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Andre Begemann feierte 2012 in Wimbledon sein Grand-Slam-Debüt im Doppel
Andre Begemann ist Deutschlands bester Doppelspieler. ZUM DURCHKLICKEN: Die erste Woche in Wimbledon © imago

Alle deutschen Herren sind im Einzel draußen, für Andre Begemann sind in Wimbledon noch zwei Titel drin. Bei SPORT1 spricht er.

Von Julian Ignatowitsch

München - Alle deutschen Herren sind draußen im Einzel, trotzdem dürfen sie in Wimbledon noch vom Titel träumen.

Andre Begemann ist bester Doppelspieler des Landes und hat zwei Chancen, das größte Tennis-Turnier der Welt zu gewinnen.

Zusammen mit dem Tschechen Lukas Rosol - dem Mann, der am Donnerstag Rafael Nadal im Einzel einmal mehr in Bedrängnis brachte - trifft er in der zweiten Runde auf die an vier gesetzten Franzosen Julien Benneteau und Edouard Roger-Vasselin (ab 12.30 Uhr LIVE-TICKER).

Später am Nachmittag tritt er Mixed an der Seite von Olha Sawtschuk aus der Ukraine auf das rumänisch-ukrainische Duo Florin Mergea/Elina Svitolina.

Gut vorbereitet ist er: Bei der Generalprobe in Halle feierte er seinen dritten Turniersieg, zusammen mit dem Österreicher Julian Knowle bezwang er im Finale keinen Geringeren als Roger Federer und dessen Schweizer Landsmann Marco Chiudinelli.

Bei SPORT1 spricht er vor seinem Zweitrundenmatch über seine Titelhoffnungen und den Stellenwert des Doppels im Tennis und die Chancen auf einen Grand-Slam-Sieg.

SPORT1: Herr Begemann, im Einzel ist bei den Männern kein Deutscher mehr in Wimbledon dabei. Steht es so schlimm, um die deutsche Tenniselite?

Andre Begemann: Nein, im Gegenteil. Ich bin sehr beeindruckt, wie sich die jungen Spieler entwickelt haben. Zum Beispiel Jan-Lennard Struff oder Peter Gojowczyk, die auch im Davis Cup eine unglaubliche Leistung abgeliefert haben. Oder Tobi Kamke, den ich auch mal für einen Kandidaten halte, in einem der großen Turniere weit zu kommen. Aber ich verstehe auch, dass sich die deutschen Zuschauer mal wieder einen Spieler wünschen, der auch eines der großen Turniere gewinnen kann. Deswegen bin ich ja jetzt hier (lacht).

SPORT1: Sie trauen sich zu einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen?

Begemann: Das ist auf jeden Fall möglich. Zwar gibt es heutzutage viele Teams, die sich an der Spitze festgesetzt haben, aber grundsätzlich sind die Turniere immer offen. Ich habe gezeigt, dass ich mit meinen Mitspielern viele gute Teams schlagen kann. Mit Robin Haase habe ich diese Saison schon zusammen die Nummer 5 und die Nummer 2 der Welt geschlagen. Ich bin zuversichtlich.

SPORT1: In Wimbledon sind Sie mit Lukas Rosol am Start. Ist es kein Nachteil, dass Sie derzeit keinen festen Doppelpartner haben?

Begemann: Es ist aktuell so, dass ich mit verschiedenen Einzelspielern die Doppelwettbewerbe bestreite. Ich möchte mich wirklich auf mich konzentrieren und an meiner Doppel-Qualität arbeiten. Natürlich schaue ich mir immer rechtzeitig den Turnierplan an und erkundige mich, wer in den Wochen, in denen ich gerne spielen möchte, gerade frei ist. Rosol ist ein sehr guter und aufschlagstarker Spieler, mit dem ich schon in 's-Hertsogenbosch zusammengespielt habe.

SPORT1: Wimbledon ist doch sicherlich ein ganz großes Highlight?

Begemann: Auf jeden Fall. Die Grand Slams sind das A und O. Im Doppel ist es schwer in der Bestenliste nach vorne zu kommen, mit Erfolgen auf den kleinen Turnieren kommt man nicht unter die Top 20. Dafür muss schon ein großes Ergebnis her, am besten bei einem Grand Slam. Die Chance hier zu punkten will ich auf jeden Fall nutzen.

SPORT1: Was sind denn genau Ihre Ziele für die Zukunft?

Begemann: Ich wäre gerne bei Olympia dabei. Dafür muss man allerdings in den Top 10 der Welt stehen. Das möchte ich irgendwann schaffen. Wenn ich dieses Ziel nicht hätte, dann wäre ich hier auch fehl am Platz.

SPORT1: Wie muss man sich das Leben eines professionellen Doppelspieler vorstellen? Ist man überhaupt richtig Teil der ATP Tour?

Begemann: Das Hauptaugenmerk liegt auf den Einzelspielern. Da ist nicht nur das Preisgeld, das sich deutlich unterscheidet, sondern insgesamt auch die Aufmerksamkeit. Aber ich denke dennoch: Doppel ist sehr attraktiv. Die Stimmung bei den Spielen auf den Turnieren ist super. Die Beachtung auf der Tour bekommt man dann leider doch nicht so sehr.

SPORT1: Bekommen Doppelspieler zu wenig Anerkennung?

Begemann: Ja, das würde ich schon sagen. Ich habe zwar selber Einzel gespielt und finde es auch gerechtfertigt, dass die Einzelspieler diese Aufmerksamkeit bekommen, die sie zweifellos verdient haben. Aber trotzdem bin ich der Meinung, dass Doppel in der Zukunft mehr gepusht werden sollte. Das wir auf den größeren Plätzen spielen und sich vielleicht auch beim Preisgeld etwas ändert. Diese Aspekte werden natürlich auch innerhalb der ATP diskutiert, vielleicht ändert sich ja hier bald etwas.

SPORT1: Sie trainieren sicherlich genauso hart wie ein Einzelspieler?

Begemann: Ja, auf jeden Fall. Ich bin topfit. Ich spiele viel Einzel im Training, aber Doppel ist meine Spezialität - und das will ich natürlich auch ausnutzen. Hier habe ich die Möglichkeit für Deutschland und auf großen Turniere zu spielen. Das ist der richtige Weg.

SPORT1: Mit Philipp Petzschner hat Deutschland ja einen zweifachen Doppel-Grand-Slam-Sieger. Er war schwer verletzt und arbeitet gerade an seinem Comeback. Wie wäre es mit Ihnen beiden?

Begemann: Also wenn er mich anruft und US Open spielen möchte, dann werde ich sicher nicht nein sagen. Philipp ist ein exzellenter Doppelspieler und wird hoffentlich nochmal zurückkommen.

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