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Serena Williams stand bisher bereits 122 Wochen an der Spitze der WTA-Weltrangliste © getty

Nach dem Erfolg in Stanford ist Serena wieder auf dem Weg nach oben. Doch das harte letzte Jahr nagt am Selbstbewusstsein.

Köln/Stanford - Serena Williams betet oft.

Nicht nur, wenn es schlecht läuft, wenn das Schicksal es nicht so gut mit ihr meint, sondern auch und vor allem dann, wenn alles gut ist.

So wie jetzt nach dem Turniersieg in Stanford, ihrem ersten seit Wimbledon 2010.

"Ein Gebet ist wie ein Gespräch mit einem Freund", sagt sie: "Und meine guten Freunde brauche ich immer, nicht nur in schlechten Zeiten."

Für Serena Williams sind die Zeiten endlich wieder gut.

Nach dem bisher schwersten Jahr ihres Lebens ist die 29-Jährige fast wieder dort angekommen, wo sie vor jenem schicksalhaften Abend im Juli 2010 in einem Münchner Restaurant jahrelang war, nämlich ganz oben.

"Überall war Blut"

Was damals in München passierte, kann Serena Williams bis heute nicht so richtig verstehen.

Auf dem Weg nach draußen spürte sie plötzlich einen stechenden Schmerz unter beiden Füßen: "Auf dem Boden lagen ganz viele Glasscherben, die hatten die Sohlen meiner Schuhe regelrecht zerschnitten. Überall war Blut."

Es bestand Lebensgefahr

Es folgten die erste, die zweite und eine dritte Operation, die linke Fußsohle wurde mit sechs Stichen genäht, die Wunde wollte einfach nicht heilen.

Es kam noch schlimmer: "Laufen konnte ich zeitweise gar nicht, da habe ich mir ein Fahrrad ausgeliehen."

Mit dem fuhr sie an einem Tag im Oktober viel zu schnell eine abschüssige Straße runter, ein Sturz und ein tiefer Riss in der Schulter waren die Folgen.

Im März dieses Jahres ging es dann plötzlich nicht mehr nur um die sportliche Karriere, sondern um das nackte Leben: Blutgerinnsel in der Lunge, Not-OP, Embolie, wochenlange medizinische Überwachung.

"Ich hatte niemals wirklich Angst"

Damals hat Serena sehr viel mit Gott gesprochen.

"Er hat mich immer gehalten, ich hatte niemals wirklich Angst", sagt sie. Sie hat das Licht am Ende der Finsternis gesehen und gewusst, dass alles wieder gut wird: "Aber dass es so schnell geht, das überrascht mich jetzt doch ein bisschen."

Drei souveräne Siege

Elf Monate nach jenem verhängnisvollen Fehltritt in München kehrte Serena Williams Anfang Juni in Eastbourne auf die Tour zurück, dort und anschließend in Wimbledon war jeweils im Achtelfinale Endstation.

In Stanford hat es nun erstmals wieder zum Titel gereicht, dabei unter anderem zu einem 6:1, 6:3 gegen die zuletzt bärenstarke Maria Scharapowa, zu einem 6:1, 6:2 gegen Wimbledon-Halbfinalistin Sabine Lisicki (News) und im Finale zu einem 7:5, 6:1 gegen die Französin Marion Bartoli (News).

Die legte sich im Hinblick auf die US Open Ende August in New York schon mal fest: "Bis dahin wird sie das zulegen, was jetzt noch fehlt, und dann wird es sehr schwer, sie zu schlagen."

Das Selbstvertrauen fehlt

Serena Williams ist also wieder da, ihr Tennis ist so unwiderstehlich, so kraftvoll, so atemberaubend schnell wie eh und je.

Niemals, sagte Sabine Lisicki nach der kurzen Lehrstunde von Stanford, habe sie gegen eine so starke Gegnerin gespielt. Die sieht sich allerdings selbst noch nicht wieder dort, wo sie eigentlich hin will.

Zwar verbesserte sie sich in der Weltrangliste um genau 90 Positionen auf Platz 79, sieht aber vor allem im mentalen Bereich noch Luft nach oben: "Ich habe noch nicht das Selbstvertrauen, das einem viele gewonnene Matches bringen."

Und vielleicht auch viele gute Gespräche. Mit guten Freunden.

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