vergrößernverkleinern
Andrea Petkovic stand 2011 in drei von vier Grand-Slam-Viertelfinals. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder der French Open © getty

Andrea Petkovic will in Paris ins Halbfinale - und eine Serie brechen. Sie setzt sich unter Druck. Steffi Graf macht ihr Mut.

Paris - Die Nachricht kam von höchster Stelle und war für Andrea Petkovic Bestätigung genug.

Als Steffi Graf ihr vor ein paar Wochen schrieb und zum Turniersieg in Charleston/USA gratulierte, fühlte sich die Darmstädterin zutiefst geehrt. "Steffi hat mir vermittelt, dass sie nie aufgehört hat, daran zu glauben, dass ich wieder um die großen Titel mitspielen würde und werde", sagte die Weltranglisten-27. Petkovic.

Auch in diesen Tagen verfolgt die "Gräfin" intensiv das Geschehen bei den French Open in Paris (täglich ab 11 Uhr im LIVE-TICKER), wo die lange vom Verletzungspech gepeinigte Petkovic erstmals seit 33 Monaten wieder im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers steht.

Hohe Hürde Errani

Bis zum Titel von Roland Garros, den Graf 1999 als bis dato letzte Deutsche gewann, ist es für die 26-Jährige auf dem roten Sand allerdings noch ein steiniger Weg.

Zumal am Mittwoch Sandplatz-Spezialistin Sara Errani (Italien) wartet, die Nummer elf der Welt, Paris-Finalistin von 2012 und -Halbfinalistin von 2013 (DATENCENTER: Die French Open).

"Das Viertelfinale verlangt ihr bestes Tennis, wenn Andrea eine Chance haben möchte", sagte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner: "Sie muss körperlich wieder bei 100 Prozent sein, um eine realistische Möglichkeit zu haben."

Das weiß auch Petkovic selbst, die auf dem Weg in die Runde der letzten Acht bislang ausschließlich wesentlich schlechter platzierte Konkurrentinnen aus dem Weg räumen musste.

Grund genug eigentlich, um total befreit in ihr insgesamt viertes Major-Viertelfinale zu gehen und auf den ersten Semifinal-Einzug ihrer Karriere zu hoffen.

Statistik gegen Petkovic

Nicht so bei Petkovic. "Ich war eben noch nie der Typ, der sich keinen Druck macht", sagte die frühere Top-10-Spielerin: "Ich fordere immer einen Sieg von mir. Ich will mit den Besten spielen, und ich will gegen diese Spielerinnen gewinnen."

Am Dienstagmittag bereitete sich "Petko" im Stade Roland Garros weit abgelegen auf Trainingsplatz 18 auf die anstehende Aufgabe vor.

Das bis dato letzte Duell gegen die 1,64 Meter kleine Errani hatte die einen Kopf größere Hessin erst vor knapp vier Wochen in Madrid (5:7, 1:6) verloren.

Demgegenüber steht an gleicher Stelle ein Sieg von Petkovic im Jahr 2010.

(SHOP: Jetzt Tennis-Artikel kaufen)

Noch kein Satzgewinn

An den ganz großen Pariser Coup, den Gewinn des Coupe Suzanne Lenglen, will die Fed-Cup-Spielerin aber noch nicht denken.

"Bevor man wirklich an einem Grand-Slam-Sieg schnuppern kann, muss man weiter sein", sagte "Petko" bescheiden. Allerdings kann sich das schon am Mittwoch ändern. "Über so einen möglichen Erfolg werde ich erst sprechen, wenn ich das Halbfinale oder Finale erreicht habe."

Der Anreiz jedenfalls ist groß: In ihren bislang drei Viertelfinals bei den Australian Open, French Open und US Open 2011 gewann sie keinen Satz.

Der Charakterkopf ist wieder da

Die große Grand-Slam-Bühne jedenfalls hat den extrovertierten Charakterkopf wieder (900603DIASHOW: Die Bilder der French Open - Woche 2).

Und die internationale Medienschar freute sich über die Rückkehr des etwas anderen Tennisprofis ins Rampenlicht.

Mit den englischen Journalisten plauderte Literatur-Studentin Petkovic über ihre Vorliebe für Goethe und Nietzsche.

Nicht zu vergessen die für David Foster Wallace.

"Ich hasste mich"

Ernster wurde der Gesichtsausdruck, als sie über ihre dunklen Stunden sprach. Vor einem Jahr wollte Petkovic ausgerechnet in Paris ihre Karriere beenden, nachdem sie in der French-Open-Qualifikation gescheitert war.

Die Liebe zu ihrem Sport schien erloschen. "Alles war nur noch hart und Arbeit, und ich hasste mich als Tennisspielerin", verriet sie: "Ich wollte, dass alles wieder so ist wie früher. Aber ich war nicht sicher, ob ich den ganzen Weg noch mal gehen wollte."

Sie hat es getan - und sie wurde belohnt. Darüber freut sich im fernen Las Vegas ganz gewiss auch Steffi Graf.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel