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Serena Williams feierte ihren ersten von bislang vier US-Open-Triumphen 1999 © getty

Serena Williams ist auch mit 31 auf Erfolgskurs: "Und ich sehe großartig aus." Nicht nur sie widerlegt Beckers Gleichung.

New York - Normalerweise sprechen Frauen nicht gerne über ihr Alter. Serena Williams ist da anders.

"Wenn ich jemanden sehe, der 31 Jahre ist, denke ich, 'Mensch, ist der alt'. Dann fällt mir ein, dass ich dasselbe Alter habe. Aber ich fühle mich nicht so", berichtete die beste Tennisspielerin der Welt - und freute sich wie ein Kind: "Ich war noch nie so fit. Und ich sehe großartig aus."

Serena Williams hat gut reden. Erst recht in den Tagen der US Open (täglich im LIVE-TICKER) , bei denen die Oldies "en vogue" sind. "Out" ist hingegen der Jugendwahn.

Wenn am Freitag in New York die Endspiel-Teilnehmerinnen in den Matches zwischen Williams und Li Na sowie Flavia Pennetta und Wiktoria Asarenka ermittelt werden, haben drei der vier Halbfinalistinnen ihren 31. Geburtstag bereits hinter sich (DATENCENTER: Die Ergebnisse der Damen). .

Williams: "30 das neue 20"

Ein Ü30-Trio in der Vorschlussrunde hatte es bislang in der Geschichte der Open Era erst einmal gegeben: 1994 in Wimbledon. "30 ist eben das neue 20", erklärte Williams, die am Sonntag die älteste Turniersiegerin der offenen amerikanischen Meisterschaften werden könnte.

Wie aus einer anderen Zeit erscheint die Tatsache, dass Martina Hingis (Schweiz) 1997 mit 16 Jahren als bislang jüngste Spielerin der Geschichte den Tennis-Thron bestiegen hatte.

Die Einschätzung von Boris Becker, die Jahre als Tennisprofi seien wie Hunde-Jahre, sie scheint das Haltbarkeitsdatum längst überschritten zu haben. Aber warum? "Ich glaube, der Faktor Erfahrung gewinnt immer mehr an Einfluss", betont Li Na. Im Oldie-Duell tritt die erste Chinesin in einem US-Open-Halbfinale gegen Titelverteidigerin Serena Williams an.

Erfolgsfaktor Erfahrung

Li Na war bereits 29 Jahre alt, als sie 2011 bei den French Open ihr erstes Grand-Slam-Turnier gewann. Im Juli erst krönte die Französin Marion Bartoli (28) mit dem Wimbledon-Triumph ihre Karriere - nach einem Vorlauf von 46 Grand-Slam-Turnier-Teilnahmen ohne Titel.

Die Italienerin Pennetta erlebt in diesen Tagen im Big Apple ihren siebten Frühling. "Ich bin stolz auf mich. Ich bin 31, physisch fit und stehe in meinem ersten Grand-Slam-Halbfinale. Mehr muss man nicht sagen", meinte die Weltranglisten-83.

Pennettas Gegnerin Asarenka fühlt sich im Reigen der betagteren Kolleginnen wie "ein Baby". Eine Theorie, warum die Konkurrenz im reifen Alter so aufdreht, hat die 24-Jährige trotzdem. "Weil das Tennis physisch so anspruchsvoll geworden ist, achten die Profis mehr auf ihren Körper als früher. Sie ernähren sich gesund und arbeiten viel an ihrer Fitness. Das verlängert die Karriere", sagte Asarenka.

Paff: "mentale Frische ausschlaggebend"

Die ehemalige Profispielerin und Diplom-Psychologin Eva Pfaff sieht die mentale Frische als einen der Hauptgründe für den Erfolg von Serena Williams, Li Na und Co.

"Zum Teil hatten sie Pausen und langwierige Verletzungen, die ihre Zeit auf der Tour verlängern. Sie sind froh, wieder spielen zu können. Und frisch, weil sie zwangsweise Erholungspausen hatten", erklärte die ehemalige Weltranglisten-17. Pfaff. (DATENCENTER: Die Ergebnisse der Herren).

Williams hatte unter anderem wegen einer lebensgefährlichen Lungenembolie lange aussetzen müssen. Li Na legte sogar den Schläger zur Seite und studierte zeitweise Journalismus.

Williams: "Bin immer noch das Mädchen"

Und Pennetta war erst im Februar 2013 nach einer siebenmonatigen Pause in Folge einer Handgelenk-OP auf die Tour zurückgekehrt. Auch der chronisch von seiner Schulter geplagte Tommy Haas ("Das Alter ist nur eine Zahl") erlebt mit 35 Jahren derzeit eine seiner erfolgreichsten Phasen.

Geht es nach US-Ikone Chris Evert, dann schützt gerade in Sachen Williams Alter vor Erfolgen nicht. "Serena ist die Beste aller Zeiten - mit fast 32 Jahren", sagte Evert. Die Gefeierte allerdings möchte all die Lobhudeleien gar nicht hören.

Serena Williams fühlt sich jung. So jung, dass sie sagt: "Ich bin immer noch das Mädchen, das einst mit dem Tennis angefangen hat, weil es einen Schläger und einen Traum hatte."

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