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Andrea Petkovic gewann 2009 in Bad Gastein ihr erstes Turnier auf der WTA-Tour © getty

Deutschlands Nummer eins Andrea Petkovic spricht bei SPORT1 über die Sehnsucht nach Trophäen und entkräftet die Kritik am Petko-Dance.

Von Benjamin Bauer

München - Viel fehlt nicht mehr. Das Nahziel hat Andrea Petkovic vor den Augen.

Nach ihrer Viertelfinal-Teilnahme bei den Australian Open in Melbourne gehört Deutschlands größte Hoffnung im Damentennis erstmals in ihrer Karriere zu den 25 besten Spielerinnen der Welt.

Die 23-Jährige verbesserte sich um neun Positionen auf Platz 24 und hat ihr Saisonziel Top 20 deutlicher denn je im Visier. (DATENCENTER: Die WTA-Weltrangliste)

Der Sprung im WTA-Ranking dürfte ein weiterer positiver Nebeneffekt sein, den Petkovic vom ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres mit nach Hause nimmt.

Denn der verpassten Halbfinalchance trauert sie in keinster Weise nach. "Bei mir überwiegt eindeutig die Freude über den gelungenen Saisonstart", sagt die Darmstädterin bei SPORT1.

Im SPORT1-Interview spricht Deutschlands Nummer eins über ihre persönlichen Ziele, Tanzeinlagen mit Feliciano Lopez und ihre "Twitter-Wünsche" für 2011.

SPORT1: Frau Petkovic, auf dem langen Flug von Australien hatten Sie viel Zeit. Was haben Sie gemacht? Über die verpasste Chance des Halbfinaleinzugs nachgedacht, einfach nur geschlafen oder schon wieder für die Uni gelernt?

Andrea Petkovic: Nach all dem Rummel und Eindrücken aus Melbourne habe ich auf dem Flug größtenteils geschlafen. Den Jetlag konnte ich leider trotzdem nicht vermeiden. Einer verpassten Chance trauere ich nicht nach. Bei mir überwiegt eindeutig die Freude über den gelungenen Saisonstart.(DATENCENTER: Die Australian Open)

SPORT1: Wo sehen Sie in Ihrem Spiel noch Entwicklungspotenzial?

Petkovic: Ich möchte noch mehr Konstanz an den Tag legen und kontinuierlich auf meinem besten Niveau spielen. Außerdem will ich an meiner Taktik feilen und mehr Variation in mein Spiel bringen.

SPORT1: Sie sagten, sie befinden sich am Start Ihrer Reise. Wohin soll die Reise denn gehen? (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Petkovic: Das Viertelfinale bei den Australian Open soll sicher nicht mein letzter Einzug in die Runde der letzten Acht bei einem Grand Slam gewesen sein. Ich bin hungrig auf weitere Matches dieser Art. Am Ende meiner Reise will ich sagen können, alles gegeben zu haben. Ich bin selber gespannt, wie viel ich dann damit erreichen kann.

SPORT1: Die derzeitige Nummer 1 Wozniakci hat noch nie ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Legen Sie mehr Wert auf Turniersiege oder auf die Weltranglistenposition?

Petkovic: Über allem steht das Ziel, mich insgesamt als Tennisspielerin weiterzuentwickeln. Dann stellt sich auch der Erfolg ein. Generell sind mir Turniersiege aber wichtiger als die Weltranglistenposition. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man weit oben steht, aber eine Trophäe in der Vitrine ist ein noch schönerer Anblick als ein Ausdruck des WTA-Rankings.

SPORT1: Julia Görges und Sie haben die deutsche Fahne in Melbourne hoch gehalten. Wird das deutsche Damentennis zukünftig mehr Erfolge als das deutsche Herrentennis feiern?

Petkovic: Das hängt von so vielen Faktoren ab, dass ich da keine Prognose wagen möchte. Schön wäre es, wenn wir uns gegenseitig anspornen und zu Höchstleistungen antreiben.

SPORT1: Sie haben Abitur und studieren: Wie werden Sie von den Kolleginnen auf der Tour deswegen betrachtet? Diese kennen ja meist seit der Kindheit nur Tennis, Tennis und Tennis...

Petkovic: Ich werde auf der Tour nicht anders betrachtet oder behandelt als andere Spielerinnen. Mit manchen pflege ich Freundschaften, mit manchen ein kollegiales Verhältnis. So zickig, wie die Öffentlichkeit manchmal vermutet, geht es bei uns nicht zu.

SPORT1: Der Petko-Dance ist Ihr Markenzeichen. Weiten Sie die Choreografie aus, kommt noch Musik hinzu und welchen Tennisprofi hätten Sie gern als Tanzpartner?

Petkovic: Es ist nicht geplant, den Petko-Dance auszubauen. Eine festgelegte Choreografie existiert ohnehin nicht, die Bewegungen entstehen spontan. Aktuell versuche ich, Feliciano Lopez dazu zu bewegen, das Tanzbein zu schwingen. Mal sehen, ob er sich traut.

SPORT1: Barbara Rittner hat wegen des Tanzes zur Vorsicht gemahnt. Sie sagte: "Petkovic' Tänzchen nach den Siegen wird von allen belächelt. Ich finde sie toll. Aber sie muss aufpassen. Das ist eine Gratwanderung." Sehen Sie das ähnlich, wo könnte die Gefahr liegen oder wird da zuviel hineininterpetiert?

Petkovic: Der Tanz ist ein Ausdruck des Glücklichseins und der abfallenden Last nach einem gewonnenen Match. Von vielen Fans höre ich, dass sie sich daran erfreuen und sie den positiven Grundcharakter dieser Art des Jubelns schätzen. Das ist das schönste Argument gegen kritische Stimmen.

SPORT1: Sie twittern leidenschaftlich: Was würden Sie 2011 gern zwitschern, wenn Sie einen Wunsch hätten?

Petkovic: "Wer hätte gedacht, dass ich 2011 drei Grand Slams gewinne?" Es wäre der Wahnsinn, wenn ich diesen Tweet rausschicken könnte.

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