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Andrea Petkovic wurde 1987 im bosnischen Tuzla geboren © imago

Nach dem Viertefinal-Aus in Stuttgart lässt sich der Shootingstar zur Pressekonferenz schieben - und witzelt drüber.

Stuttgart - Andrea Petkovic ist am Ende - oder wie sie selber sagt: "Ich bin kaputt."

Die Hoffnungsträgerin musste im Halbfinale des WTA-Turniers in Stuttgart beim 4:6, 1:6 gegen die Weltranglistenerste Caroline Wozniacki aus Dänemark den Strapazen des Rummels um ihre Person Tribut zollen und ließ sich völlig entkräftet im Rollstuhl von ihrem Trainer zur Pressekonferenz schieben.

Ihr Abgang kam dem einen oder anderen wohl bizarr vor. Doch "Petko" lieferte eine Erklärung für die ungewöhnliche Maßnahme. "Der Rollstuhl sollte ein Symbol sein, zeigen wie fertig ich mit der Welt bin. Ich kann echt nicht mehr. Ich wollte damit keinem zu nahe treten", sagte Petkovic gegenüber "Bild".

"Der Akku war leer. Ich fühle mich wie 100. Ich bin eben keine Maschine", sagte Petkovic, "aber ich werde bald eine sein." Ab Montag wird die Darmstädterin erstmals in den Top 15 der Bestenliste auftauchen (DATENCENTER: WTA Stuttgart).

Görges vorsichtig optimistisch

Julia Görges indes könnte mit einem Sieg gegen die Vorjahresfinalistin Samantha Stosur (Australien/Nr. 5) am Samstag (14 Uhr LIVESCORES) als erste Deutsche seit 15 Jahren ins Endspiel von Stuttgart einziehen und weiter vom 408 PS starken Edelflitzer als Belohnung träumen.

"Natürlich gehe ich als Außenseiterin in das Match. Aber ich weiß, dass ich Sam schlagen kann", meinte Görges mit Blick auf den bislang einzigen Vergleich mit der French-Open-Finalistin. Den hatte die 22-Jährige aus Bad Oldesloe 2010 in Tokio gewonnen.

Respekt vor der Prämie

Allerdings würde ein Turniertriumph Görges, die im Viertelfinale Sabine Lisicki 6:4, 6:4 bezwang, vor ein Problem der ungewöhnlichen Art stellen.

Denn neben der Prämie in Höhe von 111..000 Dollar wartet ein silberfarbener Sportwagen auf die Gewinnerin.

"Ich bin allerdings seit drei Monaten kein Auto gefahren. Vielleicht sollte ich es vorher erstmal wieder mit einem normalen Wagen probieren", erklärte Görges. Für die Weltranglisten-32. schlägt bislang ein Turniersieg zu Buche: 2010 in Bad Gastein.

"Petko" zieht ihre Lehren

Petkovic indes hat aus den kräftezehrenden Tagen von Stuttgart bereits ihre Lehren gezogen.

"Ich werde künftig weniger Pressegeschichten machen. Ich weiß, was noch in mir steckt. Und ich weiß auch, dass ich mit meiner Energie haushalten muss", sagte die Australian-Open-Viertelfinalistin, die zuletzt die Kehrseiten des neuen Ruhms zu spüren bekam.

Der Stress des "Petko-Hypes" war der ungewohnt blassen Hessin dann auch deutlich anzumerken. "Ich sehe total schlecht aus und habe Pickel. Die habe ich sonst nie", meinte die neue Vorzeigefrau.

Eintracht-Kick zur Entspannung

In den nächsten Tagen möchte Petkovic zuhause in Darmstadt regenerieren. Viel schlafen, gut essen und sich vielleicht am Samstag im Stadion das Spiel ihres Lieblingsvereins Eintracht Frankfurt gegen Bayern München anschauen.

Und sie will sich darüber freuen, "dass Tennis-Deutschland aufgewacht ist". Dank ihr.

Viel Zeit zum Durchschnaufen bleibt aber nicht: Bereits am 30. April beginnt das Turnier in Madrid, dem die Veranstaltung in Rom folgt. Ab 21. Mai stehen dann die French Open in Paris auf dem Programm.

Keine konkreten Ziele

Bereits zum jetzigen Zeitpunkt hat Petkovic ihr Jahresziel (Top 20) übertroffen. Neue Ziele möchte sie sich aber nicht stecken.

"Ich will mich nicht verrückt machen lassen, von der Platzierung oder dem Geld. Ich will mein Spiel verbessern", sagte sie. Das sei der richtige Weg, wenn der Druck immer größer und die Luft immer dünner werde. Petkovic: "Denn in mir steckt noch viel besseres Tennis."

Und weil körperlich alles ausgereizt ist, soll die Minimierung der Pressetermine neue Energieprozente bringen.

Lob von der Nummer eins

Branchenführerin Caroline Wozniacki, die im Halbfinale auf die Polin Agnieszka Radwanska trifft, lobte Petkovic als "große Spielerin".

In den entscheidenden Momenten gegen die Dänin fehlte der Deutschen aber die Kraft. Petkovic führte 4:1 im ersten Satz und vergab jeweils drei Spielbälle zum möglichen 5:1 beziehungsweise 5:2.

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