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Nach langer Verletzungspause wieder auf dem Tennis-Olymp: Rafael Nadal © getty

Durch seinen US-Open-Triumph steigt der Spanier zum Außerirdischen auf. Den ultimativen Erfolg hält er aber für unmöglich.

New York - Nach einer magischen New Yorker Nacht mit Freudentränen und Glücksmomenten lag Rafael Nadal die Welt zu Füßen.

Königin Sofia von Spanien gratulierte dem neuen Hartplatz-Kaiser von Flushing Meadows per Handschlag, während dicht hinter ihr James-Bond-Darsteller Sean Connery anerkennend applaudierte.

Auch beim "stratosphärischen Nadal" (El Mundo Deportivo) löste sein zweiter US-Open-Triumph nach 2010 besondere Gefühle aus.

"Das ist wahrscheinlich der emotionalste Titel meiner Karriere. Es ist mehr als ein Traum für mich. Ich dachte nie, dass so etwas passieren kann. Dieser Moment ist sehr speziell", sagte der Weltranglisten-Zweite nach dem 6:2, 3:6, 6:4, 6:1 im Finale (Bericht) gegen den topgesetzten Australian-Open-Gewinner Novak Djokovic (Serbien).

"Bester Rafa" ist Spaniens "Superheld"

Die spanische Zeitung Marca verlieh Nadal dann auch das Prädikat "Superheld", während As von einer "Vergrößerung seines Legendenstatus" schrieb. US-Ikone John McEnroe sprach vom "besten Rafa", den er je gesehen habe.(DATENCENTER: Die Ergebnisse der Herren)

Den 27-jährigen Nadal selbst hatten die Emotionen nach einer beeindruckenden Demonstration der eigenen Stärke im größten Tennis-Stadion der Welt schlichtweg überwältigt.

Rücklings hatte sich der nunmehr 13-malige Grand-Slam-Champion vor 23.771 Zuschauern auf den Centre Court fallen lassen, um kurz danach auf dem Bauch liegend hemmungslos zu weinen.

Zweifel sind überstanden

Die Tränen waren Ausdruck größter Erleichterung über die bestandene (Major-)Reifeprüfung auf dem einst so ungeliebten Hartplatz. Vor einem Jahr hatte Nadal das US-Open-Finale wegen seiner chronischen Patellasehnen-Entzündung noch zuhause auf der Couch verfolgen müssen.

Zweifelnd, ob er wegen des schmerzenden Knies jemals wieder der Alte werden würde.(DATENCENTER: Die ATP-Weltrangliste)

Doch zwölf Monate später ist aus dem Sandplatz- auch ein Hardcourt-Spezialist geworden, der 2013 auf dem brutalsten aller Beläge noch ungeschlagen ist (22:0 Siege). Dabei hatten ihm einige Ärzte sogar davon abgeraten, jemals wieder auf Hartplatz zu spielen.

Längster Ballwechsel geht an Djokovic

Doch Nadal ging volles Risiko - und wurde belohnt. Von 63 Matches seit seinem Comeback nach siebenmonatiger Pause im Februar hat "Rafa" 60 Partien gewonnen und insgesamt zehn Titel geholt.

"Das ist eine der besten Saison-Leistungen in der Geschichte unseres Sports", lobte Branchenführer Djokovic, dem im Finale mehr als doppelt so viele unbedrängte Fehler wie seinem großen Rivalen unterliefen (53:20).

Immerhin gewann der "Djoker" den längsten Ballwechsel des Turniers (54 Schläge). Ein schwacher Trost.

Tiefe Einblicke in Nadals Seelenleben

Nadal indes gab in der Stunde seines großen Triumphs auch Einblicke in sein Seelenleben. Familie und Freunde waren es, die ihn in trüben Momenten während der Verletzungspause bestärkten.

"Wenn du in den Fitnessraum gehst und kein positives Resultat siehst, dann verlierst du Energie. Aber sie haben mir diese positive Energie zurückgegeben. Ohne sie wäre ich nicht hier", meinte der achtmalige French-Open-Sieger.

Und die menschlichen Antriebsfedern waren auch in New York dabei. Während Nadal mit dem Pokal vor seiner Box posierte, machten nebeneinander Mutter Ana Maria, Schwester Maria Isabel und Freundin Maria Francisca jeweils ein Foto ihres Lieben.

Alle Grand-Slam-Siege "unmöglich"

Mit nun 13 Major-Titeln hat Nadal den Rückstand auf Roger Federer (17 Titel/Schweiz) und Pete Sampras (14/USA) verkürzt.

Doch forsche Ansagen sind nicht Nadals Ding. "Ich habe schon mehr erreicht, als ich mir je erträumt habe." Auch den Gewinn aller vier Grand-Slam-Turniere in einer Saison hält er trotz seiner neuen Allrounder-Qualitäten für "unmöglich".

Viel Zeit zum Feiern blieb Nadal nicht. Bereits am Dienstag saß er im Flieger nach Madrid, wo ab Freitag die Play-off-Partie des spanischen Davis-Cup-Teams um den Klassenerhalt gegen die Ukraine ansteht.

"Ich werde Mittwochmorgen ankommen und am Nachmittag ein bisschen trainieren. Dann muss man weiterschauen", kündigte der Linkshänder an. Vielleicht hilft die Erinnerung an die magische Nacht von New York, um den Jetlag zu vertreiben.

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