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Andrea Petkovic erreichte 2010 das Achtelfinale der US Open © getty

Nach einer schweißtreibenden Vorbereitung will Andrea Petkovic bei den Australian Open angreifen. Die Erwartungen sind enorm.

München - Die sechswöchige Schinderei hat ein Ende.

Die erste Belohnung für die Plackerei im Kraftraum und beim Zirkeltraining hat sich Tennis-Ass Andrea Petkovic aber nicht beim Gansessen unter dem heimischen Weihnachtsbaum abgeholt.

Bereits am Tag nach Heiligabend saß Deutschlands Nummer eins im Flugzeug und jettete fit wie selten zuvor ans andere Ende der Welt.

Bevor am 17. Januar die Australian Open in Melbourne beginnen, stehen Down Under die Turniere in Brisbane und Sydney auf dem Programm. (DATENCENTER: Die WTA-Turniere 2011)

Lob und Anerkennung von allen Seiten

Auf der Sonnenseite im australischen Sommer möchte Petkovic die ersten Früchte ihrer intensiven Vorbereitung ernten. "Ich will mein Spiel insgesamt auf ein neues Level heben. Mehr Konstanz und Variabilität zeigen", sagte Petkovic.

Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner traut ihr mittelfristig "den Sprung in die Top 20" zu.

Und auch Trainer-Guru Nick Bollettieri bescheinigt der 23-Jährigen, die in Melbourne zum ersten Mal bei einem Major-Turnier gesetzt sein wird, großes Potenzial. "Andrea setzt vieles schnell um und kennt keine Angst."

Außerdem belebe die Weltranglisten-32. die Tour mit ihrer "erfrischenden Art".

Studium hilft der Profikarriere

Petkovic unterscheidet sich weiterhin von fast allen Profis, bleibt ihrer Linie auch in der Glitzerwelt Profizirkus treu. Ihr Horizont endet nicht an der Grundlinie.

Die Darmstädterin ist in Interviews schlagfertig, überschreitet auch gerne mal die eingeplante Zeit, weil es einfach noch so viel zu erzählen gibt.

Über die Befürchtung, ihr Politik-Studium könne sie vom Sturm an die Weltspitze ablenken, kann "Petko" nur lachen: "Ich brauche das. Nach acht Stunden Tennis will ich lesen, wer bei der Französischen Revolution dabei war."

Das sei wie mit einem Bankmanager, der nach der Arbeit aus Spaß mit seinem Ferrari durch die Gegend rast. Lernen fürs Studium wie Ferrarifahren - auch eine Sichtweise. Aber typisch für Petkovic, die jetzt fest mit Trainer Petar Popovic zusammenarbeitet.

Trainingseinheiten mit Clijsters und Henin

Dass sie an guten Tagen mit den Weltbesten mithalten kann, bewies die Hessin in der vergangenen Saison: Bei den US Open erreichte Petkovic erstmals das Achtelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier.

Drei Monate zuvor war sie bei den French Open erst an der damaligen Titelverteidigerin Swetlana Kusnezowa gescheitert - und vergab dabei vier Matchbälle.

"Ich habe mich mittlerweile auf der Tour etabliert", stellte Petkovic fest. Bester Beweis: Bei Turnieren ist sie bei Topspielerinnen wie Kim Clijsters oder Justine Henin eine beliebte Trainingspartnerin.

In Sachen Fitness ist nach dem Drill der vergangenen Wochen in der neuen Akademie der ehemaligen Davis-Cup-Spieler Alexander Waske und Rainer Schüttler in Offenbach kaum mehr eine Steigerung möglich. "Da gehöre ich wahrscheinlich zu den Top 10", sagte Petkovic.

Starke Physis und hohe Variabilität

Sie möchte aber mehr: "Ich will nach Möglichkeit die fitteste Spielerin werden."

Wohlwissend, dass sich eine zu große Physis auch kontraproduktiv auswirken kann. Als stereotype Arbeiterin auf dem Court will sie nämlich nicht gelten. Petkovic: "Ich will auch mal eine Slice-Rückhand einstreuen. Mein Spiel soll nicht zu eindimensional und mechanisch sein."

In Sachen Bekanntheitsgrad besteht allerdings noch Nachholbedarf. Obwohl Petkovic, die mit einem Musiker liiert ist und ein eigenes "Petkorazzi-Lied" hat, via Homepage und Twitter bestens vernetzt ist, wird sie in Deutschland auf der Straße bislang kaum erkannt.

"Das liegt daran, dass hier Tennis im Fernsehen nicht gezeigt wird", so Petkovic.

Zumindest ein Angestellter des Frankfurter Flughafens zeigte neulich seine Tennis-Fachkenntnis. Als Petkovic ihren Pass verloren hatte, rief der Mitarbeiter sofort ihre Homepage auf und stellte so den Kontakt zur Darmstädterin her.

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