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Philipp Kohlschreiber steht derzeit auf Platz 20 der ATP-Weltrangliste © getty

Nach dem US-Open-Aus zeigt sich Kohli im Zwist mit Kühnen unversöhnlich. Boris Becker liebäugelt mit der Schlichterrolle.

New York - Mit seiner Achtelfinal-Niederlage verabschiedete sich Philipp Kohlschreiber von den US Open (täglich im LIVE-TICKER) - und ließ im Big Apple einen besorgten Boris Becker zurück.

Nach dem Davis-Cup-Zoff (Bericht) appellierte der dreimalige Wimbledonsieger an die Streitparteien und könnte sich eine Rolle als Vermittler vorstellen (608103DIASHOW: Die zweite Woche der US Open).

"Das ist eine traurige Geschichte. Vielleicht sollten sich beide Seiten im Oktober mit ein bisschen Abstand auf ein Bier treffen und alles in Ruhe besprechen", sagte Becker in New York und brach trotz seiner Kritik an Olympia-Verweigerer Kohlschreiber eine Lanze für den Augsburger: "Philipp ist ein absoluter Weltklassespieler geworden. Wir brauchen ihn."

Becker als Schlichter?

Becker hofft, dass in der Krise nun Karl-Georg Altenburg ein Machtwort spricht.

Falls der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB) ihn als Schlichter auswählen würde, wäre der 44-Jährige gesprächsbereit.

"Dann", sagte Becker, "würde ich es mir überlegen." Wer den ewigen Leimener kennt, der weiß, dass er diese Bitte kaum abschlagen würde.

Altenburg stützt Kühnen

Altenburg wollte sich zu dem indirekten Angebot am Donnerstag nicht konkret äußern, stärkte dafür aber Teamkapitän Patrik Kühnen den Rücken: Das Präsidium des DTB stehe "voll und ganz" hinter der Nominierung.

Kühnen habe es sich mit seiner Entscheidung "alles andere als leicht" gemacht. "Wir haben nun ein Team, das alles geben wird, um für Deutschland zu gewinnen und das hierfür alle Unterstützung braucht", sagte Altenburg.

Grenzen erreicht

Trotz der Ausbootung von Kohlschreiber durch Teamchef Patrik Kühnen für das Relegationsspiel gegen Australien in Hamburg (14. bis 16. September) glaubt Becker an eine mögliche gemeinsame Zukunft der Streithähne im Davis-Cup-Team.

Beide hätten sich "bis an ihre Grenze" gereizt und wüssten jetzt, "wie weit" sie gehen könnten.

DTB-Team ins Finale?

Der Kosmopolit, der derzeit bei den US Open als TV-Moderator im Einsatz ist, hat den Glauben an eine erfolgreiche Zukunft des Kühnen-Quartetts noch nicht verloren.

"Wir haben einen guten Kapitän und eine Top-Mannschaft, wenn alle an einem Strang ziehen. Irgendwann müsste auch einmal wieder ein Finale drin sein", meinte "Mister Davis-Cup" und forderte: "Es muss jetzt ein Ruck durchs deutsche Tennis gehen."

Becker hat zweimal den bedeutendsten Tennis-Mannschaftstitel gewonnen und dabei eine grandiose Einzelbilanz von 38:3-Siegen erzielt.

"Alles, was ich sage, ist Gift"

Kohlschreiber indes will sich nach seinem Achtelfinal-Aus von Flushing Meadows gegen den Serben Janko Tipsarevic (3:6, 6:7, 2:6) erstmal nicht mehr mit dem Davis Cup beschäftigen (DATENCENTER: Ergebnisse der Herren).

Nur soviel: Die Frage nach den Chancen für eine gemeinsame Zukunft mit Kühnen als Teamchef ließ er offen.

"Solche Sachen beantworte ich, wenn es an der Zeit ist. Alles, was ich sage, ist Gift", erklärte "Kohli".

Ein wenig aber wunderte sich der Wimbledon-Viertelfinalist doch über Kühnen. Dieser hatte die Nicht-Nominierung der deutschen Nummer eins unter anderem mit einem Vorfall in New York begründet.

Kohlschreiber lehnt Aussprache ab

Nachdem nach einem klärenden Gespräch der beiden über den Zwist beim Erstrundenspiel gegen Argentinien (1:4) im Februar erneut Irritationen entstanden waren, lehnte Kohlschreiber eine zweite Aussprache mit dem Teamchef während der US Open ab.

"Mir daraus jetzt einen Strick zu drehen, ich weiß nicht...", sagte der München-Sieger und zuckte mit den Schultern.

Keine Glückwünsche?

Er habe einfach nach seinem Fünfsatzsieg in der dritten Runde gegen John Isner (USA) seine Ruhe haben wollen. Ob er Kontakt zu seinen Kollegen aufnehmen werde, um Glück für das schwierige Relegationsspiel zu wünschen, wusste Kohlschreiber nach seinem US-Open-K.o. noch nicht.

"Man wird sehen", sagte der 28-Jährige und verabschiedete sich nach zwei ereignisreichen Wochen aus der Stadt, die niemals schläft.

Boris Becker blieb besorgt zurück.

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