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Im Januar 2009 gewann Sania Mirza den Mixed-Wettbewerbs der Australian Open © getty

Sania Mirza, Indiens beste Tennisspielerin, will einen Pakistani heiraten und erzürnt ihre radikalen Landsmänner.

Von Martin Hoffmann

München - Die beste Tennisspielerin des Landes und ein Topstar der inoffiziellen Nationalsportart sind ein Liebespaar und wollen heiraten.

In den meisten Ländern würde ein solcher Ehebund als Hochzeit im Himmel gefeiert. In Indien ist die Angelegenheit komplizierter.

Dort ist die Hölle los, seit öffentlich wurde, dass Sania Mirza den Cricket-Spieler Shoaib Malik heiraten will.

Radikale Kräfte stecken auf offener Straße Poster der 23-Jährigen in Brand - und fordern gar, sie aus dem Land zu werfen.

Nationalisten auf den Barrikaden

Der Grund für den Aufruhr: Malik stammt aus dem Nachbarstaat Pakistan, mit dem Indien im vergangenen Jahrhundert vier Kriege geführt hatte - und das speziell Nationalisten als Feindbild Nummer eins pflegen.

Er könne nicht akzeptieren, dass Mirza einen Mann aus einem Feindesland heirate, das Tausende Inder auf dem Gewissen habe, lässt sich Farhad Khan, einer der Wortführer der Zündler, in indischen Medien zitieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass Mirza großen und hierzulande kaum nachvollziehbaren Trubel in ihrer Heimat auslöst.

Angezeigt wegen nackter Füße

Islamische Kräfte stören sich seit jeher daran, dass die gläubige Muslimin mit kurzen Röcken auf dem Court steht.

Mirza erzürnte die Strenggläubigen in ihrer Heimat weiter, als sie 2005 auf einer Konferenz für Safer Sex eine Ansprache hielt.

In einer besonders bizarren Episode sollte Mirza vor zwei Jahren vor Gericht gezerrt werden, weil sie auf einem Agenturfoto barfuß neben einer indischen Flagge zu sehen war - was Nationalisten als Angriff auf die Ehre des Landes werteten.

Frustriert kündigte Mirza danach an, keine Tennisturniere in ihrer Heimat mehr zu bestreiten.

Auch Malik kontroverse Figur

Malik ist in seiner Heimat eine nicht weniger kontroverse Figur.

Aus dem Cricket-Nationalteam ist er für ein Jahr suspendiert worden, weil er ein ständiger Quell der Zwietracht sein soll.

Im Jahr 2007 sorgte Malik in der ganzen Region für Furor, als er "allen Muslimen auf der Welt" für ihre Unterstützung Pakistans dankten - was sowohl bei den Nicht-Muslimen in Pakistan als auch bei den Muslimen im Ausland (speziell in Indien) für Unmut sorgte.

Eine zweite Frau vergrößert den Ärger

Das feindschaftliche Verhältnis der Heimatländer von Mirza und Malik ist dabei nicht einmal das Komplizierteste an der Verbindung.

Der Aufruhr hat sich noch vergrößert, als eine zweite indische Frau auf den Plan trat und erklärte, bereits mit Malik verheiratet zu sein.

Ayesha Siddiqui ist 2002 in einer Zeremonie namens "Nikah" mit Malik verheiratet worden - per Telefon.

Malik bestritt das zunächst, seine Gemahlin konnte jedoch eine Heiratsurkunde mit seiner Unterschrift vorlegen. Seitdem erklärt Malik, dass die Hochzeit nicht rechtens war.

Fünf Polizei-Einheiten ermitteln

Er konnte damit nicht verhindern, dass die Affäre noch größere Dimensionen annahm.

Malik ist nach seinem Eintreffen in Indien zu Polizeiverhören bestellt worden, auch sein Pass ist ihm abgenommen worden. Medienberichten zufolge kümmern sich nicht weniger als fünf Ermittlungseinheiten um den Fall.

Es sieht aus, als ob die eigentlich für den 15. April angesetzte Hochzeit verschoben werden muss.

Kein Bollywood-Regisseur hätte sich eine ereignisreichere Liebesgeschichte ausdenken können.

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