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Andrea Petkovic tritt erst zum vierten Mal bei den French Open anDie Bilder der French Open zum DURCHKLCKEN © getty

Die letzte Deutsche bei den French Open wendet das Aus ab: Andrea Petkovic besiegt gegen Qualifikantin Bertens auch ihren Frust.

Paris - Nach dem Achtelfinal-Krimi mit Happy End schrie Andrea Petkovic ihre Freude lauthals in den wolkenverhangenen Pariser Himmel.

Adieu Tristesse sozusagen. Ausgerechnet bei den French Open (täglich ab 11 Uhr im LIVE-TICKER), am Ort ihrer größten Demütigung, hat sich der Pechvogel von einst auf der ganz großen Tennis-Bühne zurückgemeldet.

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Belohnung ohne Tanz

Der "Petko-Dance" blieb nach ihrem Viertelfinal-Einzug bei den French Open zwar aus - doch die Weltranglisten-27. wirkte nach dem 1:6, 6:2, 7:5 gegen Qualifikantin Kiki Bertens (Niederlande) wie von einer Zentnerlast befreit.

"Ich bin sehr glücklich und erleichtert. Das ist eine schöne Belohnung für die Arbeit nach den schlechten Zeiten, die ich hinter mir habe", sagte die immer wieder vom Verletzungspech zurückgeworfene Petkovic.

Erstmals seit September 2011 steht sie wieder im Viertelfinale eines Major-Turniers.

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"Ich habe mich gehasst"

Zum zweiten Mal übrigens in "ihrem" Paris, wo sie vor exakt zwölf Monaten aus lauter Frust über die Blessuren und Niederlagen ihre Karriere beenden wollte.

"Damals habe ich mich als Tennisspielerin gehasst, jetzt mag ich mich wieder", sagte Petkovic, wollte aber noch nicht an einen möglichen großen Titel-Coup denken: "Erst ab Semifinale oder Endspiel."

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Jetzt gegen Errani

Im Spiel um ihren möglichen ersten Halbfinal-Einzug bei einem Major trifft die 26-Jährige am Mittwoch auf die einstige Roland-Garros-Finalistin Sara Errani.

Die an Position 10 gesetzte Italienerin musste beim 7: 6 (8:6), 6:2 gegen die frühere Nummer eins Jelena Jankovic (Serbien/Nr. 6) im ersten Durchgang einen Satzball abwehren.

Die nur 1,64 Meter große Errani hatte Anfang Mai beim Turnier in Madrid in zwei Sätzen gegen Petkovic gewonnen. "Ich sehe mich aber nicht als Favoritin. Ich will auf dem Platz gehen und gewinnen", sagte Errani.

Für Petkovic ist es das insgesamt vierte Grand-Slam-Viertelfinale ihrer Karriere. "Der Aspekt dieses Spiels soll lauten: Gewinnen", sagte sie.

Schläger falsch bespannt

Das Duell gegen Außenseiterin Bertens, Nummer 148 der Welt, glich einem Wechselbad der Gefühle. Zunächst stellte Petkovic fest, dass ihr Schläger falsch bespannt war.

Das neue Racket war nicht besser und bekam den Frust der Darmstädterin im schwachen ersten Satz immer wieder zu spüren.

"Ich habe mich gefühlt, als hätte mich ein Zug überrollt", berichtete Petkovic, die insgesamt sogar einen Punkt weniger machte als Bertens.

Mit dem Rücken zur Wand

Danach steigerte sich die Einser-Abiturientin. Petkovic führte im entscheidenden Satz bereits mit 4:2, gab aber dann drei Spiele in Folge ab und stand plötzlich mit dem Rücken zur Wand.

Doch die Rechtshänderin behielt die Nerven und servierte zum Matchgewinn aus.

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Plausch in perfektem Französisch

Die ehemalige Top-Ten-Spielerin ist auf dem besten Weg, auch eine der Zuschauer-Favoritinnen zu werden.

Nach dem über zweistündigen Breakfestival (14) auf dem Court Philippe Chatrier plauderte Petkovic locker mit dem Stadion-Moderator - in perfektem Französisch.

Beinahe Karriere beendet

Überhaupt hat die Fed-Cup-Spielerin eine besondere Beziehung zu Paris. Hier spielte sie 2007 ihr erstes Major-Turnier.

Vor einem Jahr allerdings wollte sie im Stade Roland Garros nach einer Niederlage in der Qualifikation für die French Open gegen eine völlig unbekannte Chinesin ihr Racket an den Nagel hängen - zermürbt von drei schweren Verletzungen binnen eines Jahres, die sie zeitweise von Platz neun auf Rang 177 des Rankings katapultierten.

"Ich habe geheult wie ein kleines Kind und wollte wirklich alles hinschmeißen", berichtete Petkovic von ihrem Tiefpunkt.

Zweite Karriere mit neuem Coach

Sie tat es nicht, sondern begann ihre "zweite Karriere", wie es Petkovic nennt. Die Fernstudentin entschärfte ihr Training und verpflichtete zu Jahresbeginn den erfahrenen Coach Erik van Harpen.

Mit dem 70-jährigen Niederländer, der unter anderem die frühere Weltranglistenerste Arantxa Sanchez Vicario (Spanien) betreute, kommt jetzt der Erfolg zurück.

"Wir haben viel an der Technik gearbeitet. Ich bin jetzt stabiler und habe das Gefühl, ich mache so viele Sachen besser. Aber der Weg ist noch lang", sagte Petkovic, zu deren Team auch die Physiotherapeutin und Ernährungsberaterin Petra Winzenhöller gehört.

Sieg in Charleston

Erste Erfolge gab es bereits: Anfang April holte Petkovic den Titel in Charleston/USA - nach 1051-tägiger Durststrecke ohne Turniersieg.

Damals verneigte sich sogar Steffi Graf vor ihr: "Nach vielen Verletzungspausen hat sie nie aufgegeben", sagte die "Gräfin" über Stehaufmännchen Petkovic.

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