vergrößernverkleinern
Gratulation von Champion zu Champion: Djokovic herzt Coach Becker. DIE BILDER AUS WIMBLEDON ZUM DURCHKLICKEN © getty

"Beckovic" triumphiert in Wimbledon. Novak Djokovic ist begeistert und überholt Boris Becker. Er ist Blitzableiter und Motivator.

London - Als Boris Becker zum letzten Mal beim traditionellen Championsdinner von Wimbledon eingeladen war, bestand Deutschland noch aus zwei Teilen.

Die feine Gesellschaft traf sich seinerzeit im Savoy Hotel am Londoner Strand und nicht im Interconti in der Park Lane. Tennistrainer waren damals noch nicht weltbekannt und nur selten gefragte Gesprächspartner.

Ein Vierteljahrhundert ist das nun her, Novak Djokovic war gerade mal zwei Jahre alt.

Nun sorgte der Serbe dafür, dass Becker zum vierten Mal im edlen Zwirn einen netten Abend auf Einladung des All England Club verbringen durfte. In einem hochklassigen Fünfsatz-Krimi bezwang Djokovic den Schweizer Rekordchampion Roger Federer in einem denkwürdigen Finale und gewann Wimbledon zum zweiten Mal nach 2011.

[instagram url="//instagram.com/p/qIVdULEf44/embed/"]

"Ich bin sehr erleichtert, einen Grand-Slam-Titel mit Boris gewonnen zu haben", sagte Djokovic nach dem Match der "BBC". "Es gab viele Leute, die unsere Zusammenarbeit infrage gestellt haben. Aber ich bin sicher, wir sind eine großartige Kombination." Tatsächlich steckt im neuen "Djoker" viel Becker.

Mentale Stabilität von Becker

Im "Wohnzimmer" seines Trainers, dem Centre Court an der Church Road, strapazierte Djokovic nicht nur die Nerven des Deutschen, hatte sich aber im entscheidenden Moment dann doch im Griff (SHOP: Jetzt Tennis-Artikel kaufen).

Becker hat dem manchmal zur Selbstzerfleischung neigenden Serben das unbedingte Vertrauen in die eigenen Qualitäten eingeimpft. Nach dem verspielten 5:2-Vorsprung im vierten Satz wäre er nach drei verlorenen Major-Finals in Folge ohne ihn vielleicht eingebrochen (DATENCENTER: Wimbledon Herren).

Diesmal hielt er jedoch an seinem Plan und nutzte im fünften Durchgang bei 4:4 eiskalt seine Chance - früher auch eine Stärke Beckers. "Es ist sicherlich eine große Genugtuung, hier als Spieler und Trainer gewonnen zu haben. Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle, schlimmer als wenn man selbst spielt", sagte der stolze Coach.

Das Pokerface wahren

Spielerisch muss er Djokovic ohnehin nichts mehr beibringen. Die Erfahrung eines Ex-Profis, der diese Situationen hundertmale selbst durchgemacht hat, ist für die heutigen Topspieler unschätzbar.Nicht umsonst hat der unterlegene Federer einen Stefan Edberg in seiner Box.

Mit seiner weltweiten Strahlkraft fungiert Becker aber auch ein bisschen als mediales Schutzschild und gibt seinem Schützling die Möglichkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Speziell bei Djokovic geht es aber vor allem um die Kontrolle und Kanalisierung der Emotionen. Diesbezüglich lernt auch der 46-jährige Lehrmeister nicht aus.

"Mein Herz brennt, ich bin mit Feuer und Flamme dabei", sagte Becker später: "Aber es bringt dem Spieler doch nichts, wenn mir die Pferde auf der Tribüne durchgehen." Er müsse sein "Pokerface" wahren (910711DIASHOW: Wimbledon 2014).

Becker sah "innerlich aufgewühlt" ein Match, das an "Emotionen und Qualität nicht zu überbieten war". "Doch Novak hat immer die passende Antwort gegeben", sagte Becker und meinte, selten solch ein hochklassiges Finale gesehen zu haben.

[tweet url="//twitter.com/hashtag/Djokovic?src=hash"]

Wieder die Nr. 1

Auch der Champion sah sich auf einem ganz neuen Level. "Das war sicher das beste Grand-Slam-Finale, an dem ich beteiligt war", sagte Djokovic, der auch schon das Rekordmatch im Endspiel von Melbourne 2012 über fast sechs Stunden gegen Rafael Nadal gewonnen hatte.

"Ich habe nicht nur gegen meinen Gegner gewonnen, ich habe auch gegen mich selbst gewonnen", sagte Djokovic: "Ich habe schon angefangen zu zweifeln. Ich brauchte dringend solch einen Sieg."

Als Krönung ist er nun auch zurück an der Spitze der Weltrangliste. Nach neun Monaten löste er Nadal auf Platz eins ab.

"Beckovic" will noch mehr

Dafür hatte er Becker in sein Team geholt, und nach sechs Monaten kann der Trainer-Neuling stolz berichten: "Wir sind am Ziel."

Das Ende der Kombination mit dem Spitznamen "Beckovic" ist der Wimbledonsieg allerdings nicht obowohl Djokovic mit seinem siebten Grand-Slam-Erfolg an seinem Trainer vorbeizog.

Becker und seine Kollegen planen bereits den Übergang zur US-Hartplatzserie.

"Jetzt heißt es, den Platz zu verteidigen. Wir Trainer müssen diesen Sieg taktisch und strategisch sehen. Wir müssen festhalten, wie Novak dieses Match gewonnen hat, um uns in schwierigen Momenten daran zu erinnern", sagte Becker.

[tweet url="//twitter.com/hashtag/teamdjokovic?src=hash"]

Djokovic heiratet und wird Papa

Djokovic wollte nach dem Drama auf dem Heiligen Rasen davon nichts mehr wissen: "Es stehen wichtige Termine an. Wir heiraten. Und ich werde in ein paar Monaten zum ersten Mal Vater."

Seine Verlobte Jelena Ristic wird er in wenigen Tagen auf einer Insel in Montenegro ehelichen. Konkurrent Andy Murray ist der Trauzeuge, auch Becker ist dabei und kann seinem Schützling sicher auch für diesen neuen Lebensabschnitt einige Tipps geben.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel