Schwarzer Montag: Deutsche Damen gehen baden
New York - Bittere Erstrundenpleiten für Sabine Lisicki und Julia Görges bei den US Open (täglich im LIVE-TICKER) in New York: Nach Olympia-Blech und Verletzungs-Pech traf der neuerliche Rückschlag besonders Hoffnungsträgerin Lisicki hart.
Die Wimbledon-Viertelfinalistin schied nach einem 6:4, 2:6, 2:6 gegen ihre Angstgegnerin Sorana Cirstea (Rumänien) überraschend bereits in ihrem Auftaktmatch aus und flüchtete den Tränen nahe vom Platz (DIASHOW: Die erste Woche der US Open).
Den ernüchternden Auftakt machten Görges und Andrea Petkovic mit ihrem K.o. perfekt. Die Fed-Cup-Spielerin Görges unterlag mit 6:7 (4:7), 1:6 der tschechischen Qualifikantin Kristyna Pliskova. "Petko" scheiterte mit 2:6, 5:7 an Romina Oprandi (Schweiz).
Bittere Premiere für Lisicki
Für die mit großen Ambitionen gestartete Lisicki war es die vierte Niederlage im vierten Duell mit Cirstea - und die erste Auftaktpleite in Flushing Meadows überhaupt.
Dabei sah auf Court 13 zunächst alles danach aus, als könnte die Deutsche ihren Fluch gegen die Rumänin besiegen. Trotz eines 2:4-Rückstandes holte sich Lisicki mit vier Spielgewinnen den ersten Satz. Doch danach ließ sie sich gleich zweimal breaken.
Regen schadet
Auch eine zweieinhalbstündige Regenpause zu Beginn des dritten Durchgangs konnte das Blatt zugunsten von Lisicki nicht mehr wenden ( DATENCENTER: Alle Ergebnisse der US Open).
Von den ersten sieben Punkten nach der Rückkehr auf den Platz gewann sie nur einen. Mit dem achten Doppelfehler machte die Berlinerin, der 42 unbedrängte Fehler unterliefen, den K.o. perfekt.
Görges patzt
Auch Görges enttäuschte auf der ganzen Linie. Die Ranglisten-21. war bereits 2009 in der Auftaktrunde von Flushing Meadows gescheitert. Gegen Pliskova konnte Görges acht Breakchancen nicht nutzen - die Tschechin gewann auf der Tour 2012 bisher ganze zwei Spiele.
"Sie hat verdient gewonnen. Ich habe nach der Regenunterbrechung den Faden nicht mehr gefunden. Ich habe bei Olympia zu viel Kraft gelassen", sagte Görges.
Mayer muss aufgeben
Davis-Cup-Spieler Florian Mayer musste sein Erstrundenmatch gegen Jack Sock aus den USA beim Stand von 3:6, 2:6, 2:3 wegen Unwohlseins aufgeben.
"Ich konnte den Ball nicht mehr richtig sehen. Mir war schwindelig, die Beine waren schwer. Auch eine Tablette brachte keine Besserung", sagte Mayer, der auch noch bei der Pressekonferenz an den Beschwerden litt:
"Ich musste mich nach dem Spiel zehn Minuten hinlegen. Dabei hatte ich acht Tage gut trainiert und mir hier so viel vorgenommen."
Brands und Phau weiter
Qualifikant Daniel Brands hat indes als erster deutscher Tennisprofi die zweite Runde erreicht. Der 25-Jährige setzte sich mit 7:6 (7:4), 6:4, 7:6 (7:5) gegen den ebenfalls ungesetzten Rumänen Adrian Ungur durch.
Auch Björn Phau überstand die erste Runde. Er besiegte in seinem Auftaktmatch den Belgier Maxime Authom mit 6:2, 4:6, 6:4, 7:6 (7:5). Auf den Darmstädter wartet in der nächsten Runde als "Belohnung" ein Duell mit Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer aus der Schweiz.
Petko auf dem Weg zurück
Petkovics Niederlage war vielleicht die kleinste Enttäuschung. Wegen einer Rückenblessur zu Jahresbeginn und einer Sprunggelenks-OP im April hatte die 24-Jährige insgesamt acht Monate pausieren müssen.
Dadurch hatte die aktuelle Nummer 37 des Rankings neben den Australian Open, den French Open und Wimbledon auch die Olympischen Spiele in London verpasst.
Gegen Oprandi war der konstantesten Grand-Slam-Spielerin von 2011 die fehlende Matchpraxis deutlich anzumerken. In den ersten drei Spielen gab sie gleich zweimal den Aufschlag ab und machte insgesamt nur drei Punkte.
Großer Kampf
Im zweiten Durchgang kämpfte sie sich nach der Abwehr von drei Matchbällen beim Stande von 3:5 noch einmal auf 5:5 heran, musste sich dann aber doch nach 88 Minuten geschlagen geben.
Im vergangenen Jahr hatte die Fed-Cup-Spielerin im Viertelfinale von Flushing Meadows gestanden. Ihr Comeback nach einem doppelten Bänderriss im rechten Knöchel hatte Petkovic in der vergangenen Woche in New Haven gefeiert und dort ihr zweites Match verloren.
Viele Verletzungen
Frust pur herrschte besonders bei Lisicki. Vor drei Wochen hatte sie im olympischen Mixed-Wettbewerb mit Christopher Kas (Trostberg) die ersehnte Bronzemedaille nur knapp verpasst.
Die Tränen von London sind inzwischen getrocknet. Geblieben sind die Verletzungssorgen, die der 23-Jährigen auch in der Vorbereitung auf das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres zusetzten.
"Wenn Sabine fit ist, muss sie niemanden fürchten", sagte Kultcoach Nick Bollettieri, in dessen Akademie die Deutsche immer wieder trainiert.
Keine guten Erinnerungen
Wegen einer nicht näher definierten Bauchverletzung hatte Lisicki nach ihrer Auftakt-Niederlage in Montreal die Hartplatz-Turniere in Cincinnati und Dallas absagen müssen.
Das Tournament in der texanischen Ölmetropole hatte die Weltranglisten-23. im vergangenen Jahr gewonnen.
Lisicki mag New York, dabei war Flushing Meadows eigentlich von jeher kein gutes Pflaster für sie. 2009 musste die Rechtshänderin in einem Rollstuhl vom Platz geschoben werden, nachdem sie im Zweitrundenmatch böse umgeknickt war.
Einige Experten behaupten, diese Knöchelverletzung sei der Grund für folgende Blessuren gewesen. Und nun der neuerliche Rückschlag. Am Dienstag greift die deutsche Hoffnungsträgerin Angelique Kerber ins Geschehen ein.