vergrößern verkleinern
Angelique Kerber steht aktuell auf Rang neun der WTA-Weltrangliste © getty

Die Kielerin entdeckt auf dem Weg ins Achtelfinale der US Open ihre alte Liebe wieder. Mayer will die "Sensation" gegen Murray.

New York - Wenn Angelique Kerber in New York ist, dann spürt sie diese besondere Magie. Es ist ein Gefühl, das bei der deutschen Nummer eins positive Energie freisetzt.

Wenn dagegen Florian Mayer bei den US Open im "Big Apple" (täglich im LIVE-TICKER) weilt, dann verfolgt ihn dieses gewisse Unbehagen auf Schritt und Tritt. Die amerikanische Mentalität, die Klimaanlagen, das Essen - alles das ist nicht so recht nach dem Geschmack des Bayreuthers.

Die konträren Grundstimmungen des ungleichen Duos führten in Flushing Meadows aber bislang zum Erfolg.

Während die an Position acht gesetzte Kerber durch ein souveränes 6:0, 6:4 gegen Kaia Kanepi (Estland/Nr. 25) als erster deutscher Profi ins Achtelfinale einzog, gewann Mayer mit 7:5, 6:3, 6:4 gegen den Qualifikanten Donald Young (USA).

Kerber wieder in der Spur

Der 29-Jährige folgte seinen Davis-Cup-Kollegen Tommy Haas (Los Angeles/Nr. 12) und Philipp Kohlschreiber (Augsburg/Nr. 22) in die dritte Runde. Dagegen scheiterte Qualifikant Peter Gojowczyk (München) trotz toller Aufholjagd mit 3:6, 4:6, 6:3, 6:4, 3:6 an Jewgeni Donskoi aus Russland.

Damit sind beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres noch vier von ursprünglich 16 gestarteten deutschen Profis dabei.

Bei Kerber scheint in diesen Tagen die Kombination aus neuer Strategie und der alten Liebe zu New York bestens zu fruchten. "Ich habe ein paar Wochen gekämpft. Aber jetzt habe ich mein Tennis wiedergefunden", sagte die US-Open-Halbfinalistin von 2011. (DATENCENTER: Die Ergebnisse der Damen)

Nicht zuletzt, weil sie sich nach dem überraschenden Zweitrunden-Aus in Wimbledon (gegen Kanepi) und einer bis dato sehr durchwachsenen Saison zum Umdenken gezwungen hatte.

Spaß ist zurück

Und das offenbar mit Erfolg. "Ich mache mir nicht mehr den Druck wie noch zu Beginn des Jahres", erklärte Kerber. Auf dem Platz verfährt die 25-Jährige seit ein paar Wochen wieder nach dem Motto: "Spaß haben und Leidenschaft zeigen."

Es sind die Dinge, die die Kielerin erst in die Weltspitze geführt haben.

Nach dem Erfolgsjahr 2012 mit dem Sprung in die Top 5 des Rankings hatte sich Kerber die Messlatte selbst zu hoch gelegt. "Man geht da raus und denkt, man muss da jetzt gewinnen", beschreibt die Weltranglisten-Neunte die entstandene Erwartungshaltung.

"Angie ist wieder positiver"

Erschwerend kam hinzu, dass "Angie" ein wenig zum Pessimismus neigt. "Sie ist eher eine, die zweifelt und sich hinterfragt", meinte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner, die aber nach der Kerber-Gala gegen Kanepi erleichtert feststellte: "Angie ist wieder positiver und spielt offensiver."

Auch im Achtelfinale am Sonntag gegen die Spanierin Carla Suarez Navarro ist Kerber Favoritin.

Mayer heiß auf Murray

Mayer indes fühlt sich in seinem Drittrundenspiel gegen Titelverteidiger Andy Murray (Großbritannien/Nr. 3) als "krasser Außenseiter". Was nicht heißt, dass die Nummer 47 des Rankings das Match schon abgeschrieben hat.

"Man darf nie den Glauben verlieren. Es ist eine kleine Sensation möglich, wenn alles gut läuft", sagte Mayer. (DATENCENTER: Die Ergebnisse der Herren)

Dabei setzt "Flo" auf eine Portion Trotz, denn in den USA fühlt er sich seit jeher alles andere als wohl. Nach dem Aus in Cincinnati und vor den US Open flog Mayer sogar noch eine knappe Woche nach Hause.

Hewitt siegt im Marathon

Ob ihn der fehlende Wohlfühl-Faktor nicht lähme? "Nein", erwidert Mayer glaubhaft: "Es ist eher eine Extra-Motivation, dass ich es trotzdem schaffe." Wimbledonsieger Murray jedenfalls hat Respekt vor ihm: "Er ist ein starker Spieler."

Für Aufsehen sorgte indes der 32-jährige Lleyton Hewitt. Der australische US-Open-Sieger von 2001 feierte gegen den Argentinier Juan Martin del Potro einen umjubelten Fünfsatzsieg (4:6, 7:5, 3:6, 7:6, 6:1).

Da das Match der beiden ehemligen Turniergewinner 4:03 Stunden dauerte, durfte Titelverteidigerin Serena Williams in der Night Session erst um 23.50 Uhr ran.

Die topgesetzte Amerikanerin zog durch ein 6:3, 6:1 gegen Jaroslawa Schwedowa (Kasachastan) ins Achtelfinale ein, wo sie in einem Generationenduell auf ihre Landsfrau Sloane Stephens trifft.