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Caroline Wozniacki konnte bisher noch kein Grand-Slam-Turnier gewinnen © getty

Dass sie auch ohne Grand-Slam-Sieg die neue Nummer 1 ist, bekümmert die Dänin wenig. Ohnehin setzt Wozniacki andere Maßstäbe.

Frankfurt/Peking - Die kritischen Stimmen waren der neuen Herrscherin im Damen-Tennis in diesem magischen Moment egal:

Caroline Wozniacki stellte sich mit der überdimensionalen Nummer eins aus Blumen im Arm und der dänischen Flagge über den Schultern strahlend den Fotografen.

"Ich bin sehr stolz, mich als Beste der Weltrangliste bezeichnen zu können. Es ist ein unglaubliches Gefühl, aber ich habe auch hart für diesen Moment gearbeitet", meint die 20-Jährige, die am Montag auch noch das Finale von Peking gegen Wera Swonarewa (Russland) gewann.

Das für Sonntag angesetzte Endspiel musste wegen starker Regenfälle verschoben werden.

Erste Dänin an der Spitze

Bereits durch ihren Viertelfinaleinzug in China hatte Wozniacki erstmals den Sprung auf den Thron geschafft und wird seit Montag offiziell als Nummer eins im Computer geführt.

Damit löst das "It-Girl" (New York Times) mit den bunten Fingernägeln und der illustren Fan-Schar um US-Milliardär Donald Trump Serena Williams ab.

Die 13-malige Grand-Slam-Siegerin aus den USA hat seit ihrem Wimbledonsieg im Juli wegen einer Fußverletzung kein Match mehr bestritten und musste nun für ihre Pause bezahlen.

Wozniacki ist die erste Dänin und die insgesamt 20. Tennisspielerin an der Spitze der Weltrangliste.

Wozniacki noch ohne Grand-Slam-Sieg

Der Sturm von "Caro" auf den Platz an der Sonne wurde allerdings begleitet von kritischen Stimmen.

Denn: Wozniacki hat noch kein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Das beste Major-Ergebnis der Tochter eines ehemaligen Fußballprofis und einer Volleyball-Nationalspielerin war das Erreichen des US-Open-Finals 2009.

Das einzig Konstante im Frauentennis scheint derzeit die Inkonstanz. Die Führung an der Spitze hat seit Mitte 2008 bereits elfmal gewechselt. Zeiten, in denen Ausnahmeerscheinungen wie Steffi Graf insgesamt 377 Wochen die Nummer eins waren, gehören längst der Vergangenheit an.

Lästereien über die "Vielspielerin"

In Sachen Quantität setzte Wozniacki allerdings Maßstäbe: Seit ihrer Endspielniederlage in New York hat sie an 25 Turnieren teilgenommen.

Serena Williams im Vergleich dazu nur an 14. Für WTA-Tourchefin Stacey Allaster haben die Lästereien über "Vielspielerin" Wozniacki keine Substanz.

"Es ist keine Überraschung, dass Carolines unglaubliche Physis, ihre Disziplin und ihr Fokus auf den Erfolg sie zur Nummer eins gemacht haben. Sie hat es sich verdient", sagt Allaster über "Danish Dynamite".

Hoher Glamourfaktor

In Sachen Glamourfaktor hatte die in Odense geborene Wozniacki schon längst das Zeug für den Tennis-Thron.

In einem Werbespot der WTA tritt sie in Highheels und Cocktailkleid auf. Vor wenigen Wochen saß die langhaarige Blondine am Rande der US Open als Gast der berühmt-berüchtigten Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour bei einer Modenschau unweit des Broadways in der ersten Reihe.

Mit Stuart-Weitzman-Schuhen und Juwelen von Kara Ross ausstaffiert. Bezeichnend auch, dass Donald Trump in Flushing Meadows Stammgast in der Box der Dänin mit den polnischen Wurzeln war.

Wozniacki genießt es: "Ich stehe eben gerne im Rampenlicht".

Keine Probleme mit Druck

Mit dem Druck scheint die dynamische Grundlinienspielerin gut leben zu können - Wozniacki nutzt ihn für ihre Zwecke.

"Wer schlecht spielt, hat keine Probleme. Nur wer gut ist, hat Druck und gerät ins Blickfeld", sagt die neue Nummer eins, die sich lächelnd an die Anfänge ihrer Karriere erinnert: "Da war ich so schlecht, dass keiner mit mir spielen wollte. Da habe ich eben ewig gegen die Ballwand geschlagen."

Auch die Kontrahentinnen loben die Entwicklung von Wozniacki.

"Caro ist konstanter geworden und hat ihr Niveau nochmal gesteigert", erklärt US-Open-Siegerin Kim Clijsters (Belgien).

"Wir Blonden haben mehr Spaß"

Allerdings hat der Ruhm seinen Preis. "Besuche ich zu Hause ein Restaurant, sehe ich mein Bild am nächsten Morgen in der Zeitung. Irgendwie werden mir immer Liebschaften angedichtet", berichtet Wozniacki.

Doch eine wie sie, die ganz selbstbewusst Fußball-Star David Beckham begrüßt und Kronprinz Frederik von Dänemark zu ihren größten Fans zählt, nimmt das billigend in Kauf.

Zumal die Einstellung offenbar stimmt: "Wir Blonden haben einfach mehr Spaß am Leben", meint Wozniacki jüngst.

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