5. Wimbledon-Triumph! Williams setzt sich Rasen-Krone auf
London - Auf dem Weg zu ihren fünften Wimbledonsieg wäre Serena Williams auf dem heiligen Rasen beinahe gestrauchelt.
69 Minuten lang dominierte die Amerikanerin das Match gegen Agnieszka Radwanska, bis die junge Polin in ihrem ersten Grand-Slam-Finale ihre erste Breakchance nutzte.
Sieg im Doppel
Das bis dahin ungleiche Duell war auf einmal spannend, es bahnte sich sogar ein Überraschung an. Williams schrie und stöhnte - setzte sich letztlich aber mit 6:1, 5:7, 6:2 durch.
Serena zog so mit ihrer Schwester Venus gleich, die ebenfalls fünf Titel im All England Club gewonnen hat. Gemeinsam gewannen sie am Abend zudem ebenfalls zum fünften Mal im Doppel.
Die Williams-Schwestern setzten sich gegen Lucie Hradecka/Andrea Hlavackova (Tschechien) 7:5, 6:4 durch. Es war bereits ihr 13. gemeinsamer Grand-Slam-Sieg. (DIASHOW: Wimbledon - 2. Woche).
"Vor ein paar Monaten lag ich noch im Krankenhaus. Ich habe nie davon zu träumen gewagt, wieder hier zu stehen", sagte Williams und bedankte sich mit tränenerstickter Stimme bei ihrer Familie, um kurz darauf wieder zu scherzen: "Ich wollte immer schon alles, was Venus hatte."
Schlussstrich unter Leidenszeit
Serenas insgesamt 14. Grand-Slam-Triumph war zugleich der endgültige Schlussstrich unter ihre Leidenszeit, die nur wenige Tage nach dem zuvor letzten Majorsieg vor genau zwei Jahren begonnen hatte.
Damals war sie in einem Restaurant in München in eine Glasscherbe getreten und musste an beiden Füßen genäht werden. Später stellte sich heraus, dass eine Sehne gerissen war.
Noch nicht genesen schockte eine Lungenembolie den Williams-Clan. "Das war extrem hart und beängstigend für mich", sagte Serena einmal.
Ein Blutgerinsel musste aus ihrer Lunge entfernt werden. "Ich habe in den vergangenen ein, zwei Jahren so viel mitgemacht. Das ist unglaublich", sagte sie nach dem Halbfinalsieg über die neue Nummer eins der Weltrangliste, Viktoria Asarenka aus Weißrussland.
Emotionen bei Radwanska
Radwanska konnte ihre Emotionen nach der dritten Niederlage im dritten Aufeinandertreffen mit Williams nicht verbergen.
"Ich bin natürlich stolz. Ich hatte die besten zwei Wochen meines Lebens", sagte sie und war dabei kaum zu verstehen, so sehr schluchzte sie auf dem Platz: "Es war nicht mein Tag, aber ich werde es im nächsten Jahr wieder probieren."
Nach dem Sieg in ihrem siebten Wimbledonfinale waren alle Sorgen vergessen. Williams war vom ersten Ballwechsel an die unumstrittene Herscherin vor 14.979 Zuschauern auf dem Centre Court ( DATENCENTER: Ergebnisse Damen).
Radwanska nutzt Regenpause
Stimmung kam allerdings kaum auf. Zu einseitig war das Finale zunächst. Erst als Radwanska, die mit einem Sieg polnische Sportgeschichte hätte schreiben und die Nummer eins der Welt hätte werden können, beim Stand von 0:5 Satzbälle abwehrte und ihr erstes Spiel gewann, erwachten die Zuschauer.
Dennoch dauerte es bis zum 2:4 im zweiten Satz, ehe Radwanska, die im Halbfinale Angelique Kerber (Kiel) geschlagen hatte, ein ausgeglichenes Finale lieferte.
Die Regenpause zu Beginn des zweiten Durchgangs spielte der 23-Jährigen dabei in die Karten, sie konnte sich neu sammeln. Und Williams begann nachzudenken.
"Am Anfang wollte ich zu viel und war nervös. Als ich das zweite Mal auf den Platz gegangen bin, war es plötzlich ein normales Match", sagte die Polin nach der Partie.
Royal Box vollbesetzt
Radwanska nutzte ihre erste Breakchance und glich plötzlich nach Sätzen aus. Damit hatte niemand gerechnet.
Nicht der Williams-Clan in der eigenen Box, nicht die Ex-Champions Martina Navratilova, Jana Novotna, Virginia Wade und Martina Hingis in der Royal Box und auch nicht BBC-Experte John McEnroe.
Der Amerikaner hatte Williams als beste Aufschlägerin in der Geschichte des Damentennis bezeichnet und die 30-Jährige bestätigte ihn in ihrem 17. Grand-Slam-Endspiel.
17 direkte Punkte machte sie und baute ihren Wimbledonrekord damit auf insgesamt 102 Asse aus. In der Mitte des dritten Durchgangs hatte Radwanska bei sechs von sieben Aufschlägen ihrer Gegnerin keine Chance - das war die Entscheidung.
Partner für Championsdinner gesucht
Radwanska, die 2005 das Juniorenturnier auf dem heiligen Rasen gewonnen hatte, wehrte sich noch einmal mit ihrem einzigartigen Konterspiel, dank dem sie ab Montag auf Platz zwei der Weltrangliste geführt wird, doch die Power von Williams war zu erdrückend.
Williams kassierte für ihren Triumph 1,45 Millionen Euro, Radwanska muss sich mit 725.000 Euro trösten.
Beim traditionellen Championsdinner am Sonntagabend trifft Williams entweder auf Roger Federer (Schweiz/Nr. 3), mit dem sie bereits 2003 und 2009 ihre Siege feierte, oder Andy Murray (Großbritannien/Nr. 4), der als erster Brite seit 74 Jahren im Wimbledonfinale steht.