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Roger Federer verlor im 16. Match gegen Tomas Berdych erst zum fünften Mal © getty

Nach dem Aus bei den US Open sucht der Schweizer vergeblich nach Erklärungen. Murray zeigt Kampfgeist.

New York - Nachdem Roger Federer seinen Nimbus als König der Nacht eingebüßt hatte, zog er sein dunkles Basecap tief ins Gesicht.

Einblicke in sein Innerstes gewährte der Grand-Slam-Rekordsieger nach seinem überraschenden Viertelfinal-Aus bei den US Open (täglich im LIVE-TICKER) trotzdem.

"Das war ein Rückschlag und ein sehr enttäuschendes Match für mich. Ich habe wirklich von mir erwartet, dass ich besser spiele. Ich hätte niemals den ersten Satz verlieren dürfen", sagte der topgesetzte Federer nach dem 6:7 (1:7), 4:6, 6:3, 3:6 gegen Tomas Berdych (Tschechien/Nr. 6).

Selbst die wie immer in New York in seiner Box sitzende Vogue-Chefin Anna Wintour taugte Federer diesmal nicht als Glücksbringerin (605470DIASHOW: Die zweite Woche der US Open).

Keine Erklärung von Federer

Schon wenige Minuten nach seinem frühsten Ausscheiden in Flushings Meadows seit neun Jahren und dem geplatzten Traum vom sechsten Rekordtitel im Big Apple stellte sich der Wimbledonsieger der Weltpresse.

Eine Erklärung für seine unglaubliche Quote von 40 unerzwungenen Fehlern und fünf Breaks gegen ihn hatte Federer um kurz vor Mitternacht nicht.

Federer, der Publikumsliebling

Im Gegenteil. Der 31-Jährige war sich an diesem lauen und denkwürdigen Sommerabend im Corona Park selbst wohl das größte Rätsel. Dabei war die Bühne bereitet für eine weitere Federer-Show.

Seine Bühne - mit Flutlicht und dieser elektrisierenden Atmosphäre im größten Tennis-Stadion der Welt. Und diesen Fans, die ihren immer so smart daherkommenden Maestro aus der Schweiz lieben.

"EIn unglaublicher Sommer"

Bis dato hatte Federer alle seine 23 Night-Session-Partien bei den US Open gewonnen. Diesmal aber verlor "Mister 100 Prozent" vor 23.345 Zuschauern seine Magie.

"Oje, das tut weh", titelte die Schweizer Zeitung Blick.

Federer suchte nach Antworten: "Ich habe mich gut gefühlt, denn ich hatte einen unglaublichen Sommer", meinte der Olympia-Zweite, der die Abwesenheit seines spanischen Dauerrivalen Rafael Nadal (Knieprobleme) für einen weiteren Meilenstein nutzen wollte.

FedEx verpasst Bestmarke

Sechs Titel in Flushing Meadows gewann bislang noch niemand.

Es wäre zum Ende der Grand-Slam-Saison das Sahnehäubchen auf einem Jahr mit dem siebten Wimbledontriumph und der Rückkehr an die Weltranglisten-Spitze gewesen, die Federer trotz der Niederlage behält (DATENCENTER: Ergebnisse der Herren).

Berdych selbstbewusst

Doch der wie ein Schweizer Uhrwerk aufspielende Berdych nutzte die ungewohnten Schwächen von "King Roger" an diesem Abend schnungslos aus.

"Da ist etwas in meinem Spiel, was er nicht mag. Ich kann ihn damit in Schwierigkeiten bringen, selbst wenn er gut drauf ist", meinte der Weltranglistensiebte Berdych, dessen Fehler von den geschockten Zuschauern am Ende sogar beklatscht wurden.

Halbfinal-Serie gerissen

Federers Ehefrau Mirka hatte schon im zweiten Satz Böses geahnt, als sie immer wieder die Hände vors Gesicht schlug.

Dass passenderweise Rihanna bei den Seitenwechseln von einem "hoffnungslosen Ort" sang, wird der Turnierfavorit wahrscheinlich gar nicht registriert haben.

Das entscheidende Break kassiert Federer zum 3:5 im vierten Satz, nachdem er im dritten Durchgang einen 1:3-Rückstand noch einmal wettgemacht und wieder Lunte gerochen hatte. Das Momentum nutzte er aber nicht.

Es ist das erste Mal nach 33 Grand-Slam-Turnieren, dass weder Federer noch Nadal im Halbfinale eines Majors stehen.

Murray zeigt Kampfgeist

Berdych trifft im zweiten Grand-Slam-Halbfinale seiner Karriere am Samstag auf Olympiasieger Andy Murray.

Der Weltranglistenvierte aus Schottland hatte sich mit 3:6, 7:6 (7:4), 6:2, 6:0 gegen Marin Cilic (Kroatien) durchgesetzt, nachdem er im zweiten Satz bereits mit 1:5 zurückgelegen hatte.

Am Donnerstag stehen die restlichen Viertelfinals zwischen Titelverteidiger Novak Djokovic (Serbien/Nr. 2) und Juan Martin del Potro (Argentinien/Nr. 7) sowie David Ferrer (Spanien/Nr. 4) und Janko Tipsarevic (Serbien/Nr. 8) auf dem Programm.

Williams fertigt Ivanovic ab

Bei den Frauen fertigte Turnierfavoritin und Olympiasiegerin Serena Williams (USA) im Viertelfinale die einstige Nummer eins Ana Ivanovic aus Serbien mit 6:1, 6:3 ab (DATENCENTER: Ergebnisse der Damen).

Williams trifft in der Runde der letzten Vier am Freitag auf die Italienerin Sara Errani. In der anderen Vorschlussrundenpartie stehen sich die topgesetzte Viktoria Asarenka aus Weißrussland und Maria Scharapowa aus Russland gegenüber.

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