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Novak Djokovic (l.) und Boris Becker - zwölf Grand-Slam-Titel auf einem BildZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder der French Open © getty

Bei den French Open spielt Djokovic in Topform - und lobt seinen Mentor. Nach holprigem Start will er Becker jetzt überholen.

Von den French Open berichtet Julian Ignatowitsch

Paris - Wer sich gefunden hat, fährt nach Paris. In die Stadt der Liebe.

Novak Djokovic und Boris Becker machen das etwas anders. Ein Paar wider das Klischee.

Sie fahren nach Paris zu den French Open (täglich im LIVE-TICKER), nicht weil sie sich gefunden haben, sondern um sich zu finden.

Anscheinend klappt das ganz gut.

"Ich profitiere immer mehr von unserer Zusammenarbeit", sagt Djokovic auf Nachfrage von SPORT1.

"Boris hat seinen Anteil am Erfolg und beeinflusst mein Spiel positiv. Ich bin froh, dass es jetzt funktioniert und alles in die richtige Richtung geht."

Djoker in Topform

Tatsächlich zeigt sich Djokovic bei diesen French Open in absoluter Topform. Wenn einer Sandplatzkönig Rafael Nadal gefährlich werden kann, dann er.

Nadalgleich räumt Djokovic seine Konkurrenten in Paris bisher aus dem Weg, zuletzt Jo-Wilfried Tsonga und Milos Raonic. Lediglich gegen Marin Cilic verlor er in der dritten Runde einen Satz, den einzigen bisher im Turnierverlauf. (SHOP: Jetzt Tennis-Artikel kaufen)

Becker sei daran durchaus beteiligt, betont der "Djoker": "Seine Präsenz hier bedeutet mir sehr viel. Er ist eine Legende - es bringt insgesamt viel Gutes für den Tennissport, dass er wieder in einer offiziellen Funktion tätig ist."

"Nolefam" findet zusammen

Es scheint als würde es endlich passen in der "Nolefam", wie sich das Team des Serben auf Twitter nennt.

Becker ist seit Ende 2013 Teil der Djokovic-Familie. Neben Djokovics langjährigem Trainer Marian Vajda und Fitnesstrainer Gebhard Gritsch soll er für neue Impulse im Spiel des Serben sorgen.

[tweet url="//twitter.com/search?q=%23Raonic"]

Inspiriert vom Beispiel Andy Murray, der in den vergangenen Jahren mit Ivan Lendl arbeitete, holte sich Djokovic Becker ins Boot.

Die Idee dahinter: Einen ehemaligen Top-Spieler an der Seite haben, der die großen Spiele und mentalen Belastungen kennt und selbst gemeistert hat.

Holpriger Start - Aus in Australien

Wirklich gut hatte die Zusammenarbeit zwischen Djokovic und Becker dabei nicht begonnen. Nur langsam fanden beide zusammen.

In Australien hatten Becker und sein Schützling noch nicht harmoniert. Die Folge: Djokovic schied schon im Viertelfinale überraschend gegen den späteren Sieger Stanislas Wawrinka aus.

Manche Kritiker rieten ihm damals sogar zu einer Trennung. Nach dem Motto: Besser zu früh als zu spät.

Rückblickend verrät Djokovic: "Am Anfang des Jahres hat es ein bisschen gedauert bis wir uns kennengelernt und aufeinander eingestellt haben."

Pause zur richtigen Zeit

Eine Trennung sei aber nie ein Thema gewesen. Vielleicht kam die Pause aufgrund von Beckers Hüft-OP im März gerade recht.

Die Masters-Turniere in Miami und Indian Wells bestritt Djokovic alleine, holte sich mit zwei Turniersiegen Selbstbewusstsein.

Zum Start der Sandplatzsaison war Becker dann wieder dabei. In Rom feierte er den ersten Turniersieg an der Seite seines Schützlings.

Anschließend gab er ein klares Ziel für Roland Garros aus: "Mit dem Erreichen des Viertelfinals sind wir nicht zufrieden. Wir wollen gewinnen!"

Aufschlag und Volleys im Training

Während Djokovic sich bei den genauen Aspekten der Zusammenarbeit weiterhin bedeckt hält und "nicht zu viel verraten will", ist Becker offener.

Gerade bei seinen ehemaligen Paradeschlägen Service und Volley könne er Djokovic helfen, so Becker.

Im Hinblick auf Wimbledon dürfte das doppelt wertvoll sein.

Das Unmögliche schaffen

Doch zunächst will das ambitionierte Ziel in Paris verwirklicht werden. Er habe Onkel Toni schon vorgewarnt, scherzte Becker gerade erst.

Nadal hat bei seinem Lieblingsturnier überhaupt erst einmal verloren, nämlich im Achtelfinale 2009 gegen Robin Söderling.

Djokovic soll im Finale das scheinbar Unmögliche schaffen und ihn zum zweiten Mal schlagen.

Bald mehr große Titel als Boris?

Dazu muss er am Freitag aber erst einmal das Halbfinale gegen Ernests Gulbis überstehen. Die beiden kennen sich schon seit der Jugend, waren in München gemeinsam auf der Tennisakademie.

Sollte Djokovic diese Hürde nehmen, stände er zum zweiten Mal nach 2012 in Paris im Finale - etwas, was Becker in seiner Laufbahn nie geschafft hat, er scheiterte dreimal im Halbfinale (1987, 1989, 1991).

Im Falle eines Finalsiegs wäre Djokovic dann auch in Sachen Grand-Slam-Titel (beide sechs) an Becker vorbeigezogen. Der neu entdeckten Partnerschaft dürfte das nur gut tun.

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