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Novak Djokovic (l.) gewann sechs der acht Duelle mit Juan Martin del Potro © getty

Der Titelverteidger setzt sich im Viertelfinale gegen del Potro durch. Doch der Argentinier lässt sich wie ein Rockstar feiern.

New York - Novak Djokovic gewann - aber Juan Martin del Potro war der Sieger der Herzen.

Als das Viertelfinal-Aus des Argentiniers gegen den Titelverteidiger aus Serbien bei den US Open (täglich im LIVE-TICKER) fast schon besiegelt war, suchte sich del Potro einfach seine eigene Bühne.

Nach einem grandiosen Rückhandpassierschlag sprang der 1,98-m-Hüne auf die Bande am Rande des Courts, riss die Arme in den New Yorker Nachthimmel und ließ sich von den 23.733 Zuschauern wie ein Rockstar nach der Zugabe feiern.

Djokovic verwandelt 1. Matchball

Diese emotionale Seite kannte man vom ansonsten immer recht lethargisch daherkommenden "Delpo" eher nicht. Genützt hat es nichts.

Wenig später verwandelte der an diesem lauen Sommerabend eiskalt agierende Djokovic seinen ersten Matchball zum 6:2, 7:6 (7:3), 6:4 (Bericht) und zog souveräner als erwartet ins Halbfinale ein, in dem am Samstag David Ferrer wartet.

Berdych fordert Murray

Der an Position vier gesetzte Spanier hatte zuvor in einer hochspannenden Partie über 4:31 Stunden den Stuttgart-Gewinner Janko Tipsarevic (Serbien/Nr. 8) mit 6:3, 6:7 (5:7), 2:6, 6:3, 7:6 (7:4) niedergerungen.

Der 30-jährige Ferrer lag im entscheidenden Satz bereits mit 1:4 in Rückstand, verwandelte dann aber gleich seinen ersten Matchball.

Im zweiten Semifinale stehen sich Olympiasieger Andy Murray (Großbritannien) und der Tscheche Tomas Berdych gegenüber, der am Mittwoch überraschend den Grand-Slam-Rekordgewinner Roger Federer aus der Schweiz ausgeschaltet hatte (Bericht).

Del Potro glaubt an Djokovic-Sieg

Djokovic indes ließ nach einem Match mit einigen spektakulären Ballwechseln einen traurigen, aber fairen Publikumsliebling del Potro zurück.

"Ich versuche immer, um jeden Punkt zu kämpfen. Aber wenn auf der anderen Seite ein Krieger steht, wird es schwer", sagte 23-Jährige, der an gleicher Stätte vor drei Jahren die US Open gewonnen hatte, ehe ihn eine Handgelenks-OP fast die gesamte Saison 2010 kostete.

Del Potro glaubt, dass Djokovic auf dem Weg zur Titelverteidigung nicht zu stoppen sein wird: "Novak ist der Favorit. Er spielt fantastisch und ist physisch sehr stark."

"Es hat Spaß gemacht"

In den entscheidenden Phasen zeigte sich Djokovic, der nur drei Breakchancen zuließ (Del Potro 13), auch mental auf der Höhe (608103DIASHOW: Die zweite Woche der US Open).

Den 84 Minuten dauernden zweiten Durchgang gewann der Weltranglistenzweite im Tiebreak, nachdem er zuvor beim Stand von 6:5 in einem 17-minütigen Spiel drei Satzbälle nicht nutzen konnte.

"Der zweite Satz war der Knackpunkt. Aber es war enger, als das Ergebnis vermuten lässt", sagte der Djoker, "es hat Spaß gemacht, Teil diesen großen Matches gewesen zu sein."

Ferrer gewinnt "Lotteriespiel"

Wenige Stunden zuvor war Ferrer seinem Ruf als Kämpfernatur gerecht geworden.

"Der fünfte Satz war ein Lotteriespiel, aber ich habe einfach immer weiter gekämpft. Ich kann das gar nicht richtig erklären, das war einfach Wahnsinn", sagte der Weltranglistenfünfte, der sich wie gewohnt fair zeigte: "Janko hätte den Sieg ebenso verdient gehabt."

Ferrer hatte in dieser Grand-Slam-Saison bereits im Halbfinale der French Open gestanden und bei den Australian Open beziehungsweise in Wimbledon jeweils das Viertelfinale erreicht (DATENCENTER: Ergebnisse der Herren).

Fünf Turniersiege schlagen für den spanischen Davis-Cup-Spieler und Nadal-Kumpel 2012 bereits zu Buche.

Tipsarevic gehandicapt

Tipsarevic, der im Achtelfinale den Augsburger Philipp Kohlschreiber als letzten Deutschen ausgeschaltet hatte, verpasste indes trotz einer bärenstarken Vorstellung im Arthur-Ashe-Stadium den Einzug in sein erstes Major-Halbfinale.

Der 28-jährige, der vom Bad Homburger Dirk Hordorff betreut wird, hatte am Ende des entscheidenden Satzes muskuläre Probleme und ließ beim Stand von 4:4 einen Physiotherapeuten kommen.

Bei einer eigenen 4:1-Führung war Tipsarevic ausgerutscht und auf die Hüfte gefallen.

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