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Kohlschreiber scheiterte als letzter Deutscher bei den diesjährigen US Open © imago

Kohlschreiber rackert gegen Nadal, kann aber das Aus nicht verhindern. Der Spanier lobt ihn und ärgert sich über Schweiß.

New York - Sogar Rafael Nadal zog nach einer schweißtreibenden Nachtschicht im Achtelfinale der US Open (täglich im LIVE-TICKER) seinen Hut vor Philipp Kohlschreiber. Dem 29-jährigen Augsburger waren die gut gemeinten Worte des derzeit wohl weltbesten Tennisspielers allerdings fast schon ein wenig unangenehm.

"Rafael lobt doch jeden Gegner. Und am Netz hatte ich gar kein Ohr für das, was er zu mir gesagt hat", berichtete Kohlschreiber nach seiner 7:6 (7:4), 4:6, 3: 6, 1:6-Niederlage gegen den spanischen Turnierfavoriten (DATENCENTER: Die Ergebnisse der Herren).

Großartiger Gegner in Night-Session

Dieser hatte nach seinem Erfolg im größten Tennis-Stadion der Welt lobende Worte für alle hörbar ins Mikrofon gesprochen: "Ich hatte heute einen großartigen Gegner. Ich musste hart kämpfen, um ins Spiel zurückzufinden", sagte French-Open-Sieger Nadal nach dem 3:12 Stunden langen Night-Session-Match vor rund 20.000 Zuschauern und fügte an: "Ich habe zu viel geschwitzt." Was allerdings auch an den schwülwarmen Witterungsbedingungen lag.

Abenteuer Center Court

In den klimatisierten Katakomben des Arthur-Ashe-Stadions war Kohlschreiber, der in Flushing Meadows als letzter deutscher Profi ausschied, hin- und hergerissen vom Abenteuer Center Court. "Vielleicht habe ich heute den einen oder anderen Fan dazugewonnen. Es war extrem toll, auf so einem Platz zu spielen. Es ist aber noch schöner, wenn man dann auch gewinnt", sagte der Weltranglisten-25.

Im ersten Durchgang wehrte Kohlschreiber beim Stand von 5:6 drei Satzbälle ab und ging selbst in Führung. "Schade, dass er dann so viel besser wurde. Am Schluss war er zwei Klassen besser", gab der Davis-Cup-Spieler nach seiner zweiten Achtelfinal-Niederlage nacheinander in Flushing Meadows zu.

Während "Kohli" immer mehr in Bedrängnis geriet, spielte Nadal seine Bälle "mit einem Tick weniger Risiko effektiver", analysierte der Deutsche, der zwölf Asse schlug.

Kohlschreiber auf gutem Weg

Für das nächste Duell mit Nadal hat Kohlschreiber, der den Spanier 2012 bei den Gerry Weber Open in Halle/Westfalen besiegt hatte, bereits eine neue Zielsetzung: "Gegen ihn sollte es der Anspruch sein, das Ganze noch ausgeglichener zu gestalten." Obwohl ihm die erste titellose Saison seit drei Jahren droht, wähnt sich der München-Sieger von 2012 auf einem guten Weg. Kohlschreibers nächstes Ziel ist die Rückkehr in die Top 20.

Zunächst aber steht das Davis-Cup-Spiel um den Klassenerhalt in der Weltgruppe gegen Brasilien in Ulm (13. bis 15. September) an. Dort ist Kohlschreiber in Abwesenheit von Tommy Haas als deutsche Nummer eins der große Hoffnungsträger.

Alter setzt sich bei US Open durch

Die US Open scheinen derweil in diesem Jahr zum "Ü30"-Festival zu werden. Bei den Frauen sind fünf der acht Viertelfinalistinnen 30 Jahre oder älter. Bei den Männern stehen nach den ersten vier ausgespielten Achtelfinals immerhin schon zwei 31-Jährige in der Runde der letzten Acht. "30 ist das neue 20", meinte unlängst Serena Williams, die mit knapp 32 Jahren zur ältesten US-Open-Siegerin überhaupt werden könnte.

Spanische Dominanz bei den Herren

Bei den Männern stehen derweil erstmals in der Turniergeschichte drei Spanier im Viertelfinale. In dem trifft Nadal am Mittwoch auf seinen Landsmann Tommy Robredo, der völlig überraschend Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer mit 7:6 (7:3), 6:3, 6:4 ausschaltete.

Der an Position vier gesetzte Spanier David Ferrer besiegte den Serben Janko Tipsarevic mit 7:6 (7:2), 3:6, 7:5, 7:6 (7:3) und fordert nun Richard Gasquet. Der Franzose rang Milos Raonic nach der Abwehr eines Matchballs in 4:40 Stunden mit 6:7 (4:7), 7:6 (7: 4), 2:6, 7:6 (11:9), 7:5 nieder.

Selbst durch 39 Asse des Kanadiers ließ sich Gasquet nicht entnerven. Der US-Open-Rekord liegt bei 49 Assen in einem Match, geschlagen von dem Niederländer Richard Krajicek im Jahr 1999.

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