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Li Na gewann 2011 die French Open © getty

Die 31-Jährige erreicht als erste Chinesin ein Halbfinale der US Open. Mit Reife und viel Risiko setzt sie neue Maßstäbe.

New York - Li Na ist es gewohnt, als Vorreiterin für allerhand Dinge zu gelten. Die erste chinesische Grand-Slam-Gewinnerin ist längst ein globaler Star. Als sie vor ein paar Monaten allerdings das Cover des "Time Magazines" zierte, war selbst die 31-Jährige baff.

"Ich sah das Titelbild und dachte, diese Person kenne ich doch. Die Haare waren zwar etwas komisch. Aber es war cool, dass sie mich ausgewählt haben", sagte Li Na, die auch bei den aktuellen US Open (täglich im LIVE-TICKER) wieder Geschichte schreibt.

Mit Reife und Erfahrung zum Erfolg

Als erster Profi aus dem Reich der Mitte überhaupt zog die Weltranglisten-Sechste ins Halbfinale von New York ein. Und Li Na ist in den Tagen von Flushing Meadows zusammen mit Titelverteidigerin Serena Williams (USA) wieder einmal das beste Beispiel dafür, dass Alter nicht vor Erfolgen schützt.

"30 ist das neue 20", sagte Williams, die im Halbfinale am Freitag auf Li Na trifft (DATENCENTER: Die Ergebnisse der Damen). Allein fünf der acht Viertelfinalistinnen waren beim abschließenden Major-Tournament des Jahres 30 Jahre oder älter. Die fast 32-jährige Williams könnte sogar die älteste Siegerin der Turniergeschichte werden.

Regeneration mit Chips und Fernsehen

Li Na will das verhindern. Obwohl die Art der Regeneration nach ihrem Viertelfinalsieg gegen die Russin Jekaterina Makarowa (6:4, 6: 7, 6:2) schon etwas gewöhnungsbedürftig klang. "Ich werde mich ins Bett legen, eine Tüte Chips essen und mir Tennis im Fernsehen anschauen", sagte die Asiatin.

Das war natürlich geflunkert. Li Na gilt als eine der härtesten Arbeiterinnen im Circuit. Und die French-Open-Siegerin von 2011 will sich im Spätherbst ihrer Karriere auch noch weiterentwickeln. Mit ihrem Coach Carlos Rodriguez, der einst Justine Henin (Belgien) zur Nummer eins machte, feilt sie derzeit an Aufschlag und Volley.

Volles Risiko für den maximalen Erfolg. "Mit so einem Wechsel kannst du vielleicht alles verlieren. Aber ich weiß, wenn ich es nicht mache, dann ist der nächste Schritt unmöglich", sagte die nun offensiver agierende Li Na.

Euphorie im Reich der Mitte

Nicht auszudenken, was passiert, wenn der Plan der ehemaligen Journalismus-Studentin, die ihren Ehemann öffentlich schon mal "hässliches Entlein" nennt, tatsächlich aufgeht. Bei ihrem Triumph in Roland Garros 2011, dem ersten Grand-Slam-Coup eines chinesischen Profis, bekam Li Na einen Vorgeschmack auf die Euphorie.

Rund 125 Millionen Landsleute hatten damals das Finale zu Hause am TV verfolgt. Geschätzte 400 Millionen Chinesen sahen am Morgen danach in den Nachrichten immer wieder die jubelnde Li Na. In ihrer Heimat hat die Frau mit dem Rosen-Tattoo über dem Herzen einen Boom ausgelöst.

Bald chinesische Weltranglistenerste

Inzwischen ist Tennis hinter Basketball und Fußball die beliebteste TV-Sportart. Vor 25 Jahren spielten im Reich der Mitte gerade einmal geschätzte 10.000 Menschen Tennis - mittlerweile sind es knapp vier Millionen. "Li Na ist eine Inspiration für ein ganzes Land", sagte WTA-Chefin Stacey Allaster über den Exportschlager.

US-Ikone Billie Jean King glaubt sogar, dass "früher oder später" eine Nummer eins aus China kommen wird. Li Na würde es lieben, auch da diese Vorreiterrolle zu übernehmen.

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