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Umarmung der Giganten: Rafael Nadal tröstet Roger Federer © getty

Der unermüdliche Spanier kämpft "King Roger" in fünf Sätzen nieder. Der vergießt daraufhin bittere Tränen der Enttäuschung.

Melbourne - Dem großen Sport folgten die großen Emotionen.

Überwältigt vom Zuspruch der Fans und der Enttäuschung über den geplatzten Traum kamen Roger Federer nach dem Finale der Australian Open in Melbourne die Tränen.

Nach einem streckenweise hochklassigen Fünf-Satz-Krimi hatte der Schweizer mit 5:7, 6:3, 6:7 (3:7), 6:3, 2:6 gegen den Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal verloren. (Ergebnisse aus Melbourne)

"Natürlich bin ich tief enttäuscht", sagte Federer, "dieses Spiel musste ich nicht verlieren."

"Mann, du verdienst den Sieg"

Unbedingt wollte Federer in Australien seinen 14. Grand-Slam-Titel holen und damit den Rekord von Pete Sampras einstellen.

Doch obwohl Nadal noch das über fünfstündige Halbfinale gegen seinen Landsmann Fernando Verdasco (Nadal siegt im Matador-Thriller) in den Knochen steckte und das Endspiel nun auch 4:23 Stunden dauerte, war der Mallorquiner am Ende der bessere Mann.

"Rafa, du hast unglaublich gespielt. Mann, du verdienst den Sieg", brachte Federer im zweiten Versuch bei der Siegerehrung noch stockend heraus und gewann damit noch mehr Sympathien als ihm ohnehin schon gehören.

Erster Triumph auf Hartplatz

Der sportliche Triumph aber gehört dem 22 Jahre alten Spanier, der seine derzeitige Dominanz im Welttennis eindrucksvoll bestätigte.

Nadal gewann nun auch seinen ersten Grand-Slam-Titel auf einem Hartplatz, was bisher die Domäne von Federer war. Nach den French Open und Wimbledon entschied er drei der letzten vier Grand-Slam-Turniere für sich und siegte auch bei den Olympischen Spielen in Peking.

Nadal scheint sich immer weiter von Federer zu entfernen, der die letzten fünf Treffen verloren hat.

Breakchancen ungenutzt

Vor insgesamt 23.000 Zuschauern auf der Anlage, davon 15.000 in der ausverkauften Arena, war der Spanier vor allem der effektivere Spieler.

Er erlaubte Federer so gut wie keine einfachen Punkte, erlief wie so oft "unmöglich" erscheinende Bälle und schaffte es immer wieder, in kritischen Situationen doch noch das bessere Ende für sich zu behalten.

So konnte der Baseler im neunten und im elften Spiel des dritten Satzes insgesamt sechs Breakpunkte nicht nutzen.

"Ich habe zu viele Chancen ausgelassen, das kam mich teuer zu stehen", sagte Federer.

"Nicht gut aufgeschlagen"

Er kämpfte verzweifelt um seinen Traum (Federer im Finale - Tuchfühlung zu Lendl), doch Nadal hatte oft die bessere Antwort auf die Angriffe des Schweizers parat. Kein Spieler ist in der Lage, so schnell von Defensive auf Offensive umzuschalten wie der 22-Jährige.

Federer musste deshalb großes Risiko gehen, um zu seinen Punkten zu kommen, entsprechend war auch seine Fehlerquote höher.

"Ich habe leider nicht gut aufgeschlagen", sagte er, "das ist gegen Rafa aber nötig."

"Roger, es tut mir leid"

"Roger, es tut mir leid, ich weiß, wie du dich fühlst", erklärte Nadal, nachdem er Federer mit der silbernen Norman Brookes Challenge Cup im Arm herzlich getröstet hatte.

"Du bist einer der größten Spieler aller Zeiten, und du wirst mit Sicherheit deinen 14. Titel holen."

Rod Laver persönlich hatte Nadal den Pokal in die Hand gedrückt, der Spieler, der zuletzt vor 40 Jahren den "echten" Grand Slam gewann, nämlich die vier Turniere in Australien, Paris, Wimbledon und New York in einem Kalenderjahr.

Nadal scheint diesem großen Ziel nun näher zu sein als Federer. Seine Chancen, in New York zu gewinnen, sind jedenfalls größer als die von Federer in Paris.

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