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Julia Görges hat bisher über 1,1 Millionen US-Dollar Preisgeld gesammelt © getty

Ein wenig stolz schreibt sich Julia Görges den Tennis-Boom auch selbst zu und spricht über die Unterschiede zu Steffi Graf.

Von Benjamin Bauer

München - Erst Andrea Petkovic, dann Julia Görges. Das deutsche Frauentennis ist im Aufwind.

Mit ihrem Turniersieg in Stuttgart (Bericht) feierte Julia Görges ihren bislang größten Turniererfolg. Im Endspiel besiegte die 22-Jährige dabei keine geringere als die Weltranglistenerste Caroline Wozniacki.

In Madrid wiederholte sie den Erfolg gegen die Dänein gar, scheiterte dann aber entkräftet nach anstrengenden Turnierwochen im Halbfinale an Viktoria Asarenka. Doch durch die Leistungen bei den beiden Turnieren verbesserte sich das große Talent aus Bad Oldesloe auf Weltranglistenplatz 20.

Damit hat der DTB mit Görges und Petkovic erstmals wieder zwei Top-20-Spielerinnen (Bericht: "Jule ist einfach heiß").

"Die Leute interessieren sich wieder für das, was man macht", stellt Görges bei SPORT1 gesteigertes Interesse an ihrer Person fest.

Ihr erhöhter Bekanntheitsgrad hat Görges auch zwei neue Werbe- und Sponsorenverträge eingebracht - davon einer mit einem amerikanischen Unternehmen. Auch international hat sie sich also inzwischen einen Namen gemacht.

Ein dritter großer Vertrag steht nach SPORT1-Informationen kurz vor dem Abschluss.

Außerdem spricht sie im Interview der Woche über ihren Traum Olympia, den Stellenwert von Mode im Damentennis und erklärt, was mit dem Sieger-Porsche aus Stuttgart geschieht.

SPORT1: Die vergangenen Wochen waren sehr erfolgreich und turbulent. Wenn Sie morgens aufstehen und in den Spiegel blicken, fragen Sie sich ob alles ein Traum war oder haben Sie das alles schon verarbeitet?

Julia Görges: Es dauert sicherlich seine Zeit, weil es in den vergangenen Wochen alles recht zügig ging. Ich hatte eigentlich gar keine Zeit zum Begreifen, weil ich gleich weiter zum nächsten Turnier gereist bin. Aber so langsam wird alles Realität - vor allem wegen der vielen Gratulanten.

SPORT1: Wie ist die Resonanz im beschaulichen Ort Bad Oldesloe?

Görges: Ich bin erst seit einer Nacht in Bad Oldesloe und hab von der Stadt noch gar nichts gesehen. Ich war auch noch gar nicht draußen.

SPORT1: Wo steht denn der Porsche, der Preis für den Turniersieg in Stuttgart? 387689(DIASHOW: So "gorgeous" ist Görges)

Görges: Der steht noch nirgends. Das dauert noch ein paar Monate weil der erst noch produziert werden muss. Ich kann mir da noch die Farbe und Ausstattung aussuchen.

SPORT1: Weg vom Auto - hin zum Tennis. Sie haben zwei Mal Caroline Wozniacki geschlagen. Ist die Nummer eins der Tenniswelt Ihre neue Lieblingsgegnerin?

Görges: Lieblingsgegnerin würde ich nicht sagen. Aber wenn man die Nummer eins schlägt, ist es schön und auch immer ein großer Sieg, aber meine Lieblingsgegnerin ist sie auf keinen Fall - auch wenn ich sie jetzt zwei Mal bezwungen habe. Trotzdem ist jedes Match hart gegen sie und sie steht verdient an der Spitze. Aber ich spiele gern gegen sie und wenn man gewinnt, ist es doppelt so schön.

SPORT1: Wie fühlt es sich denn an unter den Top 20 der Weltrangliste zu stehen?

SERVICE: Die aktuelle WTA-Weltrangliste

Görges: Das ist natürlich ein gutes Gefühl und eine Bestätigung für die harte Arbeit jeden Tag. Umso schöner ist es wenn es sich auszahlt und der Name unter den Top 20 erscheint.

SPORT1: Wohin soll die Reise denn noch gehen?

