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Stanislas Wawrinka gewann 2008 Olympia-Gold im Doppel © getty

Mit dem Erreichen des Halbfinals bei den US Open tritt Wawrinka aus dem Schatten Federers. Ein Tattoo spiegelt sein Motto wider.

New York - Auch im Augenblick seines bislang größten Erfolges war für Stanislas Wawrinka bei den US Open (täglich im LIVE-TICKER) das Phantom namens Federer wieder allgegenwärtig.

Doch endlich, zum ersten Mal eigentlich, stand der ewige Schattenmann über den Dingen. "Ich bin Roger wirklich dankbar, denn er hat mir geholfen. Aber heute, das ist einfach mein Moment", sagte Wawrinka nach dem überraschenden 6:4, 6:3, 6:2 gegen Titelverteidiger Andy Murray und seinem ersten Halbfinaleinzug bei einem Grand-Slam-Turnier. (DATENCENTER: Die Ergebnisse der Herren)

Wawrinka, nicht wie üblich seinem omnipräsenten Schweizer Landsmann Roger Federer, gehörten die Ovationen auf der größten aller Tennis-Bühnen.

Premiere für Stan

Und der 28-Jährige war stolz darauf, "wie ich mit dem Druck umgegangen bin". Erstmals bei einem Major-Turnier war die Nummer zehn des ATP-Rankings weitergekommen als sein berühmter Davis-Cup-Kollege Federer, der bereits im Achtelfinale gegen Tommy Robredo ausgeschieden war.

Dass das Verhältnis zwischen den beiden konträren Typen dennoch intakt ist, bewies eine SMS von Federer. `Er hat mir gleich nach dem Match geschrieben", berichtete der bullige Wawrinka, wollte aber nicht auf den Inhalt eingehen: `Das ist privat."

Stiche zeigen Motto

Auskunftsfreudiger ist das Kraftpaket mit einem deutschen Vater namens Wolfram, wenn es um sein Lebensmotto geht. Geduldig bleiben, heißt die Devise. Wawrinka ist als stets loyaler Schattenmann von Federer ein gebranntes Kind.

"Wenn man nicht Nadal, Federer oder Djokovic heißt und nicht ständig gewinnt, muss man aus den Niederlagen lernen", hat der Vater der dreijährigen Alexia mal gesagt. (DATENCENTER: Die ATP-Weltrangliste)

Auf seinem linken Unterarm hat sich Wawrinka deshalb den Spruch des Schriftstellers Samuel Beckett tätowieren lassen: "Versucht. Gescheitert. Egal. Erneut versuchen. Erneut scheitern. Besser scheitern."

Stark aus Niederlage

So wie bei den Australian Open 2013, als der Westschweizer eine seiner bittersten Niederlagen kassierte.

Im Achtelfinale unterlag "Stan the Man" dem späteren Turniersieger Novak Djokovic nach einer grandiosen Darbietung mit 10:12 im fünften Satz - und weinte bittere Tränen.

Im Rückblick ist Wawrinka überzeugt, "dass das ein Schlüsselmatch für meine Saison war." Den Beckett-Spruch hat er längst verinnerlicht: "Ich habe bittere Niederlagen kassiert, aber bin positiv geblieben."

Scheitern auf dem Index

In New York jedenfalls, wo er im Halbfinale ausgerechnet wieder auf Djokovic trifft, kann er die Vokabel "Scheitern" erst einmal aus seinem Wortschatz verbannen.

Der lange Atem zahlte sich aus. Nach drei Viertelfinalteilnahmen bei Major-Turnieren seit 2010 gelang dem auf einem Bauernhof in der Nähe von Lausanne aufgewachsenen Wawrinka im vierten Versuch endlich der Sprung unter die Top 4. Auch die Verpflichtung des schwedischen Ex-Profis Magnus Norman als Coach scheint sich für den allseits beliebten Profi auszuzahlen.

Respekt von Mama Murray

Selbst Murrays Mutter Judy zollte dem Schweizer nach seinem Viertelfinal-Coup Respekt und twitterte: "WOWrinka". Die Schweizer Internet-Plattform "20 Minuten" ließ ihre User bereits über die Frage "Ist Stan der bessere Roger?" abstimmen.

Wawrinka selbst, der mit Federer 2008 in Peking Olympiagold im Doppel holte, hat sich noch nicht an seine neue Rolle in Flushing Meadows gewöhnt. "Mir wäre es lieber, auch Roger wäre noch im Turnier", sagte Wawrinka über das Phantom vom Big Apple: "Ich habe es immer genossen, wenn er Grand-Slam-Titel gewonnen hat."

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