei Runden hatte Lisicki zwar gewonnen, in der Verfassung vom vergangenen Jahr war sie dabei aber nicht gewesen.

Gegen Bojana Jovanovski aus Serbien hatte sich die Berlinerin richtig quälen müssen, sich beim Schiedsrichter über das lästige Stöhnen ihrer Kontrahentin beschwert und erst 8:6 im dritten Satz gewonnen.

Scharapowa war dagegen mit dem Selbstvertrauen und der Selbstverständlichkeit ihres vierten Grand-Slam-Titels von Paris durch das Turnier gezogen.

Starke Returns

Die Schreie der 25-Jährigen störten Lisicki diesmal nicht. Dabei wurden sie im Spielverlauf immer verzweifelter und lauter.

Scharapowa servierte zwar ungewöhnlich viele erste Aufschläge ins Feld, doch Lisicki returnierte herausragend.

Dabei orientierte sich die deutsche Nummer zwei beinahe immer in die richtige Ecke.

"Ich wusste schon in Melbourne, was auf mich zukommt", hatte sie vor dem Spiel gesagt. Bei den Australian Open im Januar hatte Lisicki erstmals einen Satz gegen die Russin gewonnen.

Aufschlag kehrt zurück

Anders als in den Runden zuvor bewies Lisicki, warum sie englische Medien im vergangenen Jahr "Boom Boom Bine" genannt hatten.

Sie schlug nicht nur hart auf, mit 193 km/h hält sie in diesem Jahr den Rekord bei den Frauen, ihr unterliefen nach einem nervösen Auftakt zu Beginn kaum mehr Doppelfehler.

20 waren es vor der Begegnung gewesen, so viele wie bei keiner anderen Spielerin im Achtelfinale.

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