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Ana Ivanovic war 2008 drei Monate lang die Nummer 1 der Tennis-Weltrangliste © getty

Der freie Fall der ehemaligen Nummer 1 geht auch in Stuttgart weiter. Sie benennt ihr größtes Problem - und verweist auf Agassi.

Stuttgart - Bewundernde Blicke erntet Ana Ivanovic nur noch abseits des Tenniscourts:

Als Model auf den Titelseiten der Männer-, Frauen- und Modemagazine. Bewegt sich die einstige Weltranglistenerste derzeit an ihrem Arbeitsplatz, wird beim Beobachter vor allem ein Gefühl ausgelöst: Mitleid.

Gefolgt von der Frage nach dem Warum, nach den Ursachen für den tiefen Absturz von Ivanovic.

Beim WTA-Turnier in Stuttgart folgte durch das Erstrunden-Aus gegen die Polin Agnieszka Radwanska (6:7, 4:6) der nächste Rückschlag.

Ohne Kommentar und mit Tränen in den Augen floh Ivanovic nach der siebten Niederlage im zwölften Match 2010 aus der Schwabenmetropole.

"Ana muss den Kreislauf durchbrechen"

Dabei hatte sie vor dem Spiel noch behauptet: "Ich spüre, wie mein Selbstvertrauen wieder steigt." Doch der freie Fall der auf Platz 57 der Bestenliste abgestürzten 22-Jährigen geht ungebremst weiter.

Ihr Trainer Heinz Günthardt, einst Erfolgscoach von Steffi Graf, nimmt Ivanovic ungeachtet der deprimierenden Situation in die Pflicht.

"Ana muss den Kreislauf von Niederlagen durchbrechen", forderte der Schweizer:

"Es wird sich zeigen, ob ihr das in der nächsten Zeit gelingt." Dabei lag der hübschen Serbin nach ihrem Turniersieg bei den French Open 2008 die Tennis-Welt zu Füßen.

Werbe-Ikone mit Sexappeal

Königin Ana I., wie die Medien Glamourgirl Ivanovic voller Bewunderung tauften, bestieg im Juni 2008 sogar für zwölf Wochen den Tennis-Thron. (Glamour Girl Wozniacki greift nach der Nummer 1)

Die weltweite Aufmerksamkeit erreichte bald ihren Höhepunkt:

Ivanovics Website verzeichnete im gleichen Monat rund 48 Millionen Klicks - keine Internetseite eines Sportstars wurde im gleichen Zeitraum häufiger besucht.

Sie unterschrieb millionenschwere Verträge und stieg zur Werbe-Ikone mit Sexappeal auf. Kritiker behaupten, unmittelbar nach dem großen Triumph auf der Pariser Asche seien bereits die Vorboten des Abstiegs zu erkennen gewesen.

"Ich war ausgebrannt"

"Es ist, als hättest du von der süßen Frucht des Erfolgs genascht", sagte Ivanovic der Tageszeitung "Die Welt":

"Da steigen plötzlich die Erwartungen, die du an dich stellst. Aber auch die, die von Medien und Sponsoren an dich herangetragen werden."

Zum immensen Druck gesellten sich mentale Erschöpfung und Verletzungen an Knie, Schulter und Daumen. Ein Teufelskreis, aus dem Sie nicht herauskam.

"Ich habe mich nicht sicher gefühlt, ich verschlug die einfachsten Bälle, und am Ende ging mein ganzes Selbstvertrauen drauf", berichtete die serbische UNICEF-Botschafterin und gestand: "Ich war ausgebrannt."

Reha-Effekt blieb aus

Nach ihrem tränenreichen Erstrunden-Aus bei den US Open im September 2009 zog Ivanovic die Notbremse und entschied sich für eine wochenlange Auszeit.

Als Weltranglisten-22. beendete sie ein Jahr voller Pleiten, Pech und Pannen vorzeitig. (DATENCENTER: Die Weltrangliste der Frauen)

Der erhoffte Reha-Effekt blieb bisher aus. Trotz eines vielversprechenden Saisonstarts mit dem Erreichen des Halbfinals in Brisbane scheiterte Ivanovic bei den Australian Open bereits in der zweiten Runde.

Ivanovic vergleicht sich mit Agassi

Als Hemmschuh hat sie, die in den Neunziger Jahren in einem leeren Schwimmbecken im zerbombten Belgrad mit dem Tennisspielen begann, ihren Perfektionismus ausgemacht.

Beim Lesen der Autobiografie von Tennis-Ikone und Graf-Ehemann Andre Agassi ("Open") hat sich Ivanovic jüngst selbst entdeckt.

"Am besten hat mir gefallen, als ihm sein Trainer sagt: "Hey Andre, du musst nicht immer perfekt sein. Du hast kein Selbstvertrauen, und das liegt an deinem Perfektionismus. "Ich bin gerade dabei, daraus zu lernen", sagte Ivanovic.

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