6:2, 6:0! Kerber im Eiltempo weiter
New York - New York ist für Angelique Kerber so etwas wie die Endstation Sehnsucht.
Aber eigentlich sollen die US Open (täglich im LIVE-TICKER) auf dem Weg nach ganz oben nur ein weiterer Meilenstein sein.
Ihre erste Pflichtaufgabe nach der Rückkehr an ihre sportliche Geburtsstätte erledigte die deutsche Nummer eins im Eiltempo - 6:2, 6:0 gegen Anne Keothavong (Großbritannien) in nur 54 Minuten.
Kerber rettete damit die Ehre der deutschen Tennisspielerinnen, nachdem ihre Fed-Cup-Kolleginnen Andrea Petkovic, Sabine Lisicki und Julia Görges am Vortag allesamt gescheitert waren. ( BERICHT: Deutsche Damen gehen baden)
"Ich war am Anfang doch ein bisschen nervös und fühlte mich nicht so frei", sagte Kerber, die in der nächsten Runde auf die zweimalige Turniersiegerin Venus Williams (USA) trifft: "Eigentlich bin ich die Favoritin, aber ich sehe sie als Favoritin. So nehme ich mir den Druck."
Die an Position sechs gesetzte Kerber feierte ihren 54. Sieg in dieser Saison. Mehr Erfolge hat 2012 bislang keine andere vorzuweisen.
Malek überrascht
Qualifikantin Tatjana Malek ist überraschend als zweite deutsche Spielerin nach Kerber in die zweite Runde eingezogen.
Die 25-Jährige aus Bad Saulgau besiegte Akgul Amanmuradova (Usbekistan) mit 4:6, 6:2, 6:4.
In der nächsten Runde trifft die Weltranglisten-141. Malek auf Lokalmatadorin Sloane Stephens (USA), die die frühere French-Open-Siegerin Francesca Schiavone aus Italien mit 6:3, 6:4 bezwang.
Malek hatte zuletzt in Wimbledon 2010 im Hauptfeld eines Major-Tournaments gestanden. Über die zweite Runde war die einstige Fed-Cup-Spielerin bei einem Grand-Slam-Turnier noch nie hinausgekommen.
Irres Comeback von Petzschner
Philipp Petzschner indes behielt bei 31 Grad Celsius kühlen Kopf und drehte einen 0:2-Satzrückstand noch zu seinen Gunsten. ( DATENCENTER: Alle Ergebnisse der US Open)
Der Bayreuther besiegte Nicolas Mahut (Frankreich) in 3:31 Stunden mit 1:6, 4:6, 6:4, 7:5, 7:6 (7:3) und trifft in der nächsten Runde auf Nicolas Almagro aus Spanien.
Von den 16 gestarteten deutschen Profis waren bis Dienstagmittag Ortszeit fünf ausgeschieden, während vier den Sprung in die zweite Runde geschafft hatten.
Auch Barthel raus
Als vierte deutsche Fed-Cup-Spielerin war vor dem Kerber-Spaziergang am Dienstag bereits Mona Barthel ausgeschieden. (DIASHOW: Die erste Woche der US Open)
Die Weltranglisten-35. aus Bad Segeberg musste sich nach einem Marathonmatch über 2:45 Stunden Bojana Jovanovski (Serbien) mit 6: 4, 5:7, 2:6 beugen und kassierte die dritte Grand-Slam-Auftaktpleite in Serie.
Haas steigt ein
Am Mittwoch müssen nun auch die letzten vier deutschen Erstrunden-Mohikaner ihre Auftaktmatches bestreiten. ( BERICHT: Petkos Tränenbeichte: "Egoistisch und selbstsüchtig")
Unter anderem trifft Halle-Sieger Tommy Haas auf Ernests Gulbis (Lettland). Neben Kerber haben sich bislang auch Daniels Brands und Björn Phau für die zweite Runde qualifiziert.
Zurück am Ort des Märchens
Große Hoffnungsträgerin nach dem schwarzen Montag des Fed-Cup-Trios ist aber Kerber, die die Auswirkungen ihres märchenhaften Aufstiegs in diesen Tagen täglich vor Augen geführt bekommt.
Im vergangenen August war die Kielerin ohne Selbstvertrauen und als Nummer 92 des Rankings in den Big Apple gereist.
Kerber genießt Popularität
Inzwischen hat Wimbledon-Halbfinalistin Kerber in der Bestenliste nur noch fünf Spielerinnen vor sich.
"Wenn ich jetzt zu den Trainingsplätzen gehe, rufen die Fans meinen Namen, und ich werde um Autogramme gebeten. Auch in der Stadt wurde ich schon erkannt", berichtete die Linkshänderin.
Und die neue Popularität genießt sie ebenso wie die Erinnerung: "New York 2011, da hat es bei mir klick gemacht."
Neuer Komfort
Die neuen Privilegien, die ihr als Topspielerin zustehen, machen vieles einfacher.
Kerber darf einen Limousinen-Service in Anspruch nehmen, wenn sie täglich mit ihrer Combo, zu der diesmal auch ihre aus Polen angereiste Oma zählt, zur Anlage in den Stadtteil Queens fährt.
Heute Limousine, früher Bus
Vor exakt zwölf Monaten musste "Angie" als eine von vielen noch den Bus nehmen.
Der verkehrt nur alle 30 Minuten zwischen Manhattan und dem Corona Park - und transportiert unter anderem auch Journalisten.
Und Kerber darf als Mitfavoritin auf den Titel auch auf dem großen Grandstand trainieren, beschützt von Sicherheitsbeamten.
Kerber spürt gewachsenen Druck
Nach zwei Turniersiegen in dieser Saison sowie acht Erfolgen gegen Top-Ten-Spielerinnen spürt Kerber gerade bei den US Open den gewachsenen Druck.
"Als ich erste Erfolge hatte, war bei den Leuten noch Skepsis da. Mittlerweile erwarten sie die guten Ergebnisse", meinte die Nagellack-Fanatikerin.
In Flushing Meadows träumt sie vom großen Coup: "Mir ist es wichtiger, einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen, als die Nummer zu werden."
Bollettieri glaubt nicht an Kerber
Allerdings glaubt Trainer-Guru Nick Bollettieri diesmal noch nicht an einen Kerber-Triumph.
"Sie ist noch nicht so lange da oben dabei. Und das könnte in engen Matches gegen starke Gegnerinnen und auf großer Bühne den Ausschlag geben. Aber irgendwann kann Angie das schaffen", sagte Bollettieri.
Nowitzki-Treffen verpasst
Alles gelingt aber auch Kerber nicht. In Dallas verpasste sie unlängst Basketballstar Dirk Nowitzki.
Als der Mavericks-Profi auf der Anlage eintraf, war die Kielerin bereits auf dem Weg nach New York. Zurück zur Endstation Sehnsucht.