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Eugenie Bouchard greift in Wimbledon nach ihrem ersten Grand-Slam-Titel - ZUM DURCHKLICKEN: Bouchards Karriere © getty

Miss Perfect fehlt noch ein Sieg zum ersten Grand-Slam-Titel. Im Finale trifft Eugenie Bouchard auf Ex-Champion Petra Kvitova.

London - Am Donnerstag hat Eugenie Bouchard ein Kapitel kanadischer Sportgeschichte geschrieben. Wieder einmal.

Mit 20 Jahren. Bouchard nahm es zur Kenntnis, als hätte sie ein Trainingsmatch gewonnen.

Mit dem Finaleinzug in Wimbledon sei ihre Arbeit nicht getan, sagte sie. Eine Endspiel-Teilnahme, selbst beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt, sei kein Grund, sich zu belohnen, kein Anlass, ausgelassen zu feiern (DATENCENTER: Wimbledon).

Geburtsstunde eines neuen Superstars

Am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) trifft Eugenie Bouchard auf dem Centre Court des All England Club auf die Tschechin Petra Kvitova. Es könnte die Geburtsstunde eines neuen Superstars der Frauentour werden.

Gewinnt Bouchard bei ihrem sechsten Grand Slam ihren ersten Titel, läuft die Marketing-Maschine an. Daran besteht kein Zweifel.

"Genie hat dazu die Persönlichkeit, die sportlichen Fähigkeiten und das Aussehen", sagt ihr Manager Sam Duvall über seine Miss Perfect: "Sie spricht die zwei Sprachen, die bei den vier Grand Slams gesprochen werden. Das Paket stimmt, "Genie" könnte das neue Gesicht ihrer Sportart werden."

Sponsoren stehen Schlange

Sollte es so kommen, wäre es keine Überraschung. Vor allem nicht für Eugenie Bouchard selbst.

An der Grenze zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz sagt Bouchard: "Dafür habe ich mein Leben lang gearbeitet." Die Kanadierin weiß, was sie kann und sie weiß, wie sie auf der ganzen Welt wirkt.

Schon vor Wimbledon unterzeichnete sie einen millionenschweren Werbevertrag mit einem Brausehersteller, weitere Sponsoren stehen Schlange.

Abwarten bei Justin Bieber

Selbstbewusst tritt Bouchard, die auf der Tour keine Freunde haben will, auch bei Interviews auf. So kam sie nach dem Sieg gegen Andrea Petkovic in Runde drei mit einem Kimono zur Pressekonferenz, den ihr zuvor japanische Journalisten geschenkt haben.

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Nicht selten drehen sich bei ihren Pressekonferenzen mehr als die Hälfte der Fragen überhaupt nicht um Tennis. Während der Zeit in Wimbledon wurde sie beispielsweise oft zu ihrer Namensgebung (Anm. d. Red.: sie ist benannt nach Prinzessin Eugenie), ihrer Lieblingsshow "The Big Bang Theory" und natürlich Justin Bieber gefragt.

Nachdem Bouchard bei den Australian Open verriet, dass sie gerne ein Date mit dem kanadischen Popstar hätte, rudert sie nun etwas zurück. "Er ist zurzeit etwas in Schwierigkeiten. Ich fühle mich nicht mit ihm verbunden. Aber wer weiß, wenn er sein Image wieder säubert..."

"Wimbledon größer als Stanley Cup"

Die kanadische Heimat ist Bouchard längst zu klein geworden.

Einen Tag vor dem Endspiel stieß sie ihre eishockeyverrückten Landsleuten vor den Kopf: "Wimbledon", sagte Bouchard entwaffnend ehrlich, "ist größer als der Stanley Cup".

Es ist diese Gradlinigkeit, die sie ohne Satzverlust durch das Wimbledon-Turnier eilen ließ. So schnörkellos wie ihr Spiel war auch ihr Aufstieg in der Tenniswelt.

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Umzug nach Florida zahlt sich aus

Mit fünf Jahren schlug "Genie" ihre ersten Bälle, mit neun spielte sie ein internationales Turnier in Frankreich. Mit zwölf Jahren zog sie von Montreal nach Florida um.

Spätestens mit dem Wechsel in die Tennis-Akademie von Trainer Nick Saviano war ihr Weg vorgezeichnet.

2012 gewann sie die Wimbledontitel der Junioren im Einzel und Doppel, 2013 kürte sie die Spielerinnen-Organisation WTA zur Aufsteigerin des Jahres. 2014 stand sie in Melbourne und Paris im Halbfinale und gewann in Nürnberg ihr erstes Turnier.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

"Auf Partys kann ich immer noch gehen", sagt Bouchard: "Solange ich Tennis spiele, bin ich diszipliniert." Sie habe immer Opfer gebracht, "um das zu kriegen, was ich will". Und was sie will, das hat sie bislang noch immer bekommen.

Wenn Bouchards Erfolg wie auf dem Reißbrett geplant erscheint, war ihre Finalgegnerin Petra Kvitova vor drei Jahren in Wimbledon in den Triumph hineingestolpert.

Mit 21 Jahren gewann sie auf dem Heiligen Rasen beinahe sensationell im Finale gegen Maria Scharapowa, heute sagt sie: "Ich konnte damit lange nicht umgehen." Erst musste sie auf und abseits der Courts "etwas ändern, um mich an den Druck und die Aufmerksamkeit zu gewöhnen".

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