vergrößernverkleinern
Barbara Rittner (l.) und Anna-Lena Grönefeld sind ein Herz und eine Seele © getty

Im zweiten Teil spricht Rittner bei Sport1 über die Förderung in Osteuropa und verrät, warum Steffi Graf so erfolgreich wurde.

Unter den ersten zehn Spielerinnen der Weltrangliste stehen acht, die aus Osteuropa kommen.

Die beste Deutsche ist Sabine Lisicki auf Rang 60.

Welche Unterschiede es zwischen der Nachwuchs-Förderung im Osten und der in Deutschland gibt, erklärt Barbara Rittner im zweiten Teil des Sport1-Interviews.

Sport1: Generell stellt sich die Frage, warum seit Graf und Huber keine Spielerin mehr nachgekommen ist, die sich konstant in der Weltspitze etablieren konnte?

Rittner: Man kann Spielerinnen wie Huber und vor allem wie Graf nicht am Fließband produzieren. Die jungen Mädels arbeiten alle hart, aber nicht jede hat das Zeug dazu. Anna kann in Zukunft wieder eine Spielerin werden, die oben anknüpft. Es spielen immer viele Faktoren eine Rolle. Das Umfeld und die private Entwicklung beispielsweise. Es müssen viele kleine Mosaik-Stückchen zusammenpassen.

Sport1: Genügend Talente, die es auch nach ganz oben schaffen können, gibt es aber?

Rittner: Ja. Man muss jetzt eben abwarten und ihnen Zeit geben.

Sport1: Vor allem Russland und auch Serbien haben viele Top-Spielerinnen. Kann man sich von der Förderung in diesen Ländern etwas abschauen?

Rittner: Von denen was abzuschauen ist schwierig, weil wir sonst alle unsere 12-jährigen Kinder aus der Schule rausnehmen müssten. Es ist so, dass die Spielerinnen aus dem Ostblock keine schulischen Belastungen haben. Die können schon drei Mal am Tag trainieren. Bei uns ist das ganze Schulsystem für alle Profi-Sportarten eher kontraproduktiv. Wenn die Mädchen um 16 Uhr aus der Schule kommen, dann können sie höchstens ein Mal Tennis spielen und eine Konditionseinheit machen. Da müssen wir in den Verbänden in Richtung Tennis-Internate und Fernschulen umdenken. Sonst können die Mädels den Rückstand nicht mehr aufholen.

Sport1: Also werden die Mädchen vom Verband falsch gefördert?

Rittner: Nein. Es hat ja bislang gut funktioniert. Aber es ist einfach an der Zeit etwas zu ändern. Das wissen die Verbände auch, aber das dauert eben seine Zeit, bis man die Strukturen ein wenig aufbricht.

Sport1: Wenn sie die weiblichen Muskelpakete auf der Tour sehen. Kommen ihnen da manchmal Zweifel, ob da alles mit rechten Dingen zugeht?

Rittner: Dass da Muskelpakete sind, sehe ich nicht so. Die sind eben alle sehr groß. Ich werde mich hüten, mir jetzt die Zunge zu verbrennen. Aber wie in jeder Sportart wird natürlich gemunkelt, wenn eine 14-Jährige 1,80 m ist. Ich glaube aber, dass die Sportart Tennis eine weiße Weste hat. Die meisten sind einfach gut durchtrainiert.

Sport1: In der Vergangenheit und Gegenwart spielen Tennis-Väter eine gewichtige Rolle. Wie Peter Graf, Oswaldo Sabatini oder der Vater der Williams-Schwestern. Sind solche Väter förderlich? Fehlt es dem deutschen Tennis vielleicht sogar an solchen Vätern?

Rittner: Diese Väter sind mit Sicherheit förderlich. Die genannten Beispiele beweisen das. Ich behaupte: Steffi Graf wäre nie so erfolgreich geworden, wenn ihr Vater nicht in jungen Jahren schon so dahinter gewesen wäre. Er hat ihr bei vielem geholfen. Aber das muss natürlich jeder für sich entscheiden. Bei mir wäre so etwas nicht denkbar gewesen. Bei Sabine Lisicki hingegen ist der Vater immer dabei. Aber es darf nicht so sein, dass von der Familie Druck ausgeübt wird. Wenn die Eltern mehr wollen als die Kinder, dann wird es schwierig.

Hier geht es zurück zum ersten Teil

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel