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Angelique Kerber hat in 2012 zwei Turniere gewonnen und zwei weitere Finals erreicht © getty

Nach dem Achtelfinal-Aus tröstet sich "Angie" bei Tiffany und verlässt New York erhobenen Hauptes. Ihr Blick geht gen Istanbul.

New York - Der Trostpreis wartete in der Fifth Avenue auf Angelique Kerber.

Während die US Open (täglich im LIVE-TICKER) auf die Zielgerade gingen, machte die Kielerin an ihrem ersten Tag als New-York-Touristin bei Tiffany und Co. Station.

Die Stippvisite beim Edeljuwelier diente als Frust-Bewältigung nach dem Achtelfinal-Aus (Bericht), aber irgendwie auch als Belohnung für eine trotz allem traumhafte Saison.

Zwiespältige Gefühle also für Vorjahres-Halbfinalistin Kerber, die an der Stätte ihrer sportlichen Geburt den grandiosen Erfolg von 2011 nicht wiederholen konnte (608103DIASHOW: Die Bilder der zweiten Woche).

"Werde noch Chancen bekommen"

"Natürlich bin ich enttäuscht, denn ich hatte meine Chancen. Andererseits bin auf einem guten Weg und werde nicht mit hängendem Kopf nach Hause fliegen", sagte die 24-jährige Kerber nach dem 6:7 (5:7), 3:6 gegen French-Open-Finalistin Sara Errani (Italien/Nr. 10).

Und sie fügte voller Zuversicht, aber auch ein wenig trotzig an: "Ich denke, dass ich noch ein paar Chancen bekommen werde in Zukunft."

Ziel bleibt der Gewinn eines Grand-Slam-Turniers, "das wäre mir wichtiger, als in der Weltrangliste ganz vorne zu stehen."

Hoffnungen waren groß

Insgeheim aber wird sich die deutsche Nummer eins ein wenig mehr versprochen haben vom letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres.

Ihre Halbfinal-Teilnahme in Wimbledon, dazu die Turniersiege in Kopenhagen und Paris sowie jüngst der Sprung ins Endspiel beim US-Open-Test in Cincinnati hatten die Hoffnungen auf einen Kerber-Coup im Big Apple genährt.

Viele Experten hatten die mit 56 Siegen in diesem Jahr erfolgreichste Spielerin in punkto Turniersieg auf der Rechnung.

"Kerber war zu passiv"

Gegen die allerdings bärenstarke aufspielende Errani stieß Kerber zumindest an diesem Tag im Louis-Armstrong-Stadium an ihre Grenzen.

"Im ersten Satz fehlte nicht viel, aber bei der Intensität des Matches war dieser entscheidend", sagte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner mit Blick auf den 71-minütigen Auftaktdurchgang.

Kerber schaffte es gegen die zähe Errani vor allen Dingen nicht, in den entscheidenden Momenten Druck zu entwickeln.

Und wenn doch, dann machte sie Fehler (DATENCENTER: Alle Ergebnisse der US Open).

Während Errani 82 Prozent ihrer Netzattacken erfolgreich abschloss, erreichte die Linkshänderin nur eine Quote von 42 Prozent.

"Kerber war zu passiv. Errani dagegen hat sich den Sieg verdient, weil sie die aggressivere war", sagte Martina Navratilova.

Bollettieri: "Kerber nicht reif"

Trainerguru Nick Bollettieri hatte prophezeit, dass es zumindest in diesem Jahr im Corona Park nichts werden würde mit dem ganz großen "Angie"-Triumph.

"Angelique ist derzeit noch nicht reif für einen Grand-Slam-Sieg, weil sie noch nicht solange da oben dabei ist. Sie muss erste ihre Erfahrungen sammeln. Aber sie hat großes Potenzial und das Zeug, es irgendwann zu schaffen", sagte Bollettieri.

Kämpferherz bleibt

Kerber bewies in der Stunde der Niederlage aber auch ihren Realitätssinn.

Binnen eines Jahres ist die Kielerin von Platz 92 auf Rang sechs der Weltrangliste emporgeschossen und hat sich nach dem märchenhaften Aufstieg längst im elitären Top-10-Zirkel etabliert.

"Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, wie sich die Dinge entwickeln, hätte ich ihm das nicht geglaubt. Ich kann stolz auf mich sein", sagte die in den USA als "Körbör" geschätzte Fed-Cup-Spielerin.

Dass ihr das Ausscheiden einen Knacks geben könnte, glaubt sie nicht: "Mein Kämpferherz habe ich immer noch."

Highlight in Istanbul

Nach dem Rückflug in die Heimat am Mittwoch und ein paar erholsamen Tagen in Kiel wird sich Kerber auf die Asien-Tour mit dem Premier-Turnieren in Tokio (ab 23. September) und Peking (ab 29. September) vorbereiten.

Trotz des Achtelfinal-K.o. von New York hat sie beste Chancen, sich für das mit 4,9 Millionen Dollar dotierte Finale der besten acht Spielerinnen in Istanbul (ab 23. Oktober) zu qualifizieren., denn auf die achtplatzierte Na Li hat Kerber derzeit knapp 1300 Punkte Vorsprung.

"Das wäre ein Highlight", sagte Kerber.

Apropos Highlight: Der seit langem geplante Abstecher zu Tiffany könnte auch ein gutes Omen für Flushing Meadows 2013 sein, denn der Edel-Juwelier ist Jahr für Jahr dafür zuständig, die Namen der US-Open-Sieger in die Pokale einzugravieren.

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