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Julia Görges hat bislang zweimal im Fed Cup für Deutschland gespielt © imago

Im Interview der Woche spricht Julia Görges über ihre nächsten Ziele, die Kritik von Rittner sowie ihre Vorliebe für Biathlon.

Von Julian Meißner

München - Ihr ganz persönliches Ziel für das Jahr 2010 hat sie bereits erreicht: Julia Görges gehört nach dem Turniersieg in Bad Gastein erstmals in ihrer Karriere zum Kreis der 50 weltbesten Tennisspielerinnen.

Die 21-Jährige aus dem schleswig-holsteinischen Bad Oldesloe rangiert in der WTA-Weltrangliste nun auf Platz 42 und machte im Vergleich zur Vorwoche 23 Plätze gut.

Von der deutschen Nummer eins Andrea Petkovic auf Rang 38 trennen sie damit nur noch vier Positionen - das Rennen um die Vormachtstellung in Deutschland bedeutet ihr jedoch nicht sonderlich viel, wie sie im Gespräch mit SPORT1 erläutert.

Im Interview der Woche spricht Görges zudem über ihre langfristigen Ziele, die US Open im August sowie ihre Vorliebe für Biathlon.

SPORT1: Frau Görges, können Sie mit ein bisschen Abstand beschreiben, was der bislang größte Erfolg Ihrer Karriere in Ihnen ausgelöst hat?

Julia Görges: Noch nicht wirklich, auch wenn ich jetzt ein paar Tage frei hatte. Es wird sicher noch ein bisschen dauern, bis ich begreife, was in dieser Woche vorgegangen ist. Jedenfalls wache ich momentan mit einem Lächeln auf dem Gesicht auf.

SPORT1: Gehen Sie nun befreiter zu Werke, weil eine große Hürde genommen ist?

Görges: Befreiter nicht, aber mit mehr Selbstvertrauen. Man sollte diesen Turniersieg nicht überbewerten. Es ist eine schöne Sache, aber ich habe noch viel Arbeit vor mir.

SPORT1: Was konkret wollen Sie verbessern?

Görges: Es ist mehr mein Spiel im Allgemeinen als Einzelheiten. Ich muss konstanter werden und am besten das ganze Jahr über auf einem Level spielen.

SPORT1: Die Top 50 waren angepeilt für 2010, das haben Sie schon jetzt mit Rang 42 erreicht. Wie sind die neuen Ziele für die laufende Saison?

Görges: Erst einmal möchte ich langfristig in den Top 50 bleiben. Ich habe diese Marke nun geknackt, das ist schön. Aber ich möchte mich etablieren. Dazu gehört mehr als ein Turniersieg. Um noch ein höheres Level zu erreichen, muss ich weiter hart trainieren.

SPORT1: Andrea Petkovic ist momentan als beste Deutsche die Nummer 38 der Welt. Welche Bedeutung hätte es für Sie, die deutsche Nummer eins zu sein?

Görges: Gar keine. Wir sind ungefähr auf Augenhöhe. Da spielt es keine Rolle, ob mal ich die Nummer eins bin oder ob es mal Andrea ist. Es gibt von meiner Seite keine ausgeprägte Rivalität zu den deutschen Spielerinnen. Und ich denke, die anderen sehen das auch so. Wir alle kämpfen für ein Ziel: Wir wollen möglichst weit nach oben kommen. Da geht es weniger um die Rangliste in Deutschland.

SPORT1: Aber braucht man auf der WTA-Tour nicht eine ausgeprägte Einzelkämpfer-Mentalität?

Görges: Klar, im Endeffekt ist es schon so: Jeder macht sein eigenes Ding. Vielleicht spiele ich gerade deshalb auch sehr gerne Doppel, weil man dabei gemeinsam etwas erreichen kann.

SPORT1: Wie definieren Sie Ihre langfristigen Ziele?

Görges: Ich bin immer sehr vorsichtig, wenn es um Zahlen geht. Lieber sage ich: Ich möchte Schritt für Schritt nach vorne kommen. Das hat in den letzten Jahren ganz gut funktioniert. Man muss die gesamte Tennisspielerin sehen und nicht nur die Rangliste.

SPORT1: Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner sagte über Sie: "Sie muss einfach ihren Kopf zusammenhalten, dann geht da noch so einiges." Heißt das, Sie haben noch Steigerungspotenzial, was die Konzentration angeht?

Görges: Ich denke, dass ich mich in diesem Bereich schon verbessert habe und auf einem guten Weg bin. Die Psyche ist ein guter, ein solider Teil von mir. Aber ganz ausgereift bin ich mental sicher noch nicht.

SPORT1: Macht der Kopf den Unterschied aus für die, die es nach ganz oben schaffen?

Görges: Das stimmt zwar, aber man wächst in diese Situation auch hinein. Die Top-Spielerinnen haben natürlich viel mehr Matches auf höchstem Niveau. Dementsprechend gewöhnt man sich daran, im richtigen Moment das Maximum abzurufen. Wenn man von hinten kommt, muss man erst Erfahrung sammeln.

SPORT1: Bad Gastein fand auf Asche statt, nun geht es auf Hardcourt. Was ist Ihr Lieblingsbelag?

Görges: Ursprünglich waren es Hartplatz und Rasen, aber mittlerweile habe ich die besseren Ergebnisse auf Sand. Ich fühle mich auf allen Belägen wohl.

SPORT1: Was erwarten Sie sich vom nächsten Turnier in Kopenhagen?

Görges: Für mich ist es Vorbereitung auf die US Open. Danach folgt vor Flushing Meadows nur noch ein kleineres ITF-Turnier in der Bronx. Deshalb möchte ich möglichst viele Spiele bekommen, um mich gut vorzubereiten. Außerdem trete ich im Doppel mit Anna-Lena Grönefeld an, auch das gibt Matchpraxis.

SPORT1: Sie sind großer Biathlon-Fan, obwohl Bad Oldesloe nicht gerade als Mekka des Wintersports bekannt ist. Wie kommt es dazu?

Görges: Ich habe vor vielen Jahren mal den Fernseher eingeschaltet und die schwedische Biathletin Magdalena Forsberg gesehen, die einfach alles gewonnen hat. Von da an hat mich diese Kombination aus Laufen und Schießen total begeistert. Und es ist etwas komplett anderes als Tennis.

SPORT1: Wie sieht es mit eigenen Erfahrungswerten aus?

Görges: Die existieren leider noch nicht. Ich habe zwar mal einen Gutschein zum Geburtstag bekommen, aber immer, wenn die Saison losgeht, fliege ich nach Melbourne zu den Australian Open.

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