Görges: Das wird sich zeigen. Ich versuche konstant und step-by-step an mir zu arbeiten und auch in schwierigen Phasen an mich zu glauben. Es kann sicherlich nicht immer so weiter gehen und es werden auch schwierige Phasen kommen. Es ist wichtig, mein Leistungsniveau zu halten - selbst wenn man verliert. Man muss aber auch sehen, dass die Masse an guten Spielern breiter geworden ist. Nicht immer wenn man gut spielt, gewinnt man auch. Für mich ist es wichtig konstant gut zu spielen und dann schlägt man auch die Nummer eins. Das ist für mich wichtiger als eine Zahl auf der Weltrangliste.

SPORT1: Welchen Traum haben Sie denn noch? Wie liegt denn die Gewichtung zwischen Grand-Slam-Turnier, Olympia und Fed Cup?

Görges: Olympia ist für jeden Sportler das Größte. Aber mein Start klärt sich erst nächstes Jahr. Mit dem Sieg in Stuttgart ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Das Turnier habe ich früher im TV verfolgt und der Turniersieg jetzt ist ein wahrgewordener Traum. Mal sehen wie es wird, wenn ich bei einem Grand Slam die zweite Woche erreiche, bisher bin ich nie über die dritte Runde hinausgekommen und kann ganz befreit aufspielen. Das Erreichen der zweiten Woche im Einzel wäre für mich ein guter Erfolg.

SPORT1: Wie lauten dann die Ziele für die French Open?

Görges: Gut spielen in erster Linie. Was dabei rauskommt werden wir sehen.

SPORT1: Sie stehen vermehrt in der Öffentlichkeit. Spüren Sie mehr Druck?

Görges: Nein, eigentlich nicht. Jeder Sportler macht sich den Druck selbst. Das Medieninteresse ist schon größer geworden, aber das ist auch eine Bestätigung für die Leistung und zeigt, das Interesse am Tennis besteht. Das ist auch gut, denn Tennis in Deutschland war tot und es ist wichtig, dass der Sport wieder im Vordergrund steht. Die Leute interessieren sich wieder für das, was man macht.

SPORT1: Freuen Sie sich über den Aufwind des Tennis-Sports dank Ihrer Erfolge und denen von Andrea Petkovic?

Görges: Natürlich. Die ganzen Jahre wurde immer auf die Erfolge von Boris Becker und Steffi Graf hingewiesen. Das ist schwierig für uns und wir werden nie darankommen oder das erreichen, was die geschafft haben. Das Tennis hat sich aber auch stark verändert, es gibt viel mehr gute Spielerinnen. Die Zeiten, in denen man wie Graf in 35 Minuten unantastbar durch die Runden marschiert ist, ist vorbei. Aktuell kann die Nummer 80 die Nummer zehn schlagen und es ist gut zu sehen, dass wir es geschafft haben, das Medieninteresse in Deutschland zu steigern.

SPORT1: Was ist denn Ihr Lieblingsbelag? Sand nach den jüngsten Erfolgen?

Görges: Mein Spiel kann ich auch auf Hartplatz spielen - auch wenn ich noch nicht die Ergebnisse wie auf Sand gebracht haben. Grundsätzlich würde ich aber schon sagen, dass mein Spiel auf Sand besser ist. Ich versuche das Spiel, dass ich auf Sand bringe auch auf Hartplatz umzusetzen. Im Moment ist das aber nicht ganz so einfach und ein Lernprozess, weil ich erst begreifen muss, dass ich dort trotz weniger Zeit mein Spiel aufziehen kann.

SPORT1: Im Damen-Tennis rücken auch Mode- und Attraktivitätsaspekte in den Vordergrund. Die lackierten Fingernägel von Caroline Wozniacki stehen oft im Fokus. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Görges: Also mit lackierten Fingernägeln oder einem hübschen Äußeren gewinnt man keine Matches. Ich lackiere meine Nägel auch passend zu meinem Outfit - aber nur weil ich es persönlich gut finde. Davon spiele ich aber den Ball nicht drei Mal mehr ins Feld. Bei mir hat das keine enorme Wichtigkeit.

SPORT1: Das Outfit oder ein Foto-Shooting wird also nicht als Marketinginstrument verwendet?

Görges: Natürlich wird die Kleidung den Sportlerinnen angepasst, damit diese verkauft werden. Das ist schon wichtig und es ist auch schön, wenn sie mir gefallen. Aber es bringt mir nix auf dem Platz, um das Match zu gewinnen.

